Müll im Treppenhaus

Mit ein paar Mülltüten fängt es an. Auf diesem Bild ist das Treppenhaus vor der Wohnungstür von Familie Bink noch vergleichsweise sauber. An Manchen Tagen stapelt sich der Müll im gesamten Flur. Foto Scheschonka

Foto: Archivfoto: Scheiter

Bremerhaven

Müllberge im Treppenhaus in Lehe

Von nord24
9. Dezember 2015 // 17:01

In ihrem Wohnzimmer knistert das Kaminfeuer, im Treppenhaus stapelt sich der Müll. Familie Bink ist ratlos, wie sie das Problem in den Griff bekommen kann. Kein Einzelfall im Goethequartier. Im Wohnzimmer knistert der Kamin, die Zimmer sind renoviert, Bücher stehen in den Regalen. Die Eigentumswohnung von Annemarie und Mario Bink in der Heinrichstraße im Goethequartier sieht nach einem gemütlichen Zuhause aus. Doch wer ins Treppenhaus tritt, bekommt einen Schrecken. Die Abfalltonnen laufen über, auf dem Boden liegen jede Menge Mülltüten. „Im Sommer waren hier Maden, es stinkt, und der Boden ist versifft“, sagt die 26-jährige Annemarie Bink. Neben ihr spielt ihr zwei Jahre alter Sohn Ian. „Wenn wir nicht aufpassen, geht der Junge an den Müll.“ Die junge Mutter wohnt mit ihrem Mann schon seit rund sieben Jahren hier. Vor zehn Jahren hat Mario Bink die Wohnung gekauft, sie auf Vordermann gebracht. „In die Sanierung habe ich gut 10 000 Euro gesteckt“, sagt der 42-Jährige. Er sorgt sich nicht nur um die Gesundheit seines Kindes, sondern auch um den Wertverlust seines Eigentums.

Vor einem Jahr ging es los mit dem Müll

Los ging es vor rund einem Jahr. Immer neue Nachbarn zogen ein, viele sprechen kein deutsch. Wer über das Problem mit dem Müll redet, gerät schnell in Verdacht, Ressentiments zu bedienen. Aber der Müll ist da, und die Kommunikation mit den neuen Nachbarn schwierig. Die meisten anderen Wohnungseigentümer seien nicht zu erreichen. Die Hausverwaltung helfe nicht wirklich weiter. „Wir wissen nicht, was wir noch tun können“, sagt Mario Bink. „Das Thema ist mir nicht fremd“, sagt Brigitte Hawelka. Sie ist Quartiersmeisterin im Stadtteil. „Doch die Ursachen sind komplex.“ Das reicht von Eigentümern, die sich nicht um ausreichende Mülltonnen kümmern, bis zu Mietern, die vielleicht gar nicht wissen, wie sie ihren Müll korrekt entsorgen können. „Man muss zunächst den Ursachen auf den Grund gehen“, sagt Hawelka. Man verteile zudem auch Flyer in verschiedenen Sprachen, um die Menschen über Mülltrennung zu informieren.

Eine Musterlösung für das Müllproblem gibt es nicht

„Es gibt dafür keine Musterlösung“, sagt auch Heiko Janßen. Er ist Vorsitzender der Eigentümerstandortgemeinschaft Lehe. Wenn Müll im öffentlichen Raum anfällt, gebe es klare Zuständigkeiten. Bei Privatbesitz sei das anders. „Hier hilft nur das Gespräch mit Eigentümern und Hausverwaltung.“ Ihn ärgern solche Vorkommnisse auch, weil sie ein schlechtes Licht auf das Viertel werfen. „Man sollte nichts kaputtreden, es gibt viele Leute, die hier investieren wollen, das Viertel hat viel Potenzial.“ „Man kann dem schlecht mit rechtlichen Mitteln beikommen“, sagt Torsten Petschnik, Geschäftsführer bei Haus und Grund in Bremerhaven. Hier sei, so altmodisch das klingen mag, die Hausgemeinschaft gefragt. Denn Müll im Treppenhaus sei nicht nur ekelig, sondern auch im Fall eines Feuer durch die Rauchentwicklung enorm gefährlich. Auch Familie Bink hat noch keine Lösung für das Problem. Sie ist auf der Suche nach einer neuen Hausverwaltung, die die Sache besser in den Griff bekommt. Bisher gab es allerdings nur Absagen.

Tipps bei Müllbergen:

Ein Patentrezept für das Problem gibt es meist nicht, dennoch können Mieter und Eigentümer einiges tun:
  • Das direkte Gespräch mit möglichen Verursachern suchen.
  • Hausverwaltung und Vermieter informieren und die Vorfälle dokumentieren.
  • Die Quartiersmeisterei Lehe, Uhlandstraße 28, T 41 89 86 90, bietet Beratung und Infomaterial.
  • Die Entsorgungsbetriebe Bremerhaven können bei Fragen zu Tonnenkapazitäten helfen. Denn laut dem Ortsgesetz über die Entsorgung von Abfällen müssen pro Woche und Person mindestens 20 Liter für die Abfallbeseitigung zur Verfügung stehen.

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