Mehr als 20 Männer müssen im gleichen Raum des Obdachlosenheimes schlafen. Die meisten sind sehr krank. Darum hat Gudrun Waackhusen kürzlich 15 ausrangierte Pflegebetten nach Ryjewo gebracht.

Mehr als 20 Männer müssen im gleichen Raum des Obdachlosenheimes schlafen. Die meisten sind sehr krank. Darum hat Gudrun Waackhusen kürzlich 15 ausrangierte Pflegebetten nach Ryjewo gebracht.

Foto: privat

Bremerhaven

Engel für 100 obdachlose Polen

Von Susanne Schwan
6. Mai 2016 // 21:00

Aus einer spontanen Hilfsaktion wurde eine Lebensaufgabe: Seit sieben Jahren sammelt Gudrun Waackhusen (72) Sachspenden für ein kleines Obdachlosenheim in Ryjewo in Polen. Auf eigene Kosten und im Alleingang organisiert die Rentnerin alles, was die meist schwer kranken, einsamen 100 Männer dringend brauchen. Zuletzt hat sie mit Hilfe des DRK in Bad Bederkesa 15 ausrangierte Pflegebetten auf die Reise geschickt. Aber es fehlt noch viel mehr, sagt sie.

Wirtin erzählt von Not im Heim

Mit einer Reise 2009 an ihren Geburtsort im einstigen Westpreußen fing alles an. Dort erzählte die Wirtin ihr von der Not in dem nahe gelegenen Obdachlosenheim "Agape". "Ich konnte nicht fassen, was sie sagte und bin selbst spontan hin, um es zu sehen." Was sie sah, entsetzte Gudrun Waackhusen so sehr, dass sie sofort daheim die Initiative ergriff.

Auf eigene Kosten nach Polen transportiert

Auf eigene Kosten mietete sie einen Transporter und fuhr mit allem, was sie über eine Flohmarktanzeige hat sammeln können, nach Ryjewo. Männerkleidung wurde am dringendsten gebraucht. Dann Bettwäsche und Handtücher, Pflegemittel, Inkontinenz-Einlagen. Matratzen. Lattenroste. "Es ist ein Fass ohne Boden", sagt die ehrenamtlich Engagierte. "Alles verschleißt bei 100 Leuten im täglichen Gebrauch so schnell."

Die obdachlosen Männer sind krank und behindert

Die Männer, die in dem privat getragenen Heim auf engstem Raum leben, haben alle einmal durch Krankheit, auch durch Alkohlsucht, ihre Arbeit, dann auch ihre Wohnung verloren und sind ohne Angehörige. "Es gibt Menschen mit Krebs, Herz- und Lungenkrankheiten, Demenz-Erkrankte, Amputierte, psychisch Kranke." Das Heim trägt sich über Spenden und bekommt alles, was im kommunalen Gefängnis und vom Militär ausrangiert wird. Doch es fehlt an allem, sagt Waackhusen, die jährlich zwei Mal hinfährt.

Dringend gebraucht: Waschmaschine

Mal sind es 30 Rollstühle, mal hunderte Säcke voll Kleidung, die sie hin bringt. Im Januar brachte sie einige Pflegebetten,  davon werden noch viele gebraucht. Mehr als 20 Männer schlafen und essen im gleichen Raum. Bis Herbst will sie wieder Wichtiges gesammelt haben: Rollstühle, Lattenroste und Dekubitus-Matratzen vor allem. "Ganz dringend fehlt jetzt eine Industrie-Waschmaschine und Spülmaschine, die gebrauchten sind jetzt hin", sagt Waackhusen. Sie hofft auf Spenden. Und Menschen, die beim Abholen helfen. Kontakt: Telefon 01575-5148274.    

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