Der Angeklagte versteckte sein Gesicht bei Prozessbeginn hinter einem Aktenblatt und beriet sich mit seinem Anwalt Thomas Domanski

Der Angeklagte versteckte sein Gesicht bei Prozessbeginn hinter einem Aktenblatt und beriet sich mit seinem Anwalt Thomas Domanski

Foto: Scheer

Bremerhaven

Kindesmissbrauch: Emotionaler Prozessauftakt für Angehörige

Von Laura Bohlmann-Drammeh
14. Juli 2017 // 14:13

Am Freitag hat der erste Verhandlungstag gegen einen mutmaßlich pädophilen Mann begonnen, der zwischen 2011 und 2016 vier Mädchen sexuell misshandelt haben soll. Der Mann sitzt seit Januar in Untersuchungs-Haft, am Freitag wurde nur die Anklage verlesen. Für die Mutter eines Opfers war es ein schwerer Gang.

Kritik an langem Vorlauf

Der Fall hat im Vorfeld bereits für Schlagzeilen gesorgt, weil es vom Zeitpunkt der ersten Anklage bis zur Verhandlungseröffnung vier Jahre gedauert hat  - Grund dafür war die Überlastung des Gerichts. Der Weiße Ring und Jan Timke, Bürgerschaftsabgeordneter der Bürger in Wut hatten vor allem kritisiert, dass es nicht zu einem weiteren Opfer im vergangenen Jahr hätte kommen müssen, wäre der Prozess früher gestartet.

Vorwurf: Sexuelle Misshandlung von Minderjährigen

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 65-Jährigen sexuelle Handlung und Nötigung zur eigenen Befriedigung an offenkundig Minderjährigen vor. Der Mann soll zwischen 2011 und 2016 insgesamt vier Mädchen, die zum Tatzeitpunkt zwischen acht und zehn Jahre alt waren, jeweils unter Vorwänden zu sich in die Kleingartenparzelle oder Wohnung in Geestemünder und Beverstedt gelockt und sie dann gegen ihren Willen unter anderem im Genitalbereich berührt oder mit Zunge auf den Mund geküsst haben.

Angeklagter will sich äußern

Der erste Verhandlungstag am Freitag war nach gut 45 Minuten beendet. Der Angeklagte hat angekündigt, sich zu den Vorwürfen äußern zu wollen. Weil aber kein Sachverständiger vor Ort war, ist das auf die nächste Gerichtsverhandlung am 1. August verschoben worden. Dann soll auch eines der Kinder aussagen. Das ist notwendig, weil der Mann bisher kein voll umfängliches Geständnis abgelegt hat.  Der Verteidiger deutete unterdessen an, sein Mandant habe "kognitive Einschränkungen".

Mädchen muss vor Gericht aussagen

Für die Mutter eines der Mädchen, die sich den Prozessauftakt anhörte und die als Nebenklägerin auftritt, waren die 45 Minuten sichtlich schwer auszuhalten. Immer wieder kämpfte sie mit den Tränen. Als klar wurde, dass ihre Tochter vor Gericht aussagen muss, schüttelte sie verständnislos den Kopf. Die Angehörigen der anderen Mädchen warteten im Zeugenzimmer des Opferverbandes "Weißer Ring" auf Nachricht aus der Verhandlung.

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