Schöne Fankultur oder nerviges Gelärme: Die Meinungen über Hupkonzerte nach Fußballspielen gehen auseinander.

Schöne Fankultur oder nerviges Gelärme: Die Meinungen über Hupkonzerte nach Fußballspielen gehen auseinander.

Foto: Archivfoto: Scheschonka

Europameisterschaft 2016

Meinungs-Duell: Pro & Contra Hupkonzerte

Von nord24
2. Juli 2016 // 16:00

Ein Spiel dauert 90 Minuten, das Runde gehört ins Eckige - und nach dem gewonnen EM-Spiel gibt es ein Hupkonzert auf den Straßen. Dass Siege bei großen Fußball-Meisterschaften lautstark auf der Straße gefeiert werden, ist längst Normalität. Doch nicht jedem gefällt die Art der Fußballfreude. Sind Hupkonzerte Ausdruck der internationalen Fankultur oder nicht viel mehr als Belästigung der anderen? Hier ist unser Meinungs-Duell!

Pro

Griesgrämig, miesepetrig, krautig - so werden wir Deutsche im Ausland häufig wahrgenommen. Das hat sich seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zum Glück geändert. Zumindest während großer Fußball-Turniere, also Welt- und Europameisterschaften, kommt so etwas wie Nationalstolz zum Ausdruck, wenn wir die Erfolge unserer Nationalmannschaft jubelnd oder hupend auf der Straße feiern. 150käfer_christoph

Statt Freude gleich zur Polizei

In anderen Ländern ist das völlig normal. Das lässt sich auch während der laufenden Fußball-EM in Bremerhaven gut beobachten: Ob Albaner, Türken, Portugiesen oder Polen - sie haben die die Erfolge ihrer Heimatländer entsprechend lautstark mit Hupkonzerten gefeiert. Doch anstatt sich mit ihnen zu freuen, rufen genervte Anwohner lieber die Polizei. Das ist typisch deutsch.
Anstatt sich zu freuen, rufen genervte Anwohner lieber die Polizei.
Warum können sich viele hierzulande nicht einfach mit den friedlich Feiernden freuen? Und anerkennen, dass solch ein Fußball-Turnier auch zur Völkerverständigung beitragen kann: In Bremerhaven feierten nach dem Achtelfinale zwischen Portugal und Kroatien Anhänger beider Lager gemeinsam. Was für eine tolle Geste!

Bald ist doch alles eh wieder vorbei

Und mal Hand aufs Herz: In gut einer Woche ist die EM wieder Geschichte. Dann ist wieder für zwei Jahre Ruhe bis zur nächsten Weltmeisterschaft. Bei der tritt Deutschland als Titelverteidiger an, aber den Titel als Europa- oder Weltmeister im Feiern werden wir wohl nie holen.

CONTRA

Ist Freude eigentlich nichts mehr wert, wenn man nicht jeden damit belästigt? Manchmal bekomme ich den Eindruck, dass Dinge, die man für sich behält, nichts mehr zählen. Ein paar Beispiele gefällig? Die beruflichen Erfolgsmeldungen auf Facebook, die Selfie-Flut auf Instagram und - jetzt gerade stark im Trend - die Hupkonzerte auf der Straße. Ich bin auch schon lautstark in Jubel ausgebrochen, als die deutsche Elf in der letzten Minute ein wichtiges Spiel gewonnen oder den WM-Pokal abgeräumt hat. Aber warum muss man sich von Glück berauscht denn unbedingt in sein Auto setzen, um hupend durch die Stadt zu fahren? Dass es gegen die Straßenverkehrsordnung verstößt, gilt ja längst nicht mehr als Argument. Die Regeln darin sind - siehe Tempolimit - ja ohnehin längst zu einer Art Richtwert verkommen.

Wenn das Baby endlich eingeschlafen ist, erwachen die hupenden Fans

Versuchen wir es also mit einem Appell an die Vernunft: Wer denkt, dass das bisschen Gehupe ja nicht so schlimm sei, sollte sich mal bei den schlafsuchenden Schichtarbeitern, den verängstigten Haustieren oder den Eltern von schreienden Babys erkundigen - die ihren Nachwuchs ausgerechnet kurz vor dem Abpfiff endlich zum Einschlafen gebracht haben.
Wer Hupkonzerte veranstaltet, zwängt anderen ungefragt seine Lebensweise auf, ohne dass diese sich dagegen wehren können.
Um es klar zu sagen: Wer hupt, verhält sich im höchsten Maße unsozial. Er zwängt anderen ungefragt seine Lebensweise auf, ohne dass diese sich dagegen wehren können. Er gefährdet obendrein auch noch andere. Denn wer in dieser Art und Weise durch die Straße fährt, denkt an alles - aber nicht an das, was vor ihm passiert. Das gilt übrigens auch für lärmende Hochzeitsgesellschaften oder die hupenden Grüße an die Bekannten auf der Straße (ich brülle doch auch nicht "Hallo!", wenn ich jemanden im Park treffe).

Lasst die Huperei!

Also: Lasst die Huperei und freut euch einfach anständig mit euren Freunden. Die anderen bekommen auch ohne eure Lärmoffensive mit, wie das letzte Spiel ausgegangen ist.

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