Die Pflege von Angehörigen ist oft mit psychischen Belastungen verbunden.

Die Pflege von Angehörigen ist oft mit psychischen Belastungen verbunden. Der Familiencoach Pflege der AOK verspricht Hilfe.

Foto: AOK-Mediendienst

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Wenn Pflege von Angehörigen zur Belastung wird - hier gibt es Hilfe!

26. Juni 2020 // 00:00
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www.aok.de/pk/bremen/

Jede vierte Person, die einen Angehörigen zuhause pflegt, ist körperlich wie seelisch hoch belastet. Das belegen Zahlen für den Pflege-Report 2020 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Ein neues Online-Programm der AOK soll pflegende Angehörige psychisch stärken und vor Überlastung schützen.

Kostenloses Angebot

Der „Familiencoach Pflege“ ist ein kostenloses Angebot, das die AOK im Juni freigeschaltet hat. Interaktive Übungen, mehr als 40 Videos und 14 Audiodateien zeigen den Nutzern, wie sie besser mit den seelischen Herausforderungen umgehen können, die ihnen die Pflege aufbürdet.

Jeder Vierte ist stark belastet

Ein Fokus liegt dabei auf der Betreuung von Menschen mit Demenz oder in der Begleitung von Sterbenden. Denn die vom WIdO in Auftrag gegebene Befragung von 1106 pflegenden Angehörigen hat gezeigt, dass sie besonders stark belastet sind. Grundlage ist die „Häusliche-Pflege-Skala“ (HPS), die unter anderem Fragen zu körperlicher Erschöpfung, Lebenszufriedenheit und psychischer Belastung umfasst. Unter den Pflegenden, die Menschen mit sogenanntem „herausfordernden Verhalten“ betreuen, sind demnach 41 Prozent hoch belastet. Bei Pflegenden dementer Angehöriger sind es immerhin 37 Prozent, und schon bei einer normalen Pflege 26 Prozent. Nur 31 Prozent sind laut Skala nur gering belastet.

Jeder vierte pflegende Angehörige ist "hoch belastet"

Jeder vierte pflegende Angehörige ist "hoch belastet".

Foto: AOK-Mediendienst

Kontakt zu den Freunden halten

Für Pflegende ist es nach Überzeugung von Professorin Gabriele Wilz besonders wichtig, sich nicht selbst zu isolieren, sondern Kontakt zu Freunden, Bekannten und Nachbarn zu halten. Die Leiterin der Abteilung für Klinisch-psychologische Intervention an der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat den Familiencoach Pflege als Expertin federführend entwickelt. „Das Programm zeigt den Nutzern Methoden und Wege auf, gut für sich zu sorgen und vor allem Zeit für sich zu finden.“

Was tun bei Trauer, Wut und Angst?

Auch der Umgang mit Gefühlen wie Trauer, Wut, Ekel oder Angst ist ein Thema im „Familiencoach Pflege“. Nutzer erhalten in interaktiven Übungen ein maßgeschneidertes Feedback. Sie können sich Interviews mit Experten-Hinweisen ansehen und Hörübungen zur Entspannung und Achtsamkeit nutzen.

Praktische Tipps für Pflegende

Zum Thema Demenz finden Nutzer ebenfalls viele praktische Tipps. Wie gehe ich damit um, dass mein Angehöriger ständig die gleichen Fragen noch mal stellt? Wie sollte ich auf Aggressivität, Wahnvorstellungen oder Misstrauen des Erkrankten reagieren? Zu diesen und vielen anderen Fragen aus dem Pflegealltag liefert der Familiencoach Antworten und praktische Tipps. „Die Videos im Familiencoach zeigen den Nutzern anschaulich, wie diese Hinweise in der Praxis umgesetzt werden können“, so Wilz.

Zusammenspiel von Experten

Neben Gabriele Wilz waren mit Professorin Susanne Zank, Direktorin des Zentrums für Heilpädagogische Gerontologie an der Universität zu Köln, und Dr. Klaus Pfeiffer, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Klinik für Geriatrische Rehabilitation am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart, weitere Experten für psychische Belastungen und Interventionsmöglichkeiten bei pflegenden Angehörigen an der Entwicklung des Online-Coaches beteiligt.

Filme zeigen Lösungswege

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft begrüßt das neue Online-Programm: „Der Familiencoach Pflege kann die persönliche Beratung sicher nicht ersetzen, doch ist er eine wertvolle und leicht nutzbare Unterstützung für pflegende Angehörige“, sagt Helga Schneider-Schelte von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, die beratend an der Entwicklung des Online-Angebotes mitgewirkt hat. „Insbesondere die Filme zeigen praxisnah und nachvollziehbar Lösungswege im Umgang mit Menschen mit Demenz auf – auch in herausfordernden Situationen“, so die Projektleiterin des Alzheimer-Telefons.

Online-Coach auch für ADHS

Der neue Familiencoach Pflege ergänzt das Angebot der kostenlosen Online-Coaches der AOK. Es umfasst bereits den „ADHS-Elterntrainer“ für Eltern in schwierigen Erziehungssituationen, den „Familiencoach Depression" und das Online-Selbsthilfeprogramm „moodgym“, das bei der Vorbeugung und Linderung von depressiven Symptomen hilft. (ams)

Weitere Informationen auf der Website der AOK und unter familiencoach-pflege.de

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