Viele junge Leute sind mit ihren Smartphones beschäftigt – typisch für die Generation Y. Doch das heißt nicht, dass sich die Vertreter dieser Generationen nicht unterhalten würden, sagt Forscher Prof. Dr. Nils Schulenburg.

Viele junge Leute sind mit ihren Smartphones beschäftigt – typisch für die Generation Y. Doch das heißt nicht, dass sich die Vertreter dieser Generationen nicht unterhalten würden, sagt Forscher Prof. Dr. Nils Schulenburg.

Foto: Pedersen/dpa

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Die Generation Y ist gut vernetzt

Von Christoph Bohn
6. November 2016 // 11:00

Sie sind skeptisch, vernetzt, haben eine hohe Leistungsorientierung, sind sehr selbstbewusst und hinterfragen Hirarchien. Die Rede ist von der sogenannten Generation Y – auch Generation Why (warum) genannt. Prof. Dr. Nils Schulenburg hat sie erforscht und sieht in ihr eine große Chance für die Unternehmen – wenn sie richtig behandelt wird. Das betonte er jetzt bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Mittelstandsvereinigung Bremerhaven MIT und der Handelskammer Bremen. Zur Generation Y gehören alle, die zwischen 1980 und 2000 geboren worden sind. Und auch wenn viele Kritiker die Existenz dieser Generation bezweifeln, betont Schulenburg: „Es gibt sie.“ Und sie setze sich klar von der vorherigen Generation ab – kein Wunder, seien ihre Vertreter doch in einer Zeit mit besonderen Ereignissen aufgewachsen. Besonders prägen sie nach Schulenburgs Ansicht eine geringe Geburtenrate mit mehr Wunsch- und Einzelkindern, zunehmender Wohlstand, mehr Zeit für die Ausbildung, die Technik mit Computern, mobilen Endgeräten und Internet, die zunehmende Wettbewerbsgesellschaft, eine Demokratisierung sowie die Globalisierung.

Hohe Freizeitorientierung und starkes Selbstbewusstsein

„Leider gibt es viele Vorurteile gegenüber dieser Generation“, bedauert Schulenburg. „Ihre Vertreter gelten als respektlos, verwöhnt, wenig motiviert und sehr freizeitorientiert. Alles Quatsch“, betont er. Das gelte ebenso für das Bild von jungen Leuten in der Öffentlichkeit, die lieber ihre Smartphones vor Augen hätten, als sich zu unterhalten. Das zeige zwar, dass Generation Y digitaler kommuniziere als die vorherigen Generationen, heiße aber nicht, dass sie nicht miteinander redeten. Die Generation habe eine hohe Freizeitorientierung, stelle aber Freizeit nicht über alles. Sie habe ein starkes Selbstbewusstsein, sei aber nicht verwöhnt. Und zum Thema Respektlosigkeit kann der Forscher nur erläutern: „Wir haben bestehende Werte nicht so hinterfragt, wie es Y tut.“

Bei der hohen Leistungsbereitschaft ansetzen

Um trotzdem mit dieser Generation klarzukommen, die jetzt verstärkt in die Unternehmen drängt, hat Schulenburg einige Ratschläge erarbeitet – einen Werkzeugkasten, wie er es nennt: „Eine gute Führungskraft nutzt Werkzeuge, die an den tatsächlichen Eigenschaften der Generation Y ansetzen.“ So könne man an der hohen Leistungsbereitschaft ansetzen, mit dem Prinzip „Fördern und Fordern“. Es gelte, die Motive des Mitarbeiters zu ergründen, eine Zielvereinbarung zu treffen und diese regelmäßig zu überprüfen. „Aber eines ist wichtig: Man muss die Ziele auch erläutern können.“

Gefahr der Selbstüberschätzung

Gefragt sei zudem ein kooperativer Führungsstil. „Die Generation Y ist selbstbewusst und weiß, dass es Fachkräftemangel gibt“, sagt Schulenburg. Allerdings bestehe bei ihr auch die Gefahr der Selbstüberschätzung. Hier müsse man bei der Eigenbildkorrektur helfen und die Kritikfähigkeit steigern. Auch Belohnungen sähen für diese Generation anders aus. Beförderungen, mehr Verantwortung, Extra-Urlaub, die Teilnahme an sogenannten Kamin-Gesprächen und die Überlassung mobiler Endgeräte könnten Möglichkeiten sein.

Richtige Balance von Arbeit und Leben

Wichtig sei der Generation Y auch die richtige Balance von Arbeit und Leben. „Hier kommt es darauf an, Freizeit zu optimieren, beispielsweise, indem man Komponenten an den Arbeitsplatz verlegt“, meint Schulenburg. Dazu gehöre beispielsweise der Aufenthaltsraum mit Fernseher. Aber auch Arbeitszeitkonten, Gleitzeit und Teilzeit seien sinnvolle Möglichkeiten. „Wichtig ist auch: Es kommt nicht darauf an, wann der Arbeitnehmer Feierabend macht, sondern auf das Resultat der Arbeit“, rät Schulenburg.

Emotionale Führung mit Wertschätzung ist angesagt

Und nicht zuletzt setzt der Forscher auf einen anderen Führungsstil: „Y akzeptiert Entscheidungen nur, wenn sie sinnvoll begründet sind. Macht als Führungsgrundlage wird abgelehnt.“ Es komme auf eine emotionale Führung an mit Wertschätzung, Freiheit, persönlicher Beziehung und erfüllender Arbeit.

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