An Fronleichnam  gibt es vielerorts feierliche Prozessionen.

An Fronleichnam gibt es vielerorts feierliche Prozessionen.

Foto: Pleul/dpa

Bremerhaven

Fronleichnam: Warum fast ganz Deutschland frei hat - wir aber nicht

Von Christoph Käfer
25. Mai 2016 // 18:30

Ob in Bayern, dem Saarland oder Hessen - mehr als zwei Drittel der Deutschen kann am Donnerstag die Füße hochlegen, denn sie müssen nicht zur Arbeit oder in die Schule. In Bremerhaven und dem Cuxland gilt das nicht. Grund ist der christliche Feiertag Fronleichnam.  Fron... was? dürfte der ein oder andere spontan denken. In der Tat spielt das Fronleichnamsfest im öffentlichen Leben im Norden kaum eine Rolle. Dabei ist Fronleichnam ein Hochfest der katholischen Kirche, bei dem diese sich so prunkvoll wie sonst nie im Jahr gibt: Neben einem Gottesdienst gibt es vielerorts eine Prozession durch den jeweiligen Ort, an der zahlreiche Gläubige teilnehmen.

Zwei Drittel der Deutschen haben an Fronleichnam frei

Im Mittelpunkt des Fronleichnamfestes steht die Eucharistie, die Umwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi. In Bayern, Baden-Württemberg, Saarland, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sowie Teilen von Thüringen und Sachsen  - also insgesamt rund zwei Drittel der Gesamtbevölkerung - ist Fronleichnam ein Feiertag. Der Grund: Dort wohnen überwiegend Katholiken, während deren Anteil in Bremerhaven und dem Cuxland deutlich unter dem der Protestanten liegt. Daher haben die Länder Bremen und Niedersachsen Fronleichnam nicht zum Feiertag erklärt, was theoretisch aber möglich wäre: Mit Ausnahme des Tags der Deutschen Einheit (3. Oktober) sind alle weiteren Feiertage Länderangelegenheit, über die die einzelnen Parlamente entscheiden.

Augsburger haben fünf Feiertage mehr im Jahr als Bremerhavener

So kommt es dazu, dass jemand, der in Augsburg lebt, fünf Tage im Jahr mehr frei hat als ein Bremerhavener oder Niedersachse: Neben dem Dreikönigstag (6. Januar) sind in Augsburg auch Fronleichnam (50 Tage nach Ostern), das Friedensfest (8. August), Mariä Himmelfahrt (15. August) und Allerheiligen (1. November) gesetzliche Feiertage. Die wenigsten gesetzlichen Feiertage im Jahr haben übrigens Bremen, Berlin, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Freistellung für katholische Arbeitnehmer

Katholische Arbeitnehmer, die in Bundesländern mit mehrheitlich evangelischer Bevölkerung wohnen, schauen an Fronleichnam aber nicht zwangsläufig in die Röhre. Dort gibt es oft Sonderregelungen: So haben katholische Arbeitnehmer Anspruch auf eine unbezahlte Freistellung und katholische Schulkinder Anspruch auf Unterrichtsbefreiung, um am Gottesdienst und der Prozession teilnehmen zu können. Katholische Träger, etwa die Caritas, geben in ihren jeweiligen Bereichen an Fronleichnam nicht selten allen Mitarbeitern frei.

Vorsicht vor Staus am Wochenende

Durch die Bindung an Ostern wird Fronleichnam jedes Jahr an einem anderen Termin gefeiert, fällt aber wie Christi Himmelfahrt immer auf einen Donnerstag. Daher bietet sich Feiertag für ein verlängertes Wochenende an. Auch im Norden sollten Autofahrer daher mit erhöhtem Verkehrsaufkommen und Staus rechnen - und bekommen auf diese Weise auch etwas von Fronleichnam mit.

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