Experten am Telefon

Dr. jur Walter Schmel und Torsten Koop beantworteten Fragen rund um die Themen Bestattung und Vollmacht.

Foto: Nordsee-Zeitung

Anzeige
Werbung

Experten-Telefon: Sorge um Auslegung der Patientenverfügung

5. Dezember 2020 // 00:00

Das Top-Thema war eindeutig: Die Corona-Pandemie beschäftigt viele Anrufer beim Experten-Telefon mit Dr. jur. Walter Schmel und Torsten Koop. Darum haben wir euch die wichtigsten Infos noch einmal hier zusammengefasst.

Patientenverfügung in Corona-Zeiten

„Ich habe in meiner Patientenverfügung den Wunsch notariell beglaubigen lassen, dass ich keine lebenserhaltenden Maßnahmen wünsche, wenn ich im Sterben liege. Jetzt habe ich Angst, dass im Falle einer schweren Corona-Infektion die Beatmungsgeräte abgestellt werden.“ Das war bei der Telefon-Aktion der NORDSEE-ZEITUNG am Donnerstag das Hauptthema besorgter Anrufer bei Dr. jur. Walter Schmel. Bei Dipl. Kfm. Torsten Koop fragten viele nach Finanzierungskonzepten für verschiedene Bestattungsformen.

Experten-Tipp: Vorsorgevollmacht ergänzen

„Wer wegen eines schweren Verlaufs einer Corona-Infektion beatmet wird, liegt nicht unbedingt im Sterben“, beruhigte der Fachanwalt für Erbrecht alle. Er riet allerdings dazu, bereits bestehende Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten um diesen Passus zu ergänzen. „Dann ist man ruhiger und auf der ganz sicheren Seite.“

Es wurde bei den Anfragen deutlich, dass viele ältere Menschen starke Bedenken haben, dass die Beatmungsgeräte aufgrund der Urkunde insbesondere bei Senioren frühzeitig abgeschaltet würden, wenn aufgrund hoher Infektionszahlen die Intensivbetten knapp werden. „Ich gebe da den Rat, die Änderung zeitnah in die Hand zu nehmen, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt. Seit der Entwicklung der Pandemie nehmen wir in unserer Kanzlei den Passus automatisch in neue Patientenverfügungen mit auf.“

Individuelle Beratung sorgt für Klarheit

Eine andere Anruferin berichtete, dass sie und ihr Ehemann von der kürzlich verstorbenen Tochter als Erben eingesetzt wurden, obwohl zwei Kinder vorhanden sind. Sie war unsicher, wie sie mit der Situation umgehen sollte. „Natürlich haben beide Kinder Anspruch auf ihren Pflichtteil, doch der Mutter ging es wohl darum, dass die Großeltern zunächst das Geld verwalten, damit es nicht verloren geht.“ Der Experte empfahl der Erbin, sich zeitnah persönlich und individuell beraten zu lassen. „Auf die lange Bank schieben sorgt nur für innere Unruhe und bei Verzögerungen auch im weiteren Kreis der Familie für Ungemach.“

Erbengemeinschaft und Pflegekosten

Ein für den Juristen spannende Frage war, wie sich die Aufteilung des hinterlassenen Vermögens in einer Erbengemeinschaft gestaltet, wenn eine Partei die verstorbene Person seit Jahren gepflegt hatte, während die anderen Nutznießer weit entfernt leben und nur sporadisch zu Besuch kamen oder Kontakt pflegten. „Da gibt es mittlerweile eine gesetzliche Regelung, bei der Pflegekosten vorab dem Pflegenden zu erstatten sind und vor der Verteilung auf die Erbengemeinschaft in Abzug gebracht werden. Aber die Höhe hat der Gesetzgeber nicht geregelt. Ich empfehle, eine solche Regelung bereits im Testament festzuhalten. Die Vorsorgevollmacht legt fest, welche Person im Falle einer Geschäftsunfähigkeit die Angelegenheiten des Betroffenen regeln soll. Die Vorsorgevollmacht verhindert, dass das zuständige Gericht eine Betreuung festlegt.“

Erbfolgen im Voraus festlegen

Ein weiterer Irrglaube zeichnete sich bei einem Anrufer in einem Nebensatz ab: „Ich bin verheiratet und meine Frau erbt automatisch alles und bestimmt, wie es danach weitergeht..“ Dr. Schmel widersprach höflich, aber bestimmt: „Ergänzen Sie unbedingt, dass der oder die länger Lebende die weitere Erbfolge im Nachhinein ändern kann. Sonst hat der oder die Hinterbliebene keine Chance mehr, das Testament nachträglich zu ändern, obwohl sich die Situation vielleicht geändert hat.“

Bestattungskultur im Wandel

Die Branche von Torsten Koop hat sich in den vergangenen Jahren auch sehr gewandelt. „Die Bestattungskultur ist im Umbruch, nur noch 30 Prozent der Verstorbenen wünschen eine Erdbestattung. Der Trend geht eindeutig zur Urnenbeisetzung. Seebestattungen sind hier im Norden der absolute Trend.“ Wie sich die Kosten für eine Seebestattung im Vergleich zu einer Urnenbeisetzung auf dem Friedhof oder im Friedwald unterscheidet, beschäftigte auch einen Anrufer.

Finanzierungskonzepte für Bestattungen

Der 58-Jährige Koop informierte über verschiedene Möglichkeiten sowohl in der Beisetzungsform als auch über Finanzierungskonzepte. Über seine Rücklagen für die Bestattung sorgte sich auch ein Anrufer, der hierfür eine degressive Risikolebensversicherung abgeschlossen hatte. „Die Summe wird immer geringer und wenn ich in drei Jahren sterbe, werden nur noch 300 Euro ausgezahlt,“ schilderte der Mann. Koop riet ihm, zeitnah einen Termin für eine individuelle Vorsorgeberatung bei einem Bestattungsunternehmen zu machen. (ran)

Würdest du dir die Haare selbst schneiden?
143 abgegebene Stimmen
Folge nord24 via Messenger
Folge den Pinguins via Messenger