Ein Mann steht am Flussufer und hält einen großen Hecht in den Händen.

Christoph Zieilinski aus Bremerhaven hat einen „Meterhecht“ gefangen. Anglerkollegen applaudieren ihm, Angelgegner kritisieren ihn.

Foto: privat

Bremerhaven

Darf der Fisch zurück ins Wasser?

3. September 2020 // 17:51

Einem Bremerhavener Angler gelingt der Fang seines Lebens – und in den sozialen Medien hagelt es Kritik. Das Tier gehört ins Wasser und sollte wieder zurückgesetzt werden, finden viele. Doch die Praxis ist umstritten.

Angler polarisieren

1,16 Meter lang und 10,6 Kilo schwer – stolz präsentiert Christoph Zielinski den „Meterhecht“, den er am Sonntag beim Angeln in der Geeste an Land gezogen hat. nord24 veröffentlicht das Foto auf Facebook – und umgehend füllt sich die Kommentarspalte. Über 180 Kommentare in weniger als 24 Stunden. Neben Applaus und Glückwünschen fordern viele die Freilassung des Tieres. „Catch and Release“ heißt das unter Anglern, Fangen und Freilassen also. Das ist in England und in den Niederlanden erlaubt, in Deutschland aber nicht.

Verletzte Tiere haben kaum eine Chance

Weil Fische Wirbeltiere sind, sind sie hierzulande durch das Tierschutzgesetz geschützt. Und das verbietet „Catch and Release“. Untersuchungen haben nämlich gezeigt, dass die Überlebensrate von zurückgesetzten Fischen sehr gering sein kann. Die Tiere verletzen sich beim langen Kämpfen an der Angelleine, durch die Zeit an der Luft oder die unsachgemäße Behandlung in den Händen der Angler. Derart geschwächt haben sie es zurück im Wasser oft schwer.

Wann Freilassen erlaubt ist

Rechtlich ist das Zurücksetzen von Fischen nur dann erlaubt, wenn diese eine bestimmte Körpergröße noch nicht erreicht haben oder sie in der Schonzeit gefangen wurden, in der der Fischfang gesetzlich verboten ist. Außerdem kann es vorkommen, dass das Fanglimit für eine Art bereits erreicht ist. Jeder darüber hinaus gefangene Fisch muss dann ebenfalls zurückgesetzt werden.

Hamburg macht es vor

Um die Fischbestände zu schützen, fordern einige Leser in der Kommentarspalte unter dem Facebook-Foto das, was es in Hamburg seit letztem Jahr gibt: ein Entnahmefenster. Hier wird für jede Fischart ein Mindest- und ein Höchstmaß festgelegt. Ist der gefangene Fisch zu groß oder zu klein, muss er umgehend und schonend zurückgesetzt werden.

Auch große Fische sollen geschützt werden

So sollen nicht mehr nur die kleinen, untermaßigen Fische geschützt werden, sondern auch die großen Laichfische, die für den Erhalt der Bestände besonders wichtig sind. In Hamburg dürfen Hechte zum Beispiel nur gefangen werden, wenn sie zwischen 45 cm und 75 cm lang sind. Der Bremerhavener „Monsterhecht“ hätte demnach zurück in Geeste gemusst.

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