Harald Horváth (Fred), Sascha Maria Icks (Dekorateurin), Julia Friede (Holly Golightly) überzeugen in der Aufführung "Frühstück bei Tiffany".

Harald Horváth (Fred), Sascha Maria Icks (Dekorateurin), Julia Friede (Holly Golightly) überzeugen in der Aufführung "Frühstück bei Tiffany".

Foto: Heiko Sandelmann

Bremerhaven
Kultur

"Frühstück bei Tiffany" ist schnell und überdreht

Von Anne Stürzer
31. März 2016 // 19:00

„Frühstück bei Tiffany“ im Kleinen Haus in Bremerhaven zeigt das Elend hinter dem schönen Schein. Truman Capotes traurige Geschichte  von einer, die auszog, in New York ihr Glück zu machen, übersetzt Regisseurin Amina Gusner im Kleinen Haus in schnelle, manchmal sogar überdrehte, Bilder.

Icks singt melancholische Lieder

Fürs traurige Gefühl ist vor allem die Sängerin (fantastisch: Sascha Maria Icks) zuständig. Sie nimmt uns mit auf eine melancholische Reise zum „Moon River“, während die Hauptfigur Holly im Türrahmen lehnt.  Holly  ist, pardon, eigentlich eine Hure. Nun ja, eine Edelprostituierte. Sie flucht, schnauzt und lügt. Da kann die adrette Film-Holly Audrey Hepburn aus "Frühstück bei Tiffany" noch so sehr mit den Wimpern klimpern, die Theater-Holly – in unserem Fall die burschikose Julia Friede in ihrer ersten Hauptrolle – zeigt ihr, was ’ne Harke ist.

Heldin in "Frühstück bei Tiffany" ist verletzlich

Natürlich verleiht auch Julia Friede ihrer Figur mädchenhafte Züge. Ihre Holly sehnt sich nach Nähe und fürchtet sich gleichzeitig davor. Sie will auf keinen Preis verletzt werden, sondern immer diejenige sein, die die Karten in der Hand behält. Denn sie kennt nur zu gut das Gefühl, wenn einem alles entgleitet. „Rotes Elend“ nennt sie diesen Zustand. Über ihre Depression hilft ihr meist ein Besuch bei „Tiffany“ hinweg.

Nur einer glänzt als Liebhaber

Selbst ihren Nachbarn Paul, den sie Fred nennt, hält sie auf Abstand. Harald Horváth spielt diesen Schriftsteller, in dem viel von Capote selbst steckt, mit viel jugendlichem Charme. Damit wir bei Hollys vielen Männergeschichten nicht den Überblick verlieren, gibt es in dieser Inszenierung passenderweise nur einen, der als Liebhaber glänzt: Andreas Möckel. Er überzeugt als biederer Provinzler ebenso wie als unreifer Großkotz Rusty oder als Hollywood-Produzent.

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