Wie süß: Teddybären, so weit das Auge reicht, gibt es an diesem Wochenende auf der  Messe"Euro Teddy"  in Essen.

Wie süß: Teddybären, so weit das Auge reicht, gibt es an diesem Wochenende auf der Messe"Euro Teddy" in Essen.

Foto: Weihrauch/dpa

Ausstellung
Kurios

Alter vor Schönheit: Bären mit Vergangenheit

Von nord24
8. Oktober 2016 // 20:00

Gegenstände haben Geschichte, besonders Teddybären. Was mag zum Beispiel der rote Teddy der russischen Prinzessin Xenia Georgijewna erlebt haben? Solche und andere Fragen kommen beim Rundgang über die Messe "Euro Teddy" auf.

Eine Märchenwelt

Im Großen und Ganzen ist die Welt der Teddybären so wie die Menschenwelt. Beim Gang über die 23. "Euro Teddy" am Wochenende in Essen wird das deutlich: Hier der alte Preußenbär mit Pickelhaube, dort der freigeistige Russenbär im Ballerina-Tütü. Und wie in der Menschenwelt findet man hier sowohl Junge und Schöne wie auch Alte, die Geschichten erzählen.

Eine Auge fehlt, das Fell ist abgewetzt

Am Stand des englischen Händlers Ian Pout sitzt zum Beispiel Bristol. Ihm fehlt ein Auge. Sein rotes Fell ist schon etwas abgewetzt. Und an seinem Fuß baumelt das Schild "Fundstück", weil der 1910 gefertigte Bär eines deutschen Herstellers einst in einem Flughafen gefunden wurde. Am anderen Ende des Stands sitzt der rote Steiff-Bär der russischen Prinzessin Xenia Georgijewna, den Pout im Jahr 1989 für sagenhafte 12 100 Pfund ersteigerte. Beides sind nicht die Originale. Die stehen im Teddy-Museum neben Pouts Laden in Witney nahe Oxford. Doch die beiden stehen beispielhaft für eine Geschichtenträchtigkeit, die viele Macher von Künstlerteddybären inspiriert.

Neue Bären auf alt getrimmt

Eine Halle weiter etwa steht die in Troisdorf wohnende und praktizierende Ukrainerin Olga Venzhega. Einem Teddy hat die Puppenmacherin ein rund hundert Jahre altes Spitzenkleid verpasst. Sein linkes Knopfauge ist durch eine Prothese ersetzt, er hat zahlreiche Nähte am Kopf und der abgewetzte Stoff seines Fells changiert zwischen rosa-braun und grünlich. Auch an Pouts Stand gibt es neue Bären, die auf alt gemacht sind. Der Standinhaber zeigt den Miniatur-Panda Taffy der Japanerin Yuki Yamanaka: "Sie macht wunderbare Bären. Sie wirken naiv, aber sie steckt viel Arbeit hinein, um sie so alt und einfach aussehen zu lassen. Ich sehe darin etwas sehr Schönes und Bezauberndes."

Zootiere

Neben solchen Repliken und Künstlerbären gibt es auch reichlich Manufakturbären zu sehen und kaufen. Und Materialien zum Selbermachen in unterschiedlichen Fertigungsgraden. Etwa am Stand von Christel Lamitschke aus Goslar, die Schnittmuster und Bastelsets entwickelt. "Sie sollen schon erkennbar und natürlich sein", sagt sie über ihre selbst designten Zootiere, unter ihnen auch der auf vier Beinen gehende Bär Urs. "Aber eine gewisse Portion Kindheit möchte ich darin noch bewahren können."

Zielgruppe 50+

Unterwegs ist auf der Messe vor allem die Zielgruppe 50+. Pout las als Kind "Winnie the Pooh", sagt er, und seinen ersten Teddy habe er auch noch. Er wisse nicht, ob die Briten einen besonderen Sinn für Teddybären hätten, "aber Leute in meinem fortgeschrittenen Alter haben ihn sicher." Trotzdem versucht der Über-60-Jährige auch junge Sammler zu erreichen. "In Japan haben wir einen starken Markt. Ermutigenderweise sind die Sammler dort jünger." Man müsse sich anstrengen, um sie zu erreichen. Am besten gehe das übers Internet, "auch wenn wir uns gerne einbilden, dass auch mancher einfach in unseren Laden kommt und bezaubert ist."

Verstärkt das Internet nutzen

Auch Walter Neumann (73), Gründer der "Euro Teddy" will künftig verstärkt übers Internet gehen, um die vielleicht 12 000 Personen zählende Sammlerszene in Deutschland zusammenzuhalten. Frühjahr 2017 hofft er mit der Plattform "bearoffer.com" online gehen zu können, einem zentralen Marktplatz für Teddys. Bislang organisiert Neumann mit seiner Kölner Agentur vor allem mehrere Messen in Deutschland und gibt das vierteljährliche Magazin "BärReport" heraus. # Notizblock

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