Bremer Altbürgermeister Henning Scherf am Klavier

Leben im Alter: Henning Scherf hat sich für ein Wohnprojekt mit Freunden entschieden.

Foto: Kelling

Anzeige
Bauen & Wohnen
Werbung

Hausgemeinschaft: So wohnt der Bremer Altbürgermeister

12. Juni 2020 // 00:00
Gesponsert von
Immobilia Logo

Leben in einer Wohn- oder Hausgemeinschaft: Das verbinden viele mit der Studentenzeit, dem Wechsel vom Dorf- ins Stadtleben oder einer zwischenzeitlichen Pendlersituation. Für den Bremer Altbürgermeister, Henning Scherf, und seine Frau ist es die optimale Wohnalternative fürs Alter. Warum? Die Immobilia hat nachgefragt.

Traumschön Wohnen

Henning Scherf ist angekommen – gerade eben, zuhause, zurück vom Einkaufen. Aber auch grundsätzlich: „Es war gut, dass wir früh angefangen haben, gemeinsam zu überlegen: Wie wollen wir wohnen, wenn wir alt sind?“ Inzwischen wohnt der Bremer Altbürgermeister und frühere Senatspräsident mit seiner Frau Luise und acht Freunden seit Jahrzehnten in einer Hausgemeinschaft. Die Wohnsituation in dieser Form ist wahrscheinlich einmalig und doch, für manche kann sie eine echte Blaupause und Wohnalternative fürs Alter sein: unweit des Bremer Hauptbahnhofs im Herzen der Stadt, wie auf einer Insel – traumschön, auch ohne Südsee.

Bremer Altbürgermeister und "Oma-Knutscher"

Als die Kinder groß waren, nun vor mehr als 30 Jahren, da begann für die Scherfs eine neue Lebensphase. „Wir wollten mit Freunden unseren Lebensabend verbringen“, erzählt Henning Scherf, den sie „Oma-Knutscher“ nennen und das gar nicht despektierlich meinen. Als Bürgermeister war der Zwei-Meter-Mann immer ein auf die Menschen zugehender Landesvater. Er war oft mit dem Rad in der Stadt unterwegs, ist früher sogar Marathon gelaufen. Heute, mit 81 Jahren, fährt er auch mal Taxi. Und wenn er zu Vorträgen quer durchs Land fährt, dann mit dem Zug – die Augen immer offen für die Welt und die Menschen.

Henning Scherfs Hände auf einer Klaviertastatur

Interessiert und voller Tatendrang: Henning Scherf ist leidenschaftlicher Klavierspieler.

Foto: Kelling

Haus-Projekt in der Rembertistraße

„Meine Frau wollte gerne in einem Bauernhaus wohnen – nicht einfach, das mit dem Bremer Marktplatz zu verbinden“, sagt Scherf und lächelt verschmitzt. Nach langer Suche fiel die Wahl auf ein altes Haus an der Rembertistraße. Es sei von Kriegsschäden gezeichnet und runtergewirtschaftet gewesen. Scherf, der von 1995 an zehn Jahre lang Bremer Regierungschef war, erinnert sich noch gut daran:„Es war schwer, eine Bank zu finden, die unser Projekt unterstützen wollte.“ Heute seien die Banken viel offener für neues Wohnen im Alter. Das Haus hat einen Fahrstuhl und im Flur eine Metalltafel. Die Idee dafür habe Scherfs Frau Luise gehabt: "Hier schiebt jeder seinen Magneten auf den aktuellen Tag, und alle wissen, ihm geht’s gut."

Gemeinsamer Alltag: Hier bleibt niemand alleine

Zu den gemeinsamen Räumen im Haus kommen eigene Wohnteile, als Rückzugsort für die inzwischen drei Paare und zwei Singles. Jeder kann Gastgeber des anderen sein, samstags wird bei einem anderen Hausbewohner zusammen gefrühstückt. Gemeinsame Urlaube, miteinander kochen und füreinander da sein – die Mehrheit im Haus ist mehr als 80 Jahre alt. Sie alle wissen zu schätzen, dass man sich gegenseitig helfen und beistehen kann und niemand alleine bleibt. Aktuell braucht Manfred im Erdgeschoss Hilfe nach einem Trümmerbruch und alle gucken regelmäßig vorbei. Man spürt: Hier sind Menschen beisammen, die nicht nur ein gemeinsames Dach verbindet. Aber weil auch hier nicht immer nur eitel Sonnenschein herrscht, wird über die Dinge, die anstehen, geredet – soviel Offenheit muss sein.

Ein buntes und lebendiges Haus

Auch wenn die meisten im Haus schon älter sind – es bleibt lebendig. Vor allem, wenn die Enkelkinder der Scherfs „Omi und Opi im bunten Haus in Bremen“ besuchen, ist Leben in der Bude. Nicht zu vergessen die nigerianische Flüchtlingsfrau mit ihren drei Kindern, die regelmäßig zu Besuch sind. Man trifft sich – im Flur, in den Wohnungen oder im schönen Garten. Er ist wie eine grüne Lunge mitten in der Stadt, mit einer Schaukel für die Enkel und dem üppig blühenden Rhododendron.

Hausgemeinschaft - eine echte Wohnalternative fürs Alter?

Alleinsein im Alter – das ist eine Sorge, die viele umtreibt. Henning Scherf empfiehlt allen: Früh anfangen – sich zuerst im Kopf klar werden darüber, was man will und mit wem. Nicht Hals über Kopf, sondern langsam den Freundeskreis sondieren, mit wem man können könnte: "Gemeinsame Urlaube, regelmäßiges Besuchen, nicht nur zum Kaffeetrinken, und gemeinsames Kochen – da merkt man dann schon, ob die Chemie stimmt und kann Vertrauen aufbauen. Und dann zieht man zusammen.“ Gemeinsames Wohnen im Alter umzusetzen, dafür sieht Henning Scherf aktuell beste Chancen: „Es gibt viele schöne Immobilien, in der Stadt und auf dem Land. Entscheidend ist, dass sich die Gruppe insgesamt das Projekt zutraut.“ Das brauche Geduld, eine gute Abwägung der unterschiedlichen Ansprüche. Sich den Orts-Bürgermeister als Unterstützer zu suchen, sei nicht verkehrt: „Die kennen ihren Beritt ganz gut und können auch den Kontakt zum Sparkassendirektor für eine seriöse Finanzierung vermitteln“, erklärt Scherf. Der Markt sei mit Blick auf das niedrige Zinsniveau so günstig wie nie: „Geld für Immobilien auszugeben ist eine hoch vernünftige, nachhaltige Sache.“

Lebensqualität selbst bestimmen

Nein, im Alter ist nicht alles schön. Das weiß auch Henning Scherf, und er leugnet es nicht: Aber man muss aus dem, was einem geblieben ist, das Beste machen. „Dem Glas ist es egal, ob wir es als halb leer oder halb voll sehen. Aber uns sollte es nicht gleich sein, weil es unsere Lebensqualität bestimmt.“ Der 81-Jährige ist viel unterwegs. Bis zu 200 Vorträge hält er im Jahr. Immer, wenn er nicht Zuhause ist, versucht er, sein Lebenselexier weiterzureichen: „Ich kann besser abends einschlafen, wenn ich helfen konnte. Jeder hat sein Werkzeug – bleiben wir mutig, es jeden Tag zu benutzen.“

Mehr zum Thema "Bauen und Wohnen" gibt's hier.

Maskenpflicht

Thema Corona: Viele fordern eine Ende der Maskenpflicht im Handel. Wie steht ihr dazu?

579 abgegebene Stimmen
Folge nord24 via Messenger
Folge den Pinguins via Messenger