Im Lästern sind viele Bremerhavener besonders gut.

Im Lästern sind viele Bremerhavener besonders gut.

Foto: Schierenbeck/dpa/gms

Bremerhaven

Ein Neubürger fragt: Warum sind die Bremerhavener solche Lästermäuler?

Von Christoph Käfer
21. Dezember 2016 // 15:00

Christoph Käfer ist der Neue. Kürzlich ist er von Flensburg nach Bremerhaven gezogen und arbeitet seitdem in der Onlineredaktion. Als Neubürger fallen ihm ständig Eigenarten in der Stadt auf, bei denen er sich fragt: Warum ist das eigentlich so? Denen geht er auf den Grund und schreibt auf nord24 darüber. Heute: Warum sind die Bremerhavener solche Lästermäuler?

Viel Anlass zum Ärgern

Probleme und Dinge, über die man sich in Bremerhaven aufregen kann, gibt es genug. Seien es die teils katastrophalen Straßenverhältnisse, die weit verbreitete Kinderarmut oder die vielen Leerstände, um nur einige zu nennen. Sich darüber zu ärgern, ist legitim und mit Sicherheit sinnvoll, um seinem Frust Luft zu machen - zumindest im ersten Schritt.

Suche nach Lösungen

Viel entscheidender ist aber, dass es nicht dabei bleibt und im zweiten Schritt nach konstruktiven Lösungsansätzen gesucht wird. Nichts ist schlimmer als die Hände ins Schoß zu legen und Trübsal zu blasen.

Devise: Meckern statt Handeln

Aber gerade das ist offenbar bei zahlreichen Bremerhavenern leider der Fall, insbesondere in den sozialen Netzwerken: In den großen Facebook-Gruppen, die sich mit dem Geschehen rund um Bremerhaven und die Region beschäftigen, tauschen sich tausende Mitglieder über die verschiedensten Dinge aus. Von defekter Straßenbeleuchtung über Informationen zu verkaufsoffenen Sonntagen bis hin zu nicht zugestelltem Sonntagsjournal ist alles dabei. Oft lautet die Devise: Meckern? Ja! Suche nach Lösungen? Nein!

Kritik an Bremerhaven Bus

Beispiele gefällig? Da lästern Dutzende Bremerhavener über die Fahrweise der Busfahrer in der Stadt und versuchen sich regelrecht mit ihren Negativ-Erfahrungen zu überbieten anstatt ihre Kritik direkt bei Bremerhaven Bus zu äußern. Oder der Weihnachtsmarkt, an dem viele Bremerhavener kein gutes Wort lassen - und häufig keine oder völlig absurde Vorschläge machen, wenn es darum geht, den Weihnachtsmarkt zu verbessern.

Lästern als Volkssport

Es scheint gerade so, als hätte sich diese Lästerei in Bremerhaven zu einem regelrechten Volkssport entwickelt. Natürlich wird auch andernorts in Facebook-Gruppen gelästert, aber gerade als Neubürger fällt schon auf, dass das Läster-Niveau in Bremerhaven außergewöhnlich hoch ist. Statt sich an den kleinen Dingen des Lebens zu erfreuen und mit den Gegebenheiten zufrieden zu sein, wird im Zweifel lieber gelästert.

Hassliebe zur eigenen Stadt?

Aber warum eigentlich? Hängt das mit der Hassliebe der Bremerhavener zu ihrer eigenen Stadt zusammen? Als Neubürger habe ich schnell den Eindruck bekommen, dass viele Bremerhavener verdammt viel an ihrer eigenen Heimatstadt auszusetzen haben, aber irgendwie doch nicht davon loskommen - und durch Lästereien in sozialen Netzwerken Dampf ablassen.

Lästern hilft nicht

Ob diese Theorie stimmt? Keine Ahnung. Aber ich habe mit einigen Einheimischen und auch Zugezogenen gesprochen, die diese Erklärung für plausibel halten. Wie dem auch sei: Liebe Bremerhavener, wäre es nicht viel sinnvoller und anständiger, wenn ihr euren Ärger direkt den betreffenden Personen abladet und eventuell gemeinsam mit ihnen an einer Lösung arbeitet? So würde sich sicherlich auch das ein oder andere Problem einfacher lösen lassen, an dem die Stadt aktuell krankt.  

Ein Neubürger fragt: Warum sind die Bremerhavener solche Lästermäuler?

Christoph Käfer ist ein Neubürger in Bremerhaven. Und einige Dinge kommen ihm komisch vor. Für nord24.de hat er nachgefragt, warum manches so ist, wie es ist.

Foto: Schierenbeck/dpa/gms

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