Fiona Steller und Christian Brinker (mit dem gemeinsamen Sohn Adam) betreiben in der Werkstatt 212 das Café Findus. Über die Gründung freut sich Robert Worden (hinten), künstlerischer Leiter der Werkstatt 212.

Fiona Steller und Christian Brinker (mit dem gemeinsamen Sohn Adam) betreiben in der Werkstatt 212 das Café Findus. Über die Gründung freut sich Robert Worden (hinten), künstlerischer Leiter der Werkstatt 212.

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Bremerhaven
Kultur

Kulturcafé mit ungewöhnlichem Konzept: Im Findus soll das Kommerzielle in den Hintergrund rücken

Von Christian Heske
16. Oktober 2016 // 11:00

Die Gäste speisen im Café und bezahlen anschließend, was ihnen die Leistung wert ist: Kann dieses Konzept wirtschaftlich funktionieren? Fiona Steller und Christian Brinker sind davon überzeugt. Sie versuchen, die Idee in ihrem Café Findus in der Alten Bürger umzusetzen. Mit der Neugründung als Untermieter in der Werkstatt 212 geht es dem jungen Paar um Kommunikation und Kultur, nicht um Kommerz.

Seit August am Start

„Wir verstehen uns als Gastgeber in einer Art öffentlichem Wohnzimmer“, sagt die 18-jährige Cafébetreiberin. „Nicht das Geld, sondern das Essen, das gute Gefühl stehen im Vordergrund“, ergänzt ihr 27-jähriger Lebensgefährte. Anfang August waren die beiden mit ihrem Café an den Start gegangen. „Wir haben aber zunächst keine große Werbung gemacht, um mit wenigen Gästen zu testen“, sagen sie. Zwischenzeitlich kam auch noch Sohn Adam zur Welt.

Gelernter Bäckermeister

Adams Vater ist gelernter Bäckermeister. Im Mittelpunkt der Café-Angebote stehen deshalb besondere, wöchentlich wechselnde Brotkreationen. Rote-Beete-Brot steht ebenso auf der Karte wie Brot mit grünem Tee und Orangen oder herzhaftes Kürbisbrot, für das Christian Brinker Kürbismus, -stifte, -kernöl und -kerne verwendet. Dazu gibt es frische Aufstriche. Das verarbeitete Gemüse stammt von einem solidarischen Hof aus der Region. „Man zahlt den Bauern und bekommt eine Ernteanteil dafür“, erläutert Fiona Steller. Bisher sind die Erfahrungen des Paars mit seinem Preislosmodell gut. „Die einen zahlen mehr, die anderen weniger, aber über den Tag gleicht sich das aus“, berichtet Fiona Steller. Viele Gäste lägen auch genau auf dem Wert, den das Paar selbst kalkuliert hat.

Zwei Konzepte zusammengebracht

„Es ist einer Lebenseinstellung, eine andere Idee, mit Wirtschaft umzugehen“, sagt Robert Worden. „Wir haben hier zwei Konzepte zusammengebracht, die sich ideal ergänzen“, sagt der künstlerische Leiter der Werkstatt 212, die vom Förderverein Alte Bürger betrieben wird. Die Sitzgruppen im Galerieraum lassen sich für Veranstaltungen schnell umstellen. Da sich beide Einrichtungen die Miete des Ladenlokals teilen, bleiben die Grundkosten für die jungen Existenzgründer niedrig.

Crowdfunding bringt das Startkapital

Schon die Beschaffung des Startkapitals für das Café Findus folgte einem zumindest in Deutschland bisher ungewöhnlichen Weg: über Crowdfunding. Die beiden Existenzgründer sammelten Spenden ein. Als Gegenleistung konnten sich Spender ein Dankeschön aussuchen – zum Beispiel einen Brotbackkursus. „Es war auch gleich ein Marktcheck: Wenn Leute vor dem Start Geld geben, wollen sie das Café haben“, sagt Brinker.

Gäste stellen sich mit Namen vor

Das alternative Betriebskonzept lockt die unterschiedlichsten Gäste ins Findus. „Es ist eine ganz bunte Mischung – von verrückt bis konservativ“, sagt Fiona Steller. „Und sie verhalten sich anders als in einem herkömmlichen Café“, freut sich die 18-Jährige. „Die Gäste stellen sich oft mit Namen vor, setzen sich zusammen und unterhalten sich.“ Geöffnet ist das Findus donnerstags bis sonnabends von 15 bis 22 Uhr, sonntags bis 20 Uhr.

Konzerte und Brotbackkurse

Ihr Konzept eines Kulturcafés wollen die beiden Betreiber durch ein eigenes Veranstaltungsprogramm mit kleinen Konzerten und Lesungen ausweiten. Ebenfalls vorgesehen: Brotbackkurse und Kochabende, in denen Restbestände vom Wochenmarkt im Topf landen. Auf einer „Austauschtafel“ will das Paar Gästen den Austausch von Dingen und Dienstleistungen ermöglichen. Das Motto: „Suche Umzugshelfer, kann Socken stricken.“

Ein anderes Verständnis von Erfolg

Robert Worden möchte seinerseits – passend zum Café-Konzept – Anfang kommenden Jahres in der Werkstatt 212 einen Runden Tisch ins Leben rufen, um über das Thema „Was heißt Erfolg“ zu diskutieren. „In meinem Heimatland USA bedeutet es, viel Geld zu haben“, sagt Worden. Er habe jedoch das Gefühl, dass viele jüngere Leute ein anderes Verständnis von Erfolg entwickelten – so wie die beiden Café-Betreiber.

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