„Black Lives Matter“-Kniefall vor dem Spiel zwischen den Fischtown Pinguins Bremerhaven und den Krefeld Pinguinen am 11. November 2020 in Bremerhaven.

„Black Lives Matter“-Kniefall vor dem Spiel zwischen den Fischtown Pinguins Bremerhaven und den Krefeld Pinguinen am 11. November 2020 in Bremerhaven.

Foto: Mathias Renner / City-Press GmbH

Freizeit

Sport ist bunt, nicht Schwarz-Weiß

2. Mai 2021 // 12:54

Profisportler haben nur ihren Sport im Kopf und machen sich wenig Gedanken über andere Dinge? Ein Vorurteil, das zumindest auf Max Fortunus nicht zutrifft. Er ist einer der wenigen schwarzen Spieler im deutschen Eishockey. Seine Popularität nutzt der Pinguins-Verteidiger, um die Bewegung Black Lives Matter im Kampf gegen Rassismus und Gewalt gegen Schwarze zu unterstützen. Im Interview mit Lars Brockbalz spricht der 38-Jährige über seine persönlichen Erfahrungen mit Diskriminierung, einen guten Ratschlag seines Vaters und was er von der Gesellschaft im Kampf gegen Rassismus erhofft.

Vor dem ersten Testspiel der Saison knieten sich alle Spieler der Fischtown Pinguins auf das Eis. Eine Geste, mit der Sportler weltweit Unterstützung für die Bewegung Black Lives Matter zeigen. Wer hat diese Aktion angeregt?

Das war meine Idee. Ich habe das schon lange im Hinterkopf gehabt, nach all den Ereignissen in der letzten Zeit. Am Tag vor dem Spiel bin ich zu Teammanager Alfred Prey und den Trainern gegangen und habe ihnen von meinem Vorhaben erzählt, vor dem Spiel meine Unterstützung für Black Lives Matter zu demonstrieren. Sie waren davon angetan und haben es an die Mannschaft herangetragen.

Gab es eine Diskussion, ob alle die Geste mitmachen?

Nicht im Geringsten. Das hat mich auch überhaupt nicht überrascht bei dem Charakter unserer Mannschaft und der Haltung unseres Managements. Unser Teammanager Alfred Prey vertritt großartige Wertvorstellungen. Diese Haltung versucht er an die Spieler weiterzugeben, deshalb waren die Jungs schnell an Bord, als die Idee zu der Geste kam.

Was ging Ihnen in dem Moment durch den Kopf, als Sie auf dem Eis knieten?

Was für eine kraftvolle Bewegung es ist. Wie gut es ist, für etwas einzustehen und die Leute darauf aufmerksam machen zu können, dass Rassismus ein Problem ist und überall auf der Welt passiert.

In letzter Zeit nutzen viele Sportler ihre Prominenz, um auf das Rassismus-Problem aufmerksam zu machen. Hätte das nicht schon viel früher passieren müssen?

Rassismus war immer da. Und es gibt schon lange den Kampf dagegen. Bei jeder Fußball-Weltmeisterschaft zum Beispiel gibt es Aktionen und Spieler engagieren sich. Aber es ist ein langer Kampf, die Leute müssen zusammenhalten, damit wir das Problem lösen können.

Der schwarze NHL-Profi Matt Dumba hat im Sommer vor dem Neustart der Liga eine bewegende Rede gegen Rassismus gehalten. Hat die dafür gesorgt, dass die Eishockeyszene mehr für das Thema sensibilisiert wird?

Jede Geste dieser Art ist wichtig. Der beste Weg, Rassismus zu bekämpfen, ist darüber zu reden. Man sollte Menschen mit unterschiedlichen Wurzeln in sein Leben lassen, den Nachbarn kennenlernen. Dann entwickelt man ein Verständnis dafür, wie andere Menschen leben und denken.

Eishockey ist ein Sport, der von weißen Spielern dominiert wird. Ist Rassismus im Eishockey ein größeres Problem als in anderen Sportarten?

Nein, das denke ich nicht. Rassismus ist in allen Sportarten und in der gesamten Gesellschaft ein gleich großes Problem. Ich bin Eishockeyspieler, aber zuallererst bin ich ein Mensch und Vater. Ich versuche, für meine Kinder eine Zukunft zu schaffen, wo sie von allen akzeptiert werden und alle Menschen akzeptieren, wie sie sind. Es geht nicht um Sport, es geht um die Gesellschaft.

Gibt es einen Grund, warum es so wenig schwarze Spieler im Eishockey gibt?

Das hat immer noch damit zu tun, dass Eishockey ein sehr teurer Sport ist und Schwarze und andere Minderheiten oft zu den ärmeren Familien gehören. Da können Förderprogramme helfen, um die Kosten zu tragen. Es ist aber auch schon etwas in Bewegung gekommen. Es gibt immer mehr schwarze und asiatische Spieler in den Ligen. Weil es auch in immer mehr von Minderheiten geprägten Vierteln Eishockeyhallen gibt.

Haben Sie als Kind im Sport negative Erfahrungen mit Rassismus gemacht?

Ich hatte das Glück – auch wenn das hier nicht das richtige Wort ist, weil es eine Selbstverständlichkeit sein sollte –, dass ich als Kind kaum schlimme Erfahrungen machen musste. Mein Vater hat mich und meine Brüder darauf vorbereitet, dass es passieren wird. Mein Vater sagte immer: Wenn einer etwas Schlimmes sagt, schau ihm in die Augen und mach dein Ding. Zeig ihm auf dem Eis, warum du da bist und dass du besser spielst als er. Nichts wird ihm mehr wehtun. An diese Regel habe ich mich immer gehalten.

Sind Sie als Profi bei einem Eishockeyspiel jemals rassistisch beleidigt worden?

Ich erinnere mich an zwei Vorfälle. Beide Male habe ich es selbst gar nicht richtig mitbekommen. Beim ersten Vorfall hat der Schiedsrichter gehört, wie ein Gegenspieler etwas gesagt hat und diesem eine Disziplinarstrafe verpasst.

Was war der andere Vorfall?

Ein Fan auf der Tribüne hat eine rassistische Beleidigung gerufen. Unser Ersatztorhüter Drew MacIntyre, ein guter Freund von mir, hat das gehört. Er hat die Ordner gerufen und die Person wurde aus der Halle geworfen. Wahrscheinlich sind Beleidigungen noch viel öfter vorgekommen, aber wie gesagt: Ich habe mich immer an das gehalten, was mein Vater mir mitgegeben hat: auf so etwas nicht zu achten und mich stattdessen auf mein Spiel zu konzentrieren.

Sie sind auch ein großer Fußballfan und schauen viele Spiele. Unternimmt der Fußball in Deutschland genug gegen Rassismus?

Ich weiß, dass Beleidigungen sowohl von Fans als auch Spielern vorkommen. Aber es gibt auch viele starke Zeichen. Ich habe bei einem Spiel gesehen, dass die ganze Mannschaft das Feld verlassen hat, als ein Mitspieler rassistisch beleidigt wurde. Da gehört Mut zu, und das hat mir gefallen. Wir müssen uns gegenseitig unterstützen, egal ob es um Rassismus, Homosexualität oder was auch immer geht.

Maxime Fortunus ist ein kanadischer Eishockeyspieler, der seit 2018 für die Fischtown Pinguins Bremerhaven in der Deutschen Eishockey Liga spielt.

Maxime Fortunus ist ein kanadischer Eishockeyspieler, der seit 2018 für die Fischtown Pinguins Bremerhaven in der Deutschen Eishockey Liga spielt.

Foto: Lothar Scheschonka

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