Stadttheater Bremerhaven - Madame Pompadour

Maskiert stattet Madame Pompadour (Katja Bördner, Mitte) dem Karneval in der Künstlerkneipe „Musenstall“ einen Besuch ab. Fotos

Foto: Sandelmann

Bremerhaven
Kultur

Ansgar Weigner inszeniert freche "Madame Pompadour"

Von Sebastian Loskant
31. Januar 2016 // 20:38

Mit Leo Falls übermütiger Operette „Madame Pompadour“, in der alle Standesunterschiede lustvoll im Bett aufgehoben werden, geht das Stadttheater Bremerhaven treffsicher in die Karnevalszeit. Und darüber hinaus: Regisseur Ansgar Weigner gibt auch manchen Hinweis darauf, wie hart sich alle Figuren den Ausbruch aus Konvention und Machtgefüge erkämpfen müssen.

Spinnenbeinig wie Nosferatu

So schleicht der tückische Polizeiminister Maurepas (Gastschauspieler Peter Wagner) kahlköpfig, dürr und spinnenbeinig wie Nosferatu unterm Mond durchs Faschingsbild des Beginns. Albern („Ich bin schläuer“) und notgeil zwar, aber eben auch mordsgefährlich.

Raffinierte Tierkostüme

Die Künstlerkneipe „Musenstall“ vorn erweist sich zudem mit grauer 70er-Jahre-Tapete und braunem Mobiliar als trüber Tingeltangel. Da braucht es schon die raffinierten Tierkostüme der närrischen Künstlergesellschaft: Vogelschnäbel, Schweineschnauzen und Katzenschwänze, um die Muffelbude zu beleben. Das Volk im Paris Ludwigs XV. singt sich mit dem Spottlied des aufmüpfigen Dichters Calicot (Thomas Burger) Mut zu.

In Schwanenweiß

Den trinkt sich Madame Pompadour an, die listige Mätresse des Königs. Als Fremdkörper in Schwanenweiß erscheint sie mit ihrer kecken Kammerfrau Belotte (Regine Sturm). Dem Hofball entflohen, wirkt die Marquise noch nicht als souveräne Spielmacherin, sondern nähert sich eher unsicher René (Tobias Haaks), einem ebenfalls von daheim ausgebüxten und unerkannten Grafen.

Frivole Untertöne

Weigner verlässt sich meist auf die Stärke des Stücks von 1922, auf die frivolen Unter(leibs)töne. Und auf den famosen Ausstatter Christian Robert Müller, der im 2. Akt eine Kehrtwende ganz ins Weiße vollzieht. Seine Kostüme sind eine Pracht, die Schneiderei hat ganze Arbeit geleistet.

Der hüstelnde Hofchor

Köstlich gleich der hüstelnde Chor der Hofschranzen, auch etliche kleine Partien meistern die Choristen von Jens Olaf Buhrow vorzüglich. So wirkt Vladimir Marinov als blinder, in Strapsen herumhopsender Haushofmeister wie ein Sinnbild fürs politische Treiben im Palast, Róbert Tóth als Spitzel fallen die Worte zu: „Dieses Land ist wirklich reif für eine Revolution.“  

Käfig voller Narren

Im Käfig voller Narren hat die Pompadour leichtes Spiel, und Katja Bördner spielt diese Überlegenheit gewitzt aus. In ihrem Couplet „Dem König geht’s in meinem Schachspiel meistens kläglich, weil er sich täglich blamiert unsäglich“ findet dies bildhaft Ausdruck, wenn sie über der Bühne steht, während unter ihr gesichtslose Puppen agieren.

Musikalische Leichtigkeit

Durchweg wird gut, wenn auch nicht immer wortdeutlich genug gesungen. Die Musik samt den gewitzten Texten („Fass mich bloß nicht so beim Zipfel – meines Mantels“) sorgt eh für Operettenleichtigkeit. Das Philharmonische Orchester unter Hartmut Brüsch gibt mancher sonst wenig beachteten Nummer besondere Eleganz.

Sieht einfach gut aus

Dass die Operette kein Finale hat, wird flott wettgemacht durch den neuen Gespielen der Pompadour: Dominic Boragine als Leutnant Praliné darf einfach nur gut aussehen. Wie sang doch Madame? „Das wär was, wofür sich das Aufbleiben lohnt.“

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