Benjamin Y. in seinem auseinandergenommenen Schlafzimmer.

Benjamin Y. in seinem auseinandergenommenen Schlafzimmer.

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Blaulicht
Bremerhaven

SEK stürmt Wohnung in Bremerhaven

Von Thorsten Brockmann
6. Juli 2016 // 10:00

Ein schwer bewaffnetes Spezial-Einsatzkommando der Polizei hat eine Familie aus dem Schlaf geholt  - weil der Sohn unerlaubt in Österreich eine altes Gewehr gekauft hatte. Am Ende bleiben ein Loch in der Fensterscheibe, ein verwüstetes Schlafzimmer und das Ehepaar und ihr 28 Jahre alter Sohn in Handfesseln am Boden. 

Repetierbüchse von 1891

Benjamin Y. wollte sich von einem Österreich-Urlaub ein besonderes Souvenir mitbringen: eine Repetierbüchse von 1891, ein paar Hirschgeweihe und Messer. Der Schrotthändler sammelt Trophäen und Zubehör. Das Gewehr, sagt er, sei gar nicht mehr funktionstüchtig gewesen. Bei der Einreise nach Deutschland hat’s ihm die Polizei gleich wieder abgenommen und eine Anzeige geschrieben: Wegen unerlaubten Waffenbesitzes. Der Staatsanwalt im oberbayerischen Traunstein ermittelt. Der Vorfall liegt fünf Monate zurück. 

Hausdurchsuchung mit Maschinenpistole

Jetzt steht plötzlich morgens um 6 Uhr das SEK vor der Tür. Hausdurchsuchung. Der ahnungslose Vater blickt in die Läufe von geschätzten zehn Maschinenpistolen. Er und seine Ehefrau müssen sich flach auf den Boden  legen, bekommen die Hände auf den Rücken gefesselt.  Auch ins Nachbarhaus dringt die Polizei bei, steht bei Y. Verwandten am Bett. Auch ihnen werden Fesseln angelegt.  

Familie erhebt schwere Vorwürfe

Benjamin Y. und sein Vater erheben schwere Vorwürfe gegen die Polizei.  „Wir fühlen uns behandelt wie der letzte Dreck“, sagen sie. Er habe nie zuvor eine Waffe besessen, sagt der 28-Jährige, sei noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten.  „Wenn die Polizei mein Schlafzimmer durchsuchen will, hätte sie doch klingeln können“, sagt er. „Stattdessen geht’s hier rund wie bei einem Schwerverbrecher.“

Staatsanwälte beim Betriebsausflug

Die Familie hat einen Anwalt eingeschaltet. Ein Polizeisprecher teilte auf Anfrage mit, dass die Familie sich bei der Staatsanwaltschaft beschweren könne über den SEK-Einsatz. Von der ermittelnden Behörde in Bayern war keine Stellungnahme zu bekommen – die Staatsanwälte waren auf Betriebsausflug.

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