Während die Sachsen heute die Sektkorken knallen lassen können, müssen die Bremerhavener und Cuxländer zur Arbeit gehen.

Während die Sachsen heute die Sektkorken knallen lassen können, müssen die Bremerhavener und Cuxländer zur Arbeit gehen.

Foto: Symbolfoto: Dedert/dpa

Bremerhaven
Cuxland

Bock auf Feiern: Warum wir heute neidisch nach Sachsen blicken

Von Christoph Käfer
16. November 2016 // 08:00

Das Leben ist hart und ungerecht, das ist keine neue Erkenntnis. Beispiel gefällig? Während die Sachsen heute die Füße hochlegen, erste Weihnachtsvorbereitungen erledigen oder einen entspannten Tag auf dem Sofa verbringen können, müssen wir in Bremerhaven und umzu arbeiten gehen. 

Feiertage in Deutschland

Wenn es um gesetzliche Feiertage in Deutschland geht, denken die meisten vermutlich an Weihnachten, Ostern und Vatertag, also Christi Himmelfahrt. Na klar, dann gibt's auch noch Neujahr, Pfingsten und den Tag der deutschen Einheit. Und dann hört es eigentlich auch schon fast auf.

Buß- und Bettag als Opfer der Pflegereform

Den Buß- und Bettag, der immer auf den Mittwoch anderthalb Wochen vor dem 1. Advent fällt, haben wohl die wenigsten auf der Rechnung. Kein Wunder, schließlich ist dieser evangelische Feiertag schon seit 21 Jahren kein gesetzlicher Feiertag mehr in Niedersachsen und Bremen. Er wurde 1995 der Einführung der Pflegereform geopfert, damit die so entstandene finanzielle Zusatzbelastung der Arbeitgeber ausgeglichen wird.

Buß- und Bettag: Feiertag in Niedersachsen?

Das einzige Bundesland, in dem der Buß- und Bettag bis heute gesetzlicher Feiertag geblieben ist, ist Sachsen. Doch das ostdeutsche Bundesland könnte bald sein Alleinstellungsmerkmal verlieren: In Niedersachsen gibt es ernsthafte Überlegungen, den Buß- und Bettag wieder zum gesetzlichen Feiertag zu machen.

Regierung gegen Feiertag

Bereits 2014 gab es einen entsprechenden Antrag im niedersächsischen Landesparlament von der CDU-Fraktion, der aber von der rot-grünen Koalition und der FDP abgelehnt wurde.

Neuer Vorschlag von Busemann

Doch nun gibt es einen neuerlichen Vorstoß: Vor rund zwei Wochen hatte der niedersächsische Landtagspräsident Bernd Busemann erneut angeregt, den Buß- und Bettag wieder zum Feiertag zu machen. Und den Reformationstag am 31. Oktober ebenfalls.

Unterstützung von der Kirche

Unterstützung für die Idee bekam er von der evangelischen Kirche, wie dem hannoverschen Landesbischof Ralf Meister. Und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sagte dem Nachrichtenportal haz.de: „Es wäre ein tolles Zeichen, wenn die Politik einmal nicht allein für die Ökonomie, sondern für das Miteinander der Menschen neuen Freiraum schaffen könnte.“ Feiertage seien „enorm wichtig für die moralische und soziale Infrastruktur“ in Deutschland.

Kein weiterer Feiertag in Bremerhaven

Während sich in den Gesichtern der Arbeitnehmer im Cuxland angesichts solcher Überlegungen ein zufriedenes Grinsen breit machen dürfte, gucken die Bremerhavener in die Röhre. In der Seestadt bleibt der Buß- und Bettag definitiv ein Werktag.

Arbeitnehmer zahlen drauf

Doch rundum zufrieden dürften die Cuxländer trotz eines möglichen weiteres Feiertages nicht sein: In Sachsen müssen die Arbeitnehmer zusätzliche 0,5 Prozent ihres Brutto-Gehaltes in die Pflegeversicherung einzahlen, damit der Buß- und Bettag weiterhin Feiertag bleibt. Das klingt nicht viel, übersteigt aber die Kosten für den zusätzlichen Feiertag, wie die Bild berichtete. Und mit diesem Argument war der CDU-Antrag in Niedersachsen, den Buß- und Bettag zum Feiertag zu machen, auch abgelehnt worden.  Das Leben ist eben hart und ungerecht.

Immer informiert via Messenger
Wie feiert ihr in diesem Jahr Halloween?
274 abgegebene Stimmen
Folge den Pinguins via Messenger