Im Studentenwohnheim Adolf-Butenandt-Straße leben auch v.li. Annant Chelan, Zhang Xiuhui; Shobit Gupta; Malte Tien, Anita Luise Hauch und Hui Dong. Foto Schwan

Im Studentenwohnheim Adolf-Butenandt-Straße leben auch v.li. Annant Chelan, Zhang Xiuhui; Shobit Gupta; Malte Tien, Anita Luise Hauch und Hui Dong. Foto Schwan

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Bremerhaven

Hier ist noch alles so amerikanisch

Von nord24
23. November 2015 // 13:15

„Adolf Butenandt? Nie gehört.“ Kein Wunder. Shobhit Gupta ist erst im März aus Indien in diese Straße gezogen, die den Namen jenes Bremerhaveners trägt, der 1939 den Chemie-Nobelpreis erhielt – und wegen seiner Rolle während des Nazi-Regimes als umstritten gilt. Shobit aus Neu-Delhi studiert nicht Chemie, sondern „Embedded Systems Design“ – Computer-Elektronik. Sein Zuhause: Das erste Haus auf dieser Straße, die Wohnanlage „Butenandt“ des Studentenwerks Bremen. embedgooglemaps.com bundesligalivestream.eu      

In der Butenandtstraße sind viele Asiaten zu Hause

„Schön ruhig hier zum Lernen. Und grün. Und der Bus ist um die Ecke.“ Zhang Xiuhui mag ihre Studentenbude im Herzen Lehes. Vor einem Jahr ist die 25-jährige aus China gekommen – um hier zügig ihren Master in Elektronik zu bauen. 14 der 28 Klingelschildchen an diesem Appartementhaus gegenüber des einstigen Marine-Lazaretts zeigen indische, chinesische, arabische Namen. „Unsere Hochschule hat sich seit zwei, drei Jahren vor allem in Asien herumgesprochen“, beobachtet Sven Walter den gehäuften Zuzug chinesischer Studenten.

Bis auf ein paar Senioren meist menschenleer

Der 28-Jährige aus Hamburg war mal Kfz-Mechaniker, studiert hier aber seit drei Jahren Schiffsbetriebstechnik. „Es gibt ja kaum noch Ingenieure auf den Schiffen, und nur die Hochschule hier bietet das an, neben Flensburg und Warnemünde.“ Manchmal, erzählt er, begegne er auf dem Weg zum Bus den Senioren des Betreuungs- und Erholungswerks (BEW) gegenüber, sonst sei die Straße fast menschenleer.

Zwischen Tunnel-Trasse und einstigem US-Hospital

Eine skurrile Straße. Rechtwinklig eingeklemmt zwischen Tunnelbau-Trasse im Norden und dem einstigen US-Hospital im Süden. Man könnte sie hässlich nennen, wäre sie nicht gesäumt von Bäumen – und so geschichtsträchtig. Und geprägt von rotem Backstein. „Das ist wohl was typisch Nordisches“, mutmaßt Anita Luise Hauch. Vor acht Wochen ist die 19-Jährige aus München hergezogen, um digitale Medienproduktion zu studieren. „Heimelig“ finde sie die roten Ziegel ringsum.

Wirtschaftszentrum als Ami-Nachmieter

Abgesehen von der Stacheldrahtmauer – die umfasst noch die Rückseite des alles dominierenden heutigen Nordsee-Wirtschaftszentrums (NWZ). Gebaut wurde die Anlage 1937 als deutsches Marinelazarett. 1945 funktionierten die Amerikaner den 3,6 Hektar großen Komplex zum US-Hospital um, das fiel 1993 nach Abzug der Army an den Bund.

Keine Läden, keine Kita, keine Schule, kein Park

Na klar ist es ruhig: Eine Handvoll Studenten und Senioren, nur drei Eigenheime – aber keine Läden, keine Kita, keine Schule, kein Park. Im Wegeknick kreuzt die Wohnstraße Auf der Tötje. Dahinter zieht sich die Butenandtstraße noch 100 Meter bis zur – abgesperrten – Cherbourger Straße. Vor dem einzigen frei stehenden Wohnhaus an dieser Ecke buddeln auch gerade die Bagger. „Ich hab’s vor anderthalb Jahren gekauft“, erzählt Neu-Besitzer Stephan Bent, „und renoviere. Es gehörte mal einem Schiffbauingenieur, der es innen schiffsähnlich ausgebaut hatte, das hat mich sehr inspiriert.“

Der alte Army-Bau gammelt vor sich hin

Ihm gegenüber: Die finsterste Immobilie der Butenandtstraße. Seit fünf Jahren steht der flache Riegel Nr. 6–10 – erbaut 1955 für die Army – leer und gammelt. Ab 1994 hatte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) den Komplex dem Alfred-Wegener-Institut (AWI) zur Nutzung für Gastdozenten überlassen. „Jetzt hat das AWI keinen Bedarf mehr“, gibt Bima-Sprecher Thorsten Grützner Auskunft, „und gibt die Liegenschaft in Kürze an die Bima zurück. Die verkauft sie dann an die Stadt Bremerhaven.“ Die 18 Wohnungen werden dringend für Flüchtlinge gebraucht. Die anderen Straßen, die wir im Zuge unserer großen Serie vorstellen, finden Sie in unserer Artikelsammlung.

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