Ulrike Mantel-Wiegand liebt ihren Beruf. Doch die Schulleiterin hat im Kampf gegen die Widrigkeiten im Schulalltag kapituliert  und sich früher als geplant pensionieren lassen.

Ulrike Mantel-Wiegand liebt ihren Beruf. Doch die Schulleiterin hat im Kampf gegen die Widrigkeiten im Schulalltag kapituliert und sich früher als geplant pensionieren lassen.

Foto: Scheer

Bremerhaven

Ex-Schulleiterin schimpft: "Schule wird kaputt gespart"

Von Susanne Schwan
30. Juli 2016 // 11:00

Ulrike Mantel-Wiegand ist wütend. Resigniert. "Mürbe", sagt die 63-Jährige. Die Leiterin der Astrid-Lindgren-Schule zieht die Reißleine und geht früher als nötig in Pension. Grund: "Die Schule wird kaputt gespart. Lehrer sind überfordert von all den Problemen. Schulbehörde lässt uns damit allein." 

Wegweisendes Konzept der Astrid-Lindgren-Schule aufgebaut

Sie gilt als passionierte Pädagogin. 22 Jahre lang hat Ulrike Mantel-Wiegand die Geschicke zweier Grundschulen im sozialen Brennpunkt Lehe gelenkt. Erst die Deichschule, die 2005 abgerissen wurde. Zuletzt hat sie elf Jahre lang die Astrid-Lindgren-Schule - wegweisend in ihrem skandinavischen Reformkonzept als gebundene Ganztagsschule - aufgebaut und geleitet. "Die Unterrichtsbedingungen sind immer schlechter geworden", beklagt  die Pädagogin. Und kritisiert: "Es fehlt an Diskussionskultur und Unterstützung."

"Geld wird im Gießkannenprinzip verteilt statt nach Bedarf"

Es sei fatal sei, sagt sie, dass Geld für mehr Personal nicht nach dem tatsächlichen Bedarf verteilt werde. "Es gibt solche Sozialindikatoren für Schulen, welche  das schwächste Umfeld haben. Unsere ALS steht an erster Stelle. Aber das Mehr an Lehrerstunden ist viel zu gering für all die Probleme."

Immer mehr verhaltensauffällige Kinder in der Klasse

Herausforderungen wie die Inklusion immer mehr lernbehinderter und verhaltensauffälliger Kinder, die wachsende Zahl nicht Deutsch sprechender Kinder und die Respektlosigkeiten und Angriffe durch vor allem aus Osteuropa zugewanderte Kinder und ihre Eltern "sind für einen einzelnen Klassenlehrer gar nicht mehr allein zu schaffen."

Immer mehr Seiteneinsteiger als Klassenlehrer

Zumal etliche Klassenleiter Seiteneinsteiger oder noch Studenten seien. "Es gibt kaum ausgebildete Lehrer, die nach Bremerhaven wollen", sagt Mantel-Wiegand, "weil die Bezahlung schlechter ist als in anderen Kommunen und weil sich die schlechten Unterrichtsbedingungen auch herumsprechen."

Lehrer sind mit sonderpädagogischen Aufgaben überfordert

Sie kreidet der Schulpolitik an, nicht offen für konstruktive Kritik zu sein, keine schulübergreifenden Diskussionen und Zusammenarbeit zwischen Kita- und Schulleitungen anzubieten und die Lehrkräfte nicht ausreichend für die ständig wachsenden sonderpädagogischen Aufgaben auszubilden. "Immerhin absolvieren Sonderpädagogen nicht umsonst ein mehrjähriges spezielles Studium."

Zugewanderte Kinder und Eltern oft respektlos und aggressiv

Immer häufiger komme nicht nur in Lehe vor, dass Kinder zum Beispiel aus Osteuropa pöbelten, Mitschüler und Lehrer mit Worten und auch Handgreiflichkeiten attackieren. "Ich musste auch schon zugewanderten Eltern Hausverbot erteilen, weil sie auf dem Schulhof Kinder geschlagen haben", sagt die Ex-Schulleiterin. Lehrer seien in der Fürsorgepflicht, "aber man weiß nicht mehr, wie man die noch umsetzen soll."

Vorbereitungsklassen für jede Schule werden  nicht finanziert

Ihr Vorschlag: "Altersübergreifende Vorbereitungsklassen an jeder Schule, um außer Sprache auch Werte, Regeln, Gebräuche zu vermitteln und die Kinder dann, wenn sie soweit sind, in den Regelunterricht hinüberzuziehen." Doch dafür fehle es auch an Fachpersonal.    

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