Diese Anwohner retten ihrem Nachbarn das Leben: Brandon Watkins , Odai und Ali Alhasan. Foto Scheer

Diese Anwohner retten ihrem Nachbarn das Leben: Brandon Watkins , Odai und Ali Alhasan. Foto Scheer

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Blaulicht
Bremerhaven

Diese Nachbarn retten Senior (86) das Leben

Von Thorsten Brockmann
10. Dezember 2015 // 20:01

Ihr Nachbar ist auf dem Weg der Besserung und liegt nicht mehr auf der Intensivstation. Dass er das Feuer in seiner Wohnung am Montag überhaupt überlebt hat, verdankt er drei Nachbarn. Die jungen Männer hörten Hilferufe, brachen die Tür auf, kletterten durch ein Fenster. Der 86-Jährige war schon zusammengebrochen, als die Retter ihn ins Freie zogen.

Rauchmelder schlägt Alarm

Zunächst hatte es geheißen, alle Bewohner hätten sich noch selbst aus dem Haus in der Weißenburger Straße retten können. Aber im Zuge der Ermittlungen stellte sich für die Kripo heraus, dass der Senior sein Leben seinen Nachbarn zu verdanken hat – einem Deutsch-Amerikaner und zwei syrischen Brüdern, die in der zweiten Etage Tür an Tür wohnen. „Ich habe den Alarm gehört“, sagt Ali Alhasan (22) und meint damit den Rauchmelder. Er und sein Bruder Odai (19) haben bei Brandon Watkins (25) nebenan geklingelt. „Alle raus“, entschied der nur.

Rufe aus der Wohnung

Im Treppenhaus stieg schon beißender Qualm hoch. „Das ging so schnell mit dem Rauch, unglaublich“, sagt Watkins.  Auf der Straße hört Watkins, dass unten links, dort, wo es brennt, der 86-Jährige noch drinnen ist. In dem Moment kommen die Brüder Alhasan an der Wohnungstür vorbei, hören Rufe. Sie überlegen nicht lange, treten die Tür ein, obwohl der Rauch schon so dicht ist, dass sie die Hand vor Augen kaum noch sehen können.

Durchs Fenster rein

Brandon Watkins war in diesem Augenblick durchs Fenster in die Küche der Wohnung geklettert, das der alte Mann offenbar noch geöffnet hatte, bevor er umfiel. Der giftige Qualm ist so dicht, dass Watkins den am Boden liegenden Rentner nicht mehr sehen kann. Er springt wieder raus, läuft ins Treppenhaus und gerade den beiden Brüdern in die Arme, wie sie die Tür eintreten. Zusammen kriechen sie in die Wohnung, entdecken den 86-Jährigen und schleppen ihn ins Freie.

Lob von der Polizei

„Mit allergrößter Wahrscheinlichkeit hat dieses beherzte Einschreiten dem Herren das Leben gerettet“, sagt Polizeisprecher Michael Rißmüller. Er lobt den Mut, trotz der eigenen Gefahr gehandelt zu haben. Als sie das hören, winken Ali und Odai Alhasan ab, wirken geradezu bescheiden. Zögerlich berichten sie nun vor der rußgeschwärzten Fassade, dass bei ihnen zuhause beinahe jedes Haus so aussehe. Im Spätsommer 2014 sind sie aus der syrischen Stadt Rakka geflohen – in die Türkei, von dort mit einem Schiff nach Italien, dann weiter im Taxi nach Deutschland. „Wir waren sechs Tage auf dem Meer“, mehr sagt er nicht. Die Schlepper verlangten 12 000 Dollar.

Wohnungen können nicht mehr bewohnt werden

Wie alle ihre Nachbarn haben die syrischen Flüchtlinge nur noch das, was sie am Leib tragen – wieder einmal. „Ein Freund hat mir seine Jacke geliehen“, sagt Ali Alhasan. Versichert sind die Brüder nicht. Alle 12 Wohnungen im Haus sind durch die giftigen Rauchgase nicht mehr zu bewohnen. Eine Adventskerze soll das Feuer verursacht haben.

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