Kein Platz mehr im "Nest": In Bremerhaven sind alle Kitas und Krippen besetzt.

Kein Platz mehr im "Nest": In Bremerhaven sind alle Kitas und Krippen besetzt.

Foto: Schwan

Bremerhaven

Bremerhaven: Alle Kitas und Krippen sind voll

Von Susanne Schwan
10. Juni 2016 // 17:00

In Bremerhaven fehlen zum  1. August mindestens 300 Betreuungsplätze für Kinder von 0 bis 6 Jahren. In den insgesamt 53 Kindertagesstätten und Krippen ist nichts mehr frei,  sagt Sozial- und Familienstadtrat Klaus Rosche (SPD). Nun droht auch noch das Diakonische Werk seine 300 Kita-Plätze zu schließen, mangels Finanzierbarkeit. Aber: Der geplante Bau einer neuen Krippe im Leherheider Waldviertel ist  von der Politik gestoppt worden.  

Stadtrat empört über Stillstand

Der Dezernent ist stinksauer. "Unsere zwei Jahre Planung werden über den Haufen geworden. Dieser Stillstand jetzt ist überhaupt nicht gut." Denn, legt Rosche dar, der Bedarf an Plätzen sowohl im U3 als auch Kitabereich werde bis Jahresende spürbar steigen. "Es werden erheblich mehr Kinder geboren als vor zwei Jahren prognostiziert und es ziehen immer mehr Familien nach Bremerhaven." Zumindest für den Bau der Waldviertel-Krippe liegt sogar Geld griff bereit im Topf.

Geld vom Land liegt noch im Topf

Das sind rund 2,3 Millionen Euro Restmittel des Landes. Die sollten bereits voriges Jahr für eine neue Kita in Geestemünde verbaut werden.  Das hat sich zerschlagen. "Der Platz war ideal gelegen", so Rosche, "aber man stieß bei Bodenproben auf Treibsand. Die Kita auf Pfähle zu setzen, hätte  700 000 Euro mehr gekostet,   das stand in keinem Verhältnis zum Baukörper." Drum ist das Geld dafür jetzt für die Krippe in Leherheide eingeplant.

Politik will Kombination aus Kita und Krippe

Doch nur eine Krippe zu bauen angesichts des Bedarfs, ist der Politik zu kurz gegriffen. Darum hat die SPD-CDU-Koalition beantragt, zu prüfen, ob und wie der Bau um etwa 90 Kita-Plätze vergrößert werden könne. Die CDU-Fraktion schlägt vor, nicht nur auf Neubauten zu setzen, "sondern bereits bestehende Räumlichkeiten für die Nutzung als Kinderbetreuung umzubauen", sagt die jugendpolitische Sprecherin Marina Kargoscha. Geeignete Gebäude gebe es nicht, widerspricht Robert Reichstein von der Kinderförderung am Jugendamt.

Mehr als 50 Eltern akut in Not

Während die Politik und Verwaltung streiten, stehen Eltern unter Druck. 334 Eltern haben eine Absage für den beantragten Kitaplatz bekommen. Von denen, betont Klaus Rosche, stünden  "56 Eltern aufgrund der persönlichen Lebenssituation richtig unter Druck." Und noch 20 Eltern brauchen dringend einen Krippenplatz. "Uns sind von den Einrichtungen, auch in freier Trägerschaft, keine freien Plätze gemeldet worden", so Reichstein. Die ersten Eltern haben bereits Widerspruch gegen die Absagen eingelegt. Der Zentral-Eltern-Verband rechnet mit einer Klagewelle.

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