Scotts Südpol-Expedition

Diese fünf Mitglieder der Terra-Nova-Expedition – am 18. Januar 1912 am Südpol mit Selbstauslöser fotografiert – überlebten den Rückmarsch nicht. Zweiter von rechts ist der Leiter Robert Falcon Scott. Ihm hat der Komponist Ralph Vaughan Williams mit der „Sinfonia Antarctica“ ein Denkmal gesetzt.

Foto: Bowers

Bremerhaven
Kultur

Musikalische Südpol-Expedition im Sinfoniekonzert

Von Sebastian Loskant
9. Februar 2016 // 18:03

Selten ist eine Niederlage so glorifiziert worden wie die tödliche Südpol-Expedition des Engländers Robert Falcon Scott 1912. Die pathetische Musik des britischen Komponisten Ralph Vaughan Williams legte davon jetzt im Sinfoniekonzert Zeugnis ab. Er schrieb sie 1948 für einen Kino und brachte sie 1953 als „Sinfonia Antarctica“ in den Konzertsaal.

"Unbritische" Schlittenhunde

Wissenschaftshistorikers Dr. Reinhard Krause vom Alfred-Wegener-Institut nahm dem Wettrennen zum Pol  in seiner Einführung allerdings das Pathos. Er verwies auf die Schwächen der Vorbereitung, etwa die geringe Zahl an Schlittenhunden. Die seien „unbritisch“, habe Scott befunden und sich auf Motorschlitten und sibirische Ponys verlassen, die schon bald ausfielen.

Fröhliches Eislaufen

Auch musikalisch wurde die Heldenlegende hnterfragt. Alexander Glasunows Ballettmusik „Der Winter“ weckte mit Celesta-Geklingel, Geigengeriesel und eisigem Flötenhauch  Assoziationen an fröhliches Eislaufen und Schneemannbauen.  Das Philharmonische Orchester unter dem umsichtig disponierenden Gastdirigenten Hermann Bäumer, Generalmusikdirektor am Staatstheater Mainz, ließ sich gern auf diese Schlittenfahrt ein.

Zauberhafte Sommernacht

Erst recht bildete das 2012 uraufgeführte Violinkonzert „Traum einer Sommernacht“ von Siegfried Matthus einen wohligen Kontrast. Eine Kostbarkeit der leisen Töne: Solist David Schultheiß, der 1. Konzertmeister des Bayerischen Staatsorchesters, erfreute schon beim "Mondscheinzauber" mit schönem, warmem Ton. Viel Beifall gab es auch für den anwesenden Komponisten.

Akustische Breitwand

Derart vorgeglüht, konnte man sich nun in die Eiswüste von minus 40 Grad Celsius stürzen. Die 40-minütige Südpol-Expedition der 7. Sinfonie von Vaughan Williams schürte wie jede gute Filmmusik  heftig die Emotionen. Als „Regisseur“ mit dem Taktstock gestaltete Hermann Bäumer imposante akustische Breitwand. Fotos aus dem AWI-Fundus  führten nicht nur die Schönheit, sondern auch die Lebensfeindlichkeit der Landschaft vor.

Bewegend

Das bewegte viele Besucher spürbar. Man fühlte sich wie nach einem Katastrophenfilm im Kino. Und dort fragt man ja auch nicht, ob der Held wirklich einer war.

Scotts Südpol-Expedition

Geiger David Schultheiß wärmte die Hörer mit „Träumen einer Sommernacht“.

Foto: Bowers

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