An der Ecke Luther-/ Potsdamer Straße werten mehrere Eigentümer ihre Jugendstil-Häuser derzeit auf. Foto Scheschonka

An der Ecke Luther-/ Potsdamer Straße werten mehrere Eigentümer ihre Jugendstil-Häuser derzeit auf. Foto Scheschonka

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Bremerhaven

Lehe ist im Sanierungsfieber

Von Susanne Schwan
5. Oktober 2017 // 20:00

Durch das Goethe-Quartier geht ein Ruck. Zeitgleich investieren etliche private Eigentümer  in die Sanierung ihrer Altbauten. Nach dem Auftakt des Berliner Eigentümers Rolf Thörners an der Goethestraße legen jetzt fünf Investoren an der Luther- und Potsdamer Straße nach. Alle angetrieben von der gleichen Überzeugung: "In diesem Viertel steckt enormes Potenzial. Gute Sanierung bringt auch gute Vermietung."

"Es wird ein Muss sein, hier zu wohnen!"

Olaf Müller-Hanssen ist selbst Bremerhavener und sicher: "Es wird bald allen klar sein, dass es ein Muss wird, hier zu wohnen." Gerade ist das Baugerüst von der Fassade seines stolzen Gründerzeithauses ab. "Jetzt legen wir mit der Rückseite los." In zartem Blau-Weiß, mit liebevoll ausgearbeiteten Dekors im Jugendstil strahlt das 1907 erbaute einstige Geschäftsgebäude  etwas von seiner ursprünglichen Pracht aus. "Wir sind voll vermietet", ist der 65-Jährige froh.

Vor dem Zerfall bewahrt

Gegenüber an der Potsdamer Straße ist  der gebürtige Regensburger Andreas Obermeier gerade fertig mit seinem Jugendstilhaus. Erworben hat er es mit einem Freund. "Etliche Wohnungseigentümer standen kurz vor der Privatinsolvenz", erzählt der Ingenieur, der fast wöchentlich aus Hamburg kommt, um die Arbeiten zu überprüfen. "Leider habe ich auch schlechte Erfahrungen gemacht mit einer Mieterin, für die ich alles wunschgemäß renoviert hatte, dann war sie plötzlich weg, ohne Kaution, ohne Miete."

Probleme in Lehe schrecken oft ab

Die Probleme mit Mietern, komplizierten Eigentumsverhältnissen in einem Haus, mit schlechter Hausverwaltung "schrecken hier wohl oft ab", meint er, "aber man kann doch diese schönen Altbauten in Lehe nicht untergehen lassen." Er sehe in Lehe große Entwicklungschancen, "auch durch die multikulturelle Durchmischung."

Investitionen bis zu einer halben Million

Knapp eine halbe Million steckt der Oldenburger Thomas Schröter in sein 2013 erworbenes Gründerzeit-Eckhaus, das jetzt noch zu verfallen scheint. Wiesen sprießen aus den schönen Jugendstil-Balkonen. "Drinnen haben wir schon alle Gasleitungen erneuert, nach hinten raus die Fenster neu, jetzt fangen wir von oben nach unten mit allen Wohnungen und der Vorderseite an." Bis Ende 2018 sollen alle 750 Quadratmeter Wohnfläche  bezugsfertig sein.

Parole: Gut saniert - gut vermietet

"Der Dreh- und Angelpunkt ist doch: Mit gut sanierten Wohnungen kann man auch gute Vermietung erreichen." Sorgen bereiten im gerade die Fassaden-Risse, "dadurch dringt Nässe ins Mauerwerk." Aber in zehn Jahren, kalkuliert der 57-Jährige, "ist die Investition durch Vollvermietung refinanziert."

Viele der Eigentümer sind von auswärts

Wie lange es dauert, bis sein Haus an der Lutherstraße fertig ist, wisse er nicht, sagt Hartmut Mahnkopf. Der Nordenhamer Kaufmann beginnt jetzt gerade mit dem kompletten Innen- und Außensanieren. Auch über die Höhe der Investition bewahrt er Stillschweigen. "Ich hoffe das Objekt als Ganzes zu vermieten, nicht an einzelne Mieter."

Interessengemeinschaft ist vom Szene-Viertel überzeugt

Für die Eigentümerstandortgemeinschaft (ESG) Lehe sind all diese Anstrengungen ein Signal: "Das gibt Synergie-Effekte", ist ESG-Vorsitzender Heiko Janßen überzeugt. "Hier entsteht ein echtes Szene-Viertel, die Veränderungen sind schon spürbar. Jetzt wird es noch ein Spagat, eine gute Durchmischung der Mieter hinzukriegen. Denn es darf durch die hochwertige Sanierung kein sozial schwach Gestellter von hier vertrieben werden."

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