Werftchef Dirk Harms (links) vor der Keimzelle der Bredo-Werft, dem Dock 3.

Werftchef Dirk Harms (links) vor der Keimzelle der Bredo-Werft, dem Dock 3.

Foto: Foto: Scheer/Archiv

Bremerhaven
Schiffe & Häfen

"Gorch Fock" im Dock: Vulkan-Überbleibsel Bredo-Werft hat gefüllte Auftragsbücher

Von Christoph Bohn
9. Oktober 2016 // 11:00

Etwas versteckt liegt die Bremerhavener Dock GmbH (Bredo) im Bremerhavener Fischereihafen. Verstecken muss sich das letzte intakte Überbleibsel des Bremer Vulkan allerdings nicht: Die Auftragsbücher der Reparatur- und Wartungswerft sind gut gefüllt. Und eigentlich leidet die Bredo sogar unter Platzproblemen, wie Werftchef Dirk Harms berichtet. Prominentester Gast der Werft ist derzeit das Segelschulschiff „Gorch Fock“ der Deutschen Marine.  20 Jahre alt ist die Werft in diesem Jahr. 1996 ging der Bremer Vulkan in die Insolvenz und damit auch die Schichau Seebeck Werft. „Letztere wollte mit dem Dock 3, der Kernzelle der heutigen Bredo, ins Reparaturgeschäft einsteigen, als sogenannter After-Sale-Service für Kunden“, berichtet Harms. Das Dock wurde 1986 an eine Investorengemeinschaft verkauft – das erwies sich bei der Vulkan-Pleite als Vorteil, weil das Dock damit nicht in die Konkursmasse fiel. Geburtshelfer der Bredo war letztlich der Unternehmer Dieter Petram. „Der Start war holprig, und vor allem die Politik hat der Werft keine große Überlebenschance gegeben“, sagt Harms. Mit 15 Mitarbeitern und 200 000 D-Mark Schulden sei die Bredo gestartet: „Aber Totgesagte leben eben länger.“ Allerdings sei es ein schwieriger Start in sehr schwieriger Zeit gewesen, zehn Jahre lang habe man nur für den Abbau der Schulden gearbeitet. Doch seit acht Jahren sei die Bredo in der Situation, wieder investieren zu können, meint Harms stolz.

Vieles auf der Werft ist noch original 1965

Der heutige Werftchef ist seit sieben Jahren bei der Werft beschäftigt, seit vier Jahren ist er Geschäftsführer. „Vieles auf der Werft ist noch original 1965“, sagt er. „Allerdings haben wir seit drei Jahren unser neues Bürogebäude.“ 95 Mitarbeiter beschäftigt die Werft zurzeit, dazu kommen 17 Auszubildende. „Wir gönnen uns den Luxus, als kleiner Betrieb junge Leute auszubilden. Das sehen wir auch als soziale Verpflichtung Bremerhaven gegenüber“, betont Harms. „Wir machen alles außer Neubau. Es muss nur in unsere Docks passen“, meint Harms. Über vier Docks verfügt die Werft zurzeit. „Hier kümmern wir uns hauptsächlich um Instandhaltung und um die regelmäßige Wartung von Schiffen, aber auch um Reparaturen“, erläutert der Werftchef. Es sei ein schwieriges Geschäft, gibt er zu. So habe der Oktober durchaus noch Lücken. Nervös mache ihn das aber nicht: „Insgesamt haben wir eine Auslastung von 80 bis 85 Prozent. Das ist fast Vollauslastung“, sagt er. Die Bredo sei in der glücklichen Lage, keine Vertriebsanstrengungen unternehmen zu müssen. Schwieriger geworden sei das Geschäft trotzdem, meint Harms. Vor sechs bis sieben Jahren hätten die Schiffe noch auf Dockzeiten gewartet. Doch dann sei die Krise gekommen. „Jetzt haben die Reeder auf Grund der Überkapazitäten viel Zeit.“ Das habe sich auch auf die Bredo auswirkt. Früher wurde rund um die Uhr gearbeitet, heute im Zweischichtsystem. „Wenn notwendig, erhöhen wir auf drei Schichten. Das hängt aber vom Auftrag ab“, sagt Harms.

100 bis 120 Schiffe pro Jahr in den Docks

Im Schnitt liegen 100 bis 120 Schiffe pro Jahr in den Docks der Bredo bei einer Durschnittsdockzeit von sieben bis zehn Tagen. Die vier Docks sind für Schiffe in unterschiedlichen Größen geeignet. Das größte Dock – Dock 4 – hat eine Länge von 170 Metern, das kleinste – Dock 1 – misst nur 116 Meter, dafür ist es aber überdacht. „Dock 1 ist auch wegen seiner Tragkraft nur für kleinere Fahrzeuge geeignet. Das macht mir schon manchmal Kopfschmerzen, denn so viele kleine Schiffe gibt es nicht mehr“, gesteht Harms. Dock 4 ist das einzige Dock, das durchfahren werden kann, bei den anderen bringen die Schlepper das Schiff nur bis zur Dockkante. Zusätzlich zu den Docks besitzt die Werft auch einen Liegeplatz mit einer Länge von 210 Metern, die sogenannte Berth.

Werft benötigt ein neues Dock

„Unser Wunsch ist immer noch eine Ausrüstungspier, aber das Angebot hier im Hafen ist begrenzt“, bedauert Harms. Auch neue Bauten auf dem Werftgelände seien nur bedingt möglich: „Wir haben hier keinen guten Baugrund.“ Doch die Werft ist erfindungsreich. So hat die Bredo von der Lloyd Werft das ausgemusterte Zwischensegment eines Schiffes übernommen. Das dient nun als schwimmende Werkstatt und Lagerhalle. „Wasser haben wir hier ja genug“, meint Harms. Auf lange Sicht müsse auch ein neues Dock her. „Dock I ist 80 Jahre alt, und Dock 3 stammt auch schon aus dem Jahr 1965“, sagt Harms.

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