Tatort Jahnstraße: Auf diesem Gelände wurde ein 69-Jähriger lebensgefährlich verletzt.  Foto Scheschonka

Tatort Jahnstraße: Auf diesem Gelände wurde ein 69-Jähriger lebensgefährlich verletzt. Foto Scheschonka

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Blaulicht
Bremerhaven

Polizei ermittelt wegen versuchter Tötung

Von Thorsten Brockmann
5. März 2016 // 10:00

Die Laubenpieper an der Jahnstraße nennen ihn nur „Trecker-Siggi“. Jeder kennt ihn, jeder mag ihn. „Ein ganz lieber Kerl“, sagt ein Nachbar. Siegfrid S. kämpft heute seit zwei Wochen um ein Leben. Irgendjemand wollte ihn umbringen und verletzte den 69-Jährigen so schwer, dass er seitdem im Koma liegt.

Ein Puzzle aus Spuren

Siegfrid S. hat am Morgen des 20. Februar die Einkäufe erledigt und nach Hause gebracht. Wie immer ist er mit seinem braunen Damenfahrrad und dem blauen Klappkörbchen hinten auf dem Gepäckträger unterwegs. Siegfrid S. radelt zur Parzelle an der Jahnstraße, die ihm so viel bedeutet. Fast täglich ist er hier, schaut nach dem Rechten, bastelt ein wenig hier und da, hält einen Schnack über den Gartenzaun. Es ist 11.30 Uhr, als er zum letzten Mal von einem Zeugen gesehen wird.

Tat geschieht auf dem Weg nach Hause

Siegfrid S. ist schon auf dem Nachhauseweg, als er an der Laube eines Bekannten an der Ecke zum Weg 22 noch einmal hält. Die Gartenpforte steht offen – ein sicheres Zeichen, dass jemand da sein muss. Für ein paar Worte bleibt immer Zeit. Der Rentner geht zu der Bude ganz hinten auf dem Grundstück, stellt sein Rad ab und – wird so schwer am Kopf verletzt, dass er bewusstlos zusammenbricht. Die Schädelbasis ist gebrochen, er hat innere Blutungen.

Ermittlungen wegen versuchter Tötung

Um 12.30 Uhr sieht der nächste Bekannte die offene Pforte, entdeckt das Fahrrad. Er geht hinein, ruft noch „Moin“ und findet den Mann am Boden. „Wir hoffen sehr, dass er überlebt“, sagt Kriminalhauptkommissar Axel Rieck. Siegfrid S. liegt auf der Intensivstation. Die Ärzte sind sich sicher, dass die Schwere der Verletzungen nicht von einem Sturz herrühren kann. „Wir gehen von einem Gewaltverbrechen aus“, sagt Kriminaloberkommissar Björn Wagner. Die Polizei ermittelt wegen versuchter Tötung.

Gelände an Jahnstraße verkommt

Das Gelände an der Jahnstraße hat bessere Zeiten gehabt, sagen die Anlieger. Seit zwei Jahren gehe es bergab, brennen immer wieder Lauben und sogar alte Autos. Viele Parzellen wurden aufgebrochen, immer wieder wechselten die Besitzer. Als „verwahrlost“ beschreiben auch die Polizisten das Areal am Weg 22. Wie viele Parzellen überhaupt noch genutzt werden, ist unbekannt. Das gesamte Gelände gehört angeblich einer Erbengemeinschaft. „Hier kümmert sich keiner mehr“, ärgert sich eine Frau, die dort mit ihrer Familie sogar den festen Wohnsitz hat.

Polizei entdeckt Einbruchspuren

Die Kripo hat am 20. Februar auf Grundstücken in der Nachbarschaft Einbruchspuren gefunden. Dass Siegfrid S. einen Einbrecher überrascht haben könnte, sei aber nur eine von mehreren Theorien, sagt Rieck.  Rechtsmediziner in Hamburg werteten weitere Spuren aus. Die Polizei hofft dringend auf weitere Zeugen (T 953-44 44).

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