Großbritannien, London: Menschen warten in der Halle am Bahnhof Paddington, nachdem angekündigt wurde, dass in London ab Mitternacht Stufe 4 der Corona-Beschränkungen in Kraft tritt.

Menschen warten in der Halle am Bahnhof Paddington in London, nachdem angekündigt wurde, dass harte Corona-Beschränkungen in Kraft treten.

Foto: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa

Deutschland und die Welt

Neue Coronavirus-Variante: England in Alarmstellung

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Von nord24
20. Dezember 2020 // 10:37

Bis zu 70 Prozent ansteckender soll eine neue Variante des Coronavirus sein, die in Südostengland entdeckt wurde. Um die Ausbreitung zu stoppen, setzt die britische Regierung harte Maßnahmen in Kraft. Millionen Menschen sehen einsamen Weihnachten entgegen.

Harter Shutdown und Ausgangssperren in Teilen Englands

In London und anderen Gegenden in Südostengland gilt seit der Nacht zum Sonntag wieder ein harter Shutdown mit Ausgangssperren. Grund ist die rasche Ausbreitung einer neuen Variante des Coronavirus. Insgesamt sind etwa 16,4 Millionen Menschen von den Verschärfungen betroffen, knapp ein Drittel der Bevölkerung von England. Sie dürfen auch über Weihnachten keine Mitglieder anderer Haushalte treffen. „Als Premierminister ist es meine Pflicht, schwierige Entscheidungen zu treffen und zu tun, was getan werden muss, um die Menschen in diesem Land zu schützen“, betonte Regierungschef Boris Johnson am Samstagabend auf Twitter.

Millionen Menschen müssen alleine feiern

Er hatte noch vor kurzem Forderungen von Wissenschaftlern und der Opposition abgelehnt, härtere Maßnahmen über die Feiertage in Kraft zu setzen. Nun müssen Millionen Menschen doch alleine feiern. „Wir opfern die Möglichkeit, unsere Lieben dieses Weihnachten zu sehen, damit wir eine bessere Chance haben, ihr Leben zu schützen, damit wir sie an künftigen Weihnachten sehen können“, sagte Johnson.

Johnson warnt: Die Mutation ist bis zu 70 Prozent ansteckender

Der Premier warnte, die neue Variante VUI2020/12/01 des Coronavirus breite sich rasch aus. Die Mutation sei um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form. Viele Kliniken in Südostengland sind so gut wie vollständig ausgelastet, vielerorts wurden nicht notwendige Operationen verschoben. Johnson betonte, es gebe aber weder Hinweise darauf, dass Impfstoffe weniger effektiv gegen die neue Corona-Variante seien, noch darauf, dass die Krankheit schwerer verlaufe oder es mehr Todesfälle gebe.

Das soziale Leben wird heruntergefahren

Um auf Nummer sicher zu gehen, wird das soziale Leben in weiten Teilen des Landes heruntergefahren. In London und anderen Regionen in Südostengland gilt künftig die neue höchste Corona-Warnstufe 4. Dort dürfen die Menschen nur noch aus wichtigen Gründen ihre Wohnung verlassen, etwa, um zum Arzt oder zur Arbeit zu gehen. Alle nicht lebensnotwendigen Geschäfte sowie wie Fitnessstudios, Friseure, Kinos oder Schönheitssalons müssen schließen. Die Einwohner dürfen diese Zone nicht verlassen.

Bislang 83.000 Corona-Tote in Großbritannien

Großbritannien ist eines der am härtesten von der Corona-Krise getroffenen Länder Europas. Am Samstag stieg die Zahl der Infektionen um etwa 27.000 auf insgesamt mehr als zwei Millionen. Etwa 83.000 Menschen sind bisher mit oder an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt vor Virus-Mutationen

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte vor Mutationen des Coronavirus. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass Mutationen die Ansteckungsgefahr erhöhen“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Sonntag). „Das ist ein weiterer Grund dafür, dass die zweite Welle nicht so stark werden darf. Je mehr Ansteckungen man zulässt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass noch gefährlichere Mutationen folgen. Das ist quasi ein Teufelskreis: Mehr Ansteckungen führen zu mehr Mutationsgelegenheiten und damit zu mehr Mutationen. Diese wiederum führen zu mehr Ansteckungen. So geht es dann immer weiter.“ (dpa/mb)

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