Jeden Dienstag kommt Clownin Knödel alias Jenny Sauerwald zu Besuch auf die Palliativstation. Immer in Absprache auch mit Oberärztin Dr. Corinna Gott  klopft sie an Patiententüren.

Jeden Dienstag kommt Clownin Knödel alias Jenny Sauerwald zu Besuch auf die Palliativstation. Immer in Absprache auch mit Oberärztin Dr. Corinna Gott klopft sie an Patiententüren.

Foto: Masorat

Bremerhaven

Klinikclownin besucht Sterbenskranke

Von Susanne Schwan
23. Juli 2016 // 11:00

Sie sieht aus wie ein Clown. "Knödel" ist auch einer, ein weiblicher. Aber sie macht weder Ulk, noch Lautes und Schrilles, schlägt nicht Kobolz und trötet nicht. "Knödel" ist eine Klinikclownin und besucht Patienten auf der Palliativstation in der Ameos-Klinik St.Joseph.  Und zwar auf die ganz leise Tour.

Immer dienstags auf der Palliativstation

Jeden Dienstag, wenn sich Jenny Sauerwald mit Schminke und Kostüm in "Knödel" verwandelt, beginnt für die 67-Jährige ein Abenteuer. "Ich weiß nie, was geschieht, wenn ich an eine Patienten-Tür klopfe", sagt die einstige Krankenschwester. Manche sagen auf ihre Frage "Darf ich hereinkommen?" sofort "Nein." Andere warten schon auf sie.

Menschen am Ende ihres Lebensweges

Immer sind die Menschen unheilbar krank, viele  am Ende ihres Erden-Weges angelangt. Auf der Palliativstation werden sie therapeutisch und medikamentös so eingestellt, dass sie möglichst lange zu Hause bleiben können. Manche kommen auch mehrmals wieder. Und manche versterben auch auf der Station. Das weiß "Knödel".

Kranke vertrauen sich einer Kunstfigur leichter an

"Aber ich fungiere als Clown wie ein Übermittler", erzählt die einstige Gründerin und Leiterin des Hauses im Park, ein Pflegeheim speziell für Demenz-Kranke. "Was die Patienten zu sehr belastet, um es ihren nächsten Angehörigen anzuvertrauen, das äußern sie manchmal gegenüber Knödel." Oder sagen es "Otto", dem Frosch.

Handpuppe Otto ist unverzichtbar

Der ist blau, 300 Jahre alt, weise, lieb und eine Handpuppe. Sauerwald gibt ihr eine tiefe, sanfte Stimme und lässt Otto und Knödel miteinander - und mit dem Kranken sprechen. Oder auch schweigen. Als Clownin hat Sauerwald immer ein Repertoire feiner kleiner Dinge in der Tasche, ein Klingklangspiel, eine Spieldose. Oder: Federn.

Zarte Berührung mit Federn ersetzt Worte

Diese flaumig-leichten, bunten Gebilde können am Bett eines Sterbenskranken etwas ausdrücken, wenn Worte fehlen: durch  Berühren, Streicheln, Gestreicheltwerden. Am Ende des Lebens ist die Empfindsamkeit, die Sensitivität, besonders hoch. Und zärtliche Berührung lindert zuweilen Angst und Schmerz. Von ihren Clownsbesuchen nimmt Jenny Sauerwald, sagt sie, immer ein Geschenk mit: "Nähe. Begegnung." Und sie schenkt etwas zurück: Frieden. Und manches Mal ein Lächeln.

Clownin wünscht sich beherzte Verstärkung

Doch in Bremerhaven ist "Knödel" bisher der einzige Klinikclown, der auf die Palliativstation kommt. "Ich würde mir wünschen, dass sich auch andere Senioren dafür interessieren", sagt sie. "Falls ich es mal nicht mehr machen kann." Für Menschen ab 50 Jahren gibt es dafür spezielle Ausbildungen, zum Beispiel in Hannover. Wer Kontakt zu Sauerwald aufnehmen möchte, kann das per Mail an sauerwaldjenny@nord-com.net.

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