Schwer bewaffnete Polizisten haben am Dienstag auf dem Weihnachtsmarkt Bremen patrouilliert.

Schwer bewaffnete Polizisten haben am Dienstag auf dem Weihnachtsmarkt Bremen patrouilliert.

Foto: Mündelein

Bremen
Bremerhaven

Anschlag auf Weihnachtsmarkt in Berlin: So reagiert die Polizei in Bremerhaven und Bremen

Von Christoph Käfer
20. Dezember 2016 // 18:21

Der Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin mit 12 Toten hat auch Auswirkungen auf Bremerhaven und Bremen. Die Polizei und die Veranstalter des Weihnachtsmarktes ziehen ihre Konsequenzen. 

Geschockte Händler

Die Stimmung auf dem Bremerhavener Weihnachtsmarkt ist am Tag nach dem Anschlag in Berlin gedrückt. "Ich war sehr geschockt, als ich die Nachricht gehört habe und auch von den Besuchern hier werden wir immer wieder darauf angesprochen", sagt Burim Feka, der in einem Glühweinstand arbeitet.

Anschlag beschäftigt die Besucher

Dennoch habe er nicht eine Sekunde überlegt, den Stand nicht zu öffnen. "Das wäre die völlig falsche Antwort auf den Anschlag gewesen, gerade dann hätte der Täter ja sein Ziel erreicht", sagt Alexandra Ausborn, die ebenfalls Glühwein verkauft. Das sehen sehr viele der befragten Weihnachtsmarkt-Besucher und Händler ganz ähnlich. Überall ist zu hören, dass das Leben weitergehe und man vor solchen Vorfällen kaum schützen könne.

"Kann nicht alles abriegeln"

"Die Polizei müsste dann ja theoretisch rund um die Uhr den Weihnachtsmarkt überwachen und am besten auch alles abriegeln, das ist ja nicht zu leisten", sagt Weihnachtsmarkt-Besucher Holger Werner.

Polizei erhöht Patrouillen

Das sieht die Bremerhavener Polizei genauso. "Es gibt schon seit längerer Zeit eine hohe abstrakte Gefährdung in Bremerhaven durch Terroristen, aber wir haben keinerlei Hinweise auf konkrete Anschlagspläne", sagt Polizeidirektor Harry Götze. "Wir beobachten permanent das Geschehen und beurteilen darauf basierend die Sicherheitslage in Bremerhaven ständig neu und treffen dann entsprechende Entscheidungen."

Sicherheitsgefühl stärken

Konkret heißt das nach dem Anschlag in Berlin: Die Zahl der Beamten in Uniform und in zivil, die im Stadtgebiet und auch auf dem Bremerhavener Weihnachtsmarkt patrouillieren, wurde erhöht. "Damit wollen wir in erster Linie das Sicherheitsgefühl der Bürger stärken", betont Götze. Wie viele Beamte nun zusätzlich in der Stadt unterwegs seien, will er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen.

Weihnachtspartys sind bei Polizei ein Thema

Auch die öffentlichen Partys an Weihnachten hat die Polizei im Auge. "Bislang besteht aber keine Notwendigkeit, unser dafür bereits ausgearbeitetes Sicherheitskonzept zu überarbeiten", sagt Götze.

Urlaubssperre an Silvester

Ein Hauptaugenmerk liege auch auf Silvester: "Für einige Polizeieinheiten besteht an Silvester eine Urlaubssperre."

Weihnachtsmarkt-Leiterin bleibt gelassen

Keinen Grund zu übertriebener Sorge haben auch die Veranstalter des Bremerhavener Weihnachtsmarktes. "Um die Sicherheit unserer Besucher sind wir immer besorgt, aber trotzdem sind wir nach dem Anschlag schnell zu der Erkenntnis gelangt, dass wir den Weihnachtsmarkt jetzt nicht schließen dürfen", sagt Citymanagerin Kerstin Rubin. "Es gibt einige Händler, die die Musik drosseln oder gar ausschalten wollen als Zeichen der Solidarität."

Kein Wunsch nach mehr Polizei

Eine hohe Polizeipräsenz auf dem Weihnachtsmarkt hält sie für den falschen Ansatz. "Das würde die Besucher nur verunsichern und Ängste schüren." Doch Rubin sagt auch: "Als ich gestern von dem Anschlag gehört hatte, habe ich mir vorgestellt, wie es wäre, wenn ein Lkw mit Vollspeed über die Geestebrücke die Fährstraße hinunterrasen und in die Stände auf dem Heuss-Platz fahren würde. Einfach nur schrecklich!" Solche Attentate seien aber nur sehr schwer zu verhindern.

Schwer bewaffnete Beamte in Bremen

In Bremen patrouillierten an den größeren Zufahrtsstraßen zum Markt inmitten der Innenstadt Beamte mit automatischen Waffen, sagt Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). Außerdem seien weitere private Sicherheitsdienste im Einsatz. Zäune um den Markt oder gar Panzersperren soll es aber nicht geben.

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