Modedesignerin Wanda Worms kreiert Unikate und näht nach den Bedürfnissen ihrer Kunden. So wird ein altes Lieblingsstück wieder salonfähig.

Modedesignerin Wanda Worms kreiert Unikate und näht nach den Bedürfnissen ihrer Kunden. So wird ein altes Lieblingsstück wieder salonfähig.

Foto: Arnd Hartmann

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Aus Gebrauchtem wird Design

29. April 2021 // 11:15

Gezielt sticht die Nadel blitzschnell immer wieder zu und verknüpft den Faden leise ratternd zu einer Reihe winziger Knoten. Während die Hände von Wanda Worms den Stoff geschickt verschieben und so den Verlauf der Naht exakt in die gewünschte Richtung lenken, dreschen Rage against the Machine die gnadenlosen Riffs ihres Neunziger-Hits „Killing in the name of“ durch die Verkleidung der Lautsprecher. Mischlingsrüde Mr. Bukowski liegt derweil seelenruhig unter dem Tisch und ergänzt die Geräuschkulisse mit seinem sonoren Schnarchen.

Nachwuchsdesignerin

Eine typische Szene aus dem Atelier der 28-jährigen Nachwuchsdesignerin und Wahl-Bremerhavenerin, die aus gebrauchten Textilien Neues kreiert, Kleidung aufpeppt oder neu anfertigt. „Jeder hat doch ein Lieblingskleidungsstück, das Geschichten erzählen könnte und das mit jedem weiteren Flicken noch mal an Stärke gewinnt“, ist Wanda überzeugt. Denn Wanda macht keine halben Sachen, legt viel Wert auf solides Handwerk und hochwertige Materialien und Nachhaltigkeit. „Ich entwerfe Unikate, die möglichst ein Leben lang halten, keine Billigproduktionen, bei denen sich die Nähte schon nach dem ersten Waschen auflösen.“

Gut verarbeitete Stoffe

Ein wichtiger Faktor ist laut Wanda auch, dass die verwendeten Stoffe miteinander kompatibel und gut verarbeitet sind. Im Rahmen ihres Design-Studiums in Berlin und der LSH in Bremerhaven absolvierte sie ein Praktikum bei der Diplom-Modedesignerin Kirstin Kirchhoff und ihrem Geschäft MD82 im Bremer Viertel. „Ein Wendepunkt der Erkenntnis“, erinnert sich Wanda. Denn: „Bis dahin dachte ich, ich könne nähen. Das war ein Irrtum. Sie hat mir die Augen geöffnet und mir das Nähen von der Pike auf noch mal beigebracht.“ So gibt es bei Kirchhoff, die Wanda als Wegbereiterin für ihr Schaffen bezeichnet, keine Flickschusterei. „Wenn bei einer halben Naht der Faden ausgeht, wird bei ihr nicht ein neuer Faden aufgezogen und weiter genäht, sondern die Naht aufgetrennt und komplett in einem durchgenäht. Dann hält das auch.“

Bedürfnisse des Trägers

Dies ist besonders wichtig bei der Nische, die Wanda schließen möchte: „Ich nähe nach den Bedürfnissen des Trägers angefertigte Kleidung, die ein Leben lang hält. Da ich Corona-bedingt zurzeit keine Stoffe kaufen kann und sowas im Internet bestellen eher Bullshit-Bingo und nicht förderlich für den Einzelhandel ist, konzentriere ich mich auf Upcycling-Fashion – für Mensch und Tier.“ Auch eine ansehnliche Auswahl an Upcycling-Taschen, hergestellt dank vieler „Material-„Care“-Pakete“ aus ganz Deutschland, kann Wanda vorweisen. „Ich verarbeite so ziemlich alles, was ich bekomme. Auch alte Lederjacken oder Mäntel. Das mache ich schon aus Respekt vor dem Tier, das sein Leben dafür gelassen und verdient hat, dass alles nachhaltig verwertet wird.“ Damit möchte Wanda auch ein Zeichen gegen die Wegwerfmentalität vieler Menschen setzen und Nachhaltigkeit kreativ vorleben.

Meine Heimat

Bremerhaven ist für die junge Frau aus Arholzen (bei Höxter) nicht zuletzt auch für diese Philosophie der ideale Ort zum Leben und Designen: „Bremerhaven ist eine Großstadt mit Dorfcharakter. Du kennst die Leute in deiner Straße, jeder hilft sich – insbesondere in Corona-Zeiten – und wenn du den Kopf frei haben möchtest, bist du überall innerhalb von zehn Minuten am Deich. Zusammen mit den moderaten Lebenshaltungskosten, den Mieten und der bundesweit höchsten Altbaudichte ist das unschlagbar. Bremerhaven ist seit zehn Jahren meine Heimat, ich will hier nie wieder weg.“

Mit einem versonnenen Lächeln wendet sich Wanda jetzt wieder ihrer Näharbeit zu und das Rattern der Nadel auf dem Stoff ertönt von Neuem. Auch Mr. Bukowski legt sich wieder schlafen. Aus den Lautsprechern erklingt „Circles“ von Mutz als ich leise die Tür schließe. (ran)Mit einem versonnenen Lächeln wendet sich Wanda jetzt wieder ihrer Näharbeit zu und das Rattern der Nadel auf dem Stoff ertönt von Neuem. Auch Mr. Bukowski legt sich wieder schlafen. Aus den Lautsprechern erklingt „Circles“ von Mutz als ich leise die Tür schließe.

Wanda – Made with love. wanda.worms@gmx.de

Instagram: #wandawithscissorhands

Im Porträt: Nachwuchsdesignerin Wanda Worms in ihrem Atelier in der Alten Bürger. Mit Nähmaschine und kreativem Fingerspitzengefühl fertigt sie aus gebrauchten Textilien und alltäglichen Gegenständen neue Designobjekte.

Im Porträt: Nachwuchsdesignerin Wanda Worms in ihrem Atelier in der Alten Bürger. Mit Nähmaschine und kreativem Fingerspitzengefühl fertigt sie aus gebrauchten Textilien und alltäglichen Gegenständen neue Designobjekte.

Foto: Arnd Hartmann

Mit Fingerspitzengefühl fertigt Wanda Worms aus gebrauchten Textilien und alltäglichen Gegenständen neue Designobjekte.

Mit Fingerspitzengefühl fertigt Wanda Worms aus gebrauchten Textilien und alltäglichen Gegenständen neue Designobjekte.

Foto: Arnd Hartmann

Aus Gebrauchtem wird Design

Foto: Arnd Hartmann

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