Konfliktforscher: AfD-Eliten spielen mit dem Tabubruch

Klare Schuldzuweisungen: Alice Weidel und Alexander Gauland, Spitzenkandidaten der Partei Alternative für Deutschland (AfD) für die Bundestagswahl, äußern sich am 18. September bei einer Pressekonferenz in Berlin zu den Themen Zuwanderung und Kriminalität.

Bremerhaven

Konfliktforscher: AfD-Eliten spielen mit dem Tabubruch

Von Christian Heske
7. Oktober 2017 // 17:30

Zahlreiche Bürger engagieren sich ehrenamtlich in Flüchtlingsinitiativen. Gleichzeitig zieht die AfD als drittstärkste Kraft in den Bundestag ein, obwohl Vertreter der Partei offen mit völkischen und rechtsextremen Positionen kokettieren. Mit diesem Spannungsfeld beschäftigt sich Konfliktforscher Prof. Dr. Andreas Zick. Er ist am Sonntag, 15. Oktober, zu Gast im Deutschen Auswandererhaus (DAH) in Bremerhaven. 

Die Chance zur Positionierung genutzt

"Wir haben in Studien beobachtet, dass viele Menschen nach der Wirtschafts- und Finanzkrise dachten, jetzt sind sie wieder dran, jetzt müsse mehr für die Deutschen getan werden", benennt Zick einen Auslöser für den Wandel des politischen Klimas, der sich seit geraumer Zeit vollzieht.  "Im Zuge der starken Zuwanderung von Flüchtlingen, die immer zu Konflikten führt und viele besorgt hat, konnte die AfD die Meinung des Kontrollverlustes von Politik und Regierung gut positionieren."

Schärferes und kaltes Klima in der Politik durch die AfD

"Sie ist die Gewinnerin der Flüchtlingskrise und daher wird sie auch in einer aggressiven Abgrenzung von vermeintlichen Eliten und einer harten Straf- und Sicherheitspolitik weiter ein scharfes und kaltes Klima in die Politik bringen", ist Zick überzeugt. Die Strategie sei nun relativ klar. "Insofern werden wir eine kältere Politik erleben, die immer wieder polarisiert. Wesentlicher ist, wie andere darauf reagieren und ob es Kräfte gibt, die die Auseinandersetzung mäßigen können", sagt der Gewaltforscher.

"Mit Konflikten muss gerechnet werden"

Wie ein angemessener politischer Umgang mit rechtspopulistischen Positionen aussehen kann, dazu hat der Gewaltforscher kein Patentrezept. "Es muss zu den Möglichkeiten der Personen vor Ort und der Kultur passen", sagt Zick. Mit Konflikten müsse man rechnen und mit allen Menschen und Gruppen, die die Toleranzprinzipien einhalten, die unsere Identität bisher geprägt haben. "Daher rede ich auch mit AfD-Anhängern, die mich oder andere nicht angreifen, weil wir unterschiedlicher Meinung sind", so Zick. Am Sonntag, 15. Oktober, um 10.30 Uhr referiert Zick im DAH über das Thema „Zwischen Willkommen und Hass“.  Mehr Informationen im Internet.