Ann-Christin Heins ist in den Norden zurückgekehrt: Sie leitet in Bremerhaven das Hotel der Deutschen Seemannsmission an der Schifferstraße.

Ann-Christin Heins ist in den Norden zurückgekehrt: Sie leitet in Bremerhaven das Hotel der Deutschen Seemannsmission an der Schifferstraße.

Foto: Arnd Hartmann

Freizeit

Neue Chefin an Bord

Von Torsten Melchers
30. April 2021 // 10:00

Der neue Boss ist eine Frau – zum ersten Mal in der 125-jährigen Geschichte der Seemannsmission in Bremerhaven. Und ebenfalls zum ersten Mal wird der Übernachtungsbetrieb in dem Haus an der Schifferstraße nicht von einem Diakon geführt, sondern von einer dafür ausgebildeten Fachkraft. Gelernt hat Ann-Christin Heins ihren Beruf in Österreich, aber trotzdem ist die neue Stelle für sie eine Rückkehr: Sie ist in Dorum aufgewachsen und in Bremerhaven zur Schule gegangen.

Die Ausbildung zur Hotel- und Gastgewerbe-Assistentin hat sie 2015 als zweitbeste Absolventin in ganz Österreich abgeschlossen. „Nordlicht glänzt im Dirndl“, schrieb die NORDSEE-ZEITUNG damals. Nach diesem Erfolg standen ihr alle Türen offen, und sie arbeitete in verschiedenen Hotels in Baden-Württemberg. „Die Berge sind schön, keine Frage“, sagt die 28-Jährige über die vergangenen sechs Jahre. Sie hat sich sogar eine Bergkette tätowieren lassen – aber direkt daneben auch eine Welle und einen Anker. Auf Dauer, so kann man das interpretieren, ist es im Norden doch schöner.

Dem Gast ein Zuhause auf Zeit geben

Ann-Christin Heins war nie richtig weg, ihre Eltern leben weiterhin in Dorum. „Der erste Weg, wenn ich hier war, führte immer in den Fischereihafen, ein Fischbrötchen essen. Und der zweite Weg führte an den Deich, den Wind spüren. Man kann seine Heimat nicht verleugnen“, sagt die junge Frau. Als sie dann per Zufall von der Stelle in Bremerhaven hörte, hat sie sich beworben.

Einerseits, sagt sie, gibt es keinen großen Unterschied zwischen einem Seemannsheim und einem Hotel: „Die Hauptaufgabe ist immer, dem Gast ein Zuhause auf Zeit zu geben.“ Andererseits ist hier aber doch vieles anders. Die Menschen, mit denen sie es in Bremerhaven zu tun hat, haben ganz andere Probleme. „Die sind monatelang an Bord und sehen ihre Familien nicht“, beschreibt sie und hat die Erfahrung gemacht: „Gespräche gehen dann auch ins Seelsorgerische.“ So entstehen Beziehungen zu den Crews, das verstärkt sich noch dadurch, dass zur Seemannsmission auch der Bordbesuchsdienst und der Seamen’s Club Welcome am Container-Aussichtsturm gehören.

Ann-Christin Heins wollte immer mit Menschen zu tun haben

Längst nicht alle, die im Seemannsheim an der Schifferstraße auftauchen, übernachten hier auch. Manche kommen hier nur für einen Schnack vorbei, um sich auszuruhen oder einzukaufen. Unter Seeleuten ist längst bekannt, dass man hier Telefonkarten und Schokolade bekommt. „Die Menschen von den Philippinen zum Beispiel sind extrem dankbar“, hat Ann-Christin Heins festgestellt.

Für sie ist das genau der richtige Job. „Ich wollte immer einen Beruf haben, bei dem ich mit Menschen zu tun habe, aber ohne Körperkontakt.“ Gesundheitswesen oder Pflege kamen für sie also nicht infrage, aber die Hotellerie war genau das Richtige. Dafür hat sie sogar wenige Monate vor dem Abitur am Lloyd Gymnasium die Schule abgebrochen. „Ich wollte ohnehin nie studieren, warum sollte ich mich länger mit Exponentialfunktionen rumärgern?“, fragt sie lächelnd. Studiert hat sie später zwar doch – Betriebswirtschaftslehre – aber damals begann sie eine Lehre im fernen Österreich. „Eine beinharte Ausbildung, sehr streng“, erinnert sie sich – und ist ihrem Chef dafür noch heute dankbar.

Software-Kniffe

Das Wissen kommt ihr seither zugute, auch im Seemannsheim mit seinen 26 einfach ausgestatteten Zimmern. „Der ein oder andere Kniff mit der Hotel-Software war hier bislang nicht bekannt“, sagt sie.

Was viele nicht wissen: Hier darf auch übernachten, wer nicht zur See fährt. „Bei der Sail ist alles voll“, weiß sie von ihrem Vorgänger Dirk Obermann. Ann-Christin Heins ruft alle Bremerhavener auf, selbst einmal auf

einen Kaffee vorbeizukommen, wenn Corona vorbei ist. Sie verspricht „tolle Begegnungen“: Die Seeleute seien froh, wenn sie mal mit jemand anderem reden können als mit ihren Kollegen von Bord.

Und sie selbst ist offenbar auch froh. Ihre Eindrücke am neuen Arbeitsplatz fasst sie in einem Satz zusammen: „Ich fühle mich sehr wohl hier.“

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