Viele Fischereien halten sich trotz MSC-Siegel nicht an die Anlandepflicht. Greenpeace fordert deshalb schärfere Kontrollen.

Viele Fischereien halten sich trotz MSC-Siegel nicht an die Anlandepflicht. Greenpeace fordert deshalb schärfere Kontrollen.

Foto: dpa

Bremerhaven

Fisch-Siegel unter Beschuss: "Keine Garantie für Nachhaltigkeit"

Von Merlin Hinkelmann
31. Mai 2018 // 19:00

Ob Frosta oder Deutsche See: Auch in Bremerhaven werben die fischverarbeitenden Firmen mit dem sogenannten MSC-Siegel. Das bekommen nur Betriebe, die besonders nachhaltig fischen. Jedenfalls theoretisch. Das Siegel wird von Umweltschutzorganisationen stark kritisiert. 

Offenen Brief an MSC-Vorsitzenden

Anfang des Jahres haben 66 Organisationen und Wissenschaftler einen offenen Brief an den Vorsitzenden des Marine Stewardship Council (MSC) geschrieben. Darin machen sie ihrem Ärger Luft und kritisieren Fischereien, die große Mengen Beifang entsorgen und gefährdete Arten fangen.

Keine Garantie für Nachhaltigkeit

Der MSC verspricht, dass nur nachhaltige Produkte das Siegel bekommen. Darauf können Verbraucher allerdings nicht vertrauen, erklärt Thilo Maack, Biologe bei Greenpeace. Sein Hauptkritikpunkt ist die Arbeitsweise des MSC.

 "Verbrauchertäuschung"

"Wenn eine Fischerei einen Plan vorlegt, wie sie nachhaltiger werden will, bekommt sie schon das Siegel - also Vorschusslorbeeren für ein Versprechen auf dem Papier", betont der Umweltaktivist. Aus Greenpeace-Sicht sei das Verbrauchertäuschung.

Zu viele Fische gehen über Bord

Seit 2014 dürfen die Fischer in der EU Beifang nicht mehr über Bord werfen. Eine 2016 veröffentliche Studie zeigt: Fast ein Viertel der untersuchten MSC-Fischereien entspricht den Anforderungen dieser Anlandepflicht nicht.

Strafen sind "zu gering"

"Das Problem ist", sagt Maack, "dass es bestenfalls stichprobenartige Kontrollen gibt. Und die Strafen sind so gering, dass die Fischer sie nach wie vor in Kauf nehmen." Ein ausführliches Interview mit dem Greenpeace-Biologen Thilo Maack lesen Sie am Freitag in der NORDSEE-ZEITUNG.

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