Kurz vor Abpfiff des EM-Spiels Russland gegen England haben russische Hooligans englische Fans attackiert.

Kurz vor Abpfiff des EM-Spiels Russland gegen England haben russische Hooligans englische Fans attackiert.

Foto: Powell/dpa

Europameisterschaft 2016

Fußball-EM: Uefa droht Russland

Von Christoph Käfer
14. Juni 2016 // 17:30

Die Europäische Fußballunion (Uefa) reagiert auf die Fan-Krawalle in Frankreich: Der russische Verband muss 150.000 Euro Strafe zahlen und wird im Falle einer Wiederholung der Ausschreitungen von der EM ausgeschlossen. 

Harte Strafe nach Fan-Krawallen

Die Disziplinarkommission der Uefa hat EM-Teilnehmer Russland für die Fanausschreitungen im Stadion von Marseille gegen englische Fans hart bestraft. Im Wiederholungsfall wird die Mannschaft sofort aus dem Turnier ausgeschlossen, zudem wurde eine Geldstrafe von 150.000 Euro verhängt, wie die Uefa in Paris mitteilte.

Russland droht Disqualifikation

Die Disqualifikation bei Ausschreitungen im Stadion wurde für die gesamte Dauer der EM zur Bewährung ausgesetzt. Während des Turniers hat die russische Auswahl noch mindestens zwei Partien zu bestreiten: Am Mittwoch spielt die Elf in Lille gegen die Slowakei. Das letzte russische Gruppenspiel gegen Wales findet am Montag in Toulouse statt.

Kein Einspruch gegen Uefa-Urteil

Gegen die Strafe wird der russische Verband keinen Einspruch einlegen. "Wir warten auf die offizielle Mitteilung und werden die Entscheidung akzeptieren", sagte Sportminister Witalij Mutko der russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge. "Es wird Zeit, dass Ruhe einkehrt. Es läuft eine EM, das ist ein Feiertag für den Fußball, aber alle reden nur über Schlägereien und Strafen", sagte der Minister.

Russische Fans greifen Engländer an

Russische Anhänger hatten nach der Partie gegen England am Sonnabendabend englische Fans im Stadion Vélodrome kurz vor Ende der Partie attackiert. Mehrere Menschen, darunter auch Kinder, mussten vor den Angreifern fliehen. Vor dem Spiel hatte es in Marseille schwere Ausschreitungen gegeben, bei denen mindestens 35 Personen verletzt worden waren. Ein englischer Fan wurde dabei dermaßen schwer verletzt, dass er weiterhin in Lebensgefahr schwebt.

Russland verurteilt Krawalle

Die russische Regierung hat die Krawalle inzwischen als "absolut inakzeptabel" verurteilt. "Wir setzen darauf, dass sich russische Bürger und Fans an die Gesetze des Landes halten, in dem sie sich aufhalten", sagte Kremlsprecher Dmitrij Peskow. "Wir können unseren Fans nur dazu raten, nicht auf irgendwelche Provokationen zu reagieren." Der russische Parlaments-Vizepräsident Igor Lebedew hingegen hatte zuvor die Fanausschreitungen von Marseille verteidigt. "Ich kann nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden. Im Gegenteil, gut gemacht Jungs. Weiter so!", schrieb der Politiker der nationalistischen Liberaldemokraten.

Regelmäßige Ausschreitungen bei Turnieren

WM 1998: Vor dem Vorrundenspiel zwischen Deutschland und Jugoslawien kommt es im nordfranzösischen Lens zu ersten Auseinandersetzungen deutscher Hooligans mit der französischen Polizei. Nach der Partie wird der Gendarm David Nivel von einem halben Dutzend deutscher Schläger angegriffen und brutal zusammengeschlagen. Nivel liegt sechs Wochen im Koma und leidet heute noch an den Folgen. In Marseille liefern sich englische Fans zwei Tage lang Massenschlägereien mit Einheimischen und Anhängern aus Tunesien. Es gibt viele Verletzte und Festnahmen. EM 2000: Bei dem Turnier in Belgien und den Niederlanden kommt es bereits früh zu Ausschreitungen. Schon bei der Ankunft englischer Fans in Brüssel gibt es Krawalle und fast 400 Festnahmen. Vor dem Vorrundenspiel England gegen Deutschland wird es auch in Charleroi hitzig: Fans beider Lager prügeln aufeinander ein, es fliegen Plastikstühle und Bierbecher - die Polizei setzt Wasserwerfer ein. Negativer Höhepunkt: In der Nacht vor dem Spiel wird ein britischer Fan mit einem Messer niedergestochen und schwer verletzt.
EM 2004: Auch in Portugal stehen die Engländer im Mittelpunkt von Ausschreitungen. Im Ferienort Albufeira an der Algarve liefern sie sich zwei Tage nach Englands Vorrundenniederlage gegen Frankreich Straßenschlachten mit der Polizei. Mehrere Briten werden festgenommen. Wegen der erneuten Randale droht den Engländern zwischenzeitlich sogar der Ausschluss vom Turnier. EM 2012: Rund um das brisante Vorrundenspiel zwischen Co-Gastgeber Polen und Russland kommt es in der Warschauer Innenstadt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Hooligans aus beiden Ländern. Bei den Straßenschlachten werden auch Polizisten attackiert. Mehr als 5000 Sicherheitskräfte werden aufgeboten. Es gibt etliche Verletzte und zunächst fast 200 Festnahmen - vor allem polnischer Schläger, die auch mit rechtsradikalen Parolen für Aufsehen sorgen.

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