Kinostart - "Where to invade next"

Für seinen neuen Dokumentarfilm „Where to invade next“ ist Michael Moore auf Reisen gegangen, um Lösungen für die Probleme seines Heimatlandes zu finden. Eine große US-Flagge hat er mit im Gepäck – und aus dem Staunen kommt er nicht mehr heraus.

Foto: Falcom Media/dpa

Bremerhaven
Kino

Neu im Kino: Michael Moore geht für Amerika auf Europareise

Von Anne Stürzer
26. Februar 2016 // 13:00

Er kommt in friedlicher Absicht: US-Regisseur Michael Moore wirkt mit seinen 61 Jahren wie ein großes Kind, das mit seinem Lieblingsspielzeug, der amerikanischen Flagge, durch Europa stapft. „Where to invade next“ (Wo als nächstes einmarschieren) heißt sein neuester Streich, eine höchst vergnügliche Dokumentation über die Errungenschaften auf unserem Kontinent.

Ein-Mann-Armee

Der martialische Titel täuscht gewaltig. Denn der gewichtigen, um nicht zu sagen übergewichtigen, Ein-Mann-Armee geht es natürlich nicht um Krieg und Verwüstung. Er kämpft, man höre und staune, für das Paradies auf Erden.

Die besten Ideen stehlen

Das meint er in Europa gefunden zu haben. Hier will er die besten Ideen stehlen, damit es seinem Land künftig besser geht. „Wieso haben wir das nicht?“, fragt er sich immer und immer wieder, während er treuherzig seine Gesprächspartner anblickt und die Kinnlade leicht nach unten rutscht. Diese Naivität ist seine stärkste Waffe.

Erst mal nach Italien

Natürlich zieht es ihn, da ist er nicht anders als seine Landsleute, erst einmal nach Italien, wo er konsterniert ist, wie viel Urlaub die Italiener haben. Und dass sie zwei Stunden Mittagspause machen dürfen. Unfassbar. Schnitt.

Zum Colatrinken verführen

Weiter geht es nach Frankreich, wo die Kinder in einer stinknormalen Grundschule in der Kantine ein Drei-Gänge-Menü serviert bekommen – mit Jakobsmuscheln als Vorspeise. Wenn der große Kerl mitten unter lauter kleinen Leuten sitzt, die er unbedingt zum Colatrinken verführen will, ist das ein Bild für die Götter.

Drogenkonsum straffrei

Land um Land, Zug um Zug legt Michael Moore bei seiner Reise die Defizite Amerikas offen. In Finnland – das wissen wir natürlich längst aus unzähligen Pisa-Studien – gibt es die schlausten Schüler, in Slowenien kostenlose Universitäten, in Norwegen Vorzeige-Gefängnisse. In Portugal bleibt der Drogenkonsum straffrei.

Frauen als Banker

Die Isländer sind Vorreiter in Sachen Emanzipation. Eine fantastische Idee, die er natürlich gleich einsackt – zumal die einzige Bank, die den Crash dort überlebte, von Frauen geführt wurde. Ihr Investitionsprinzip ist denkbar einfach: Finger weg von Sachen, die sie nicht durchschauen.

Eins plus mit Sternchen

Was wäre wohl geschehen, überlegt unser treuherziger Eroberer, wenn nicht die Lehman-Brüder, sondern die Schwestern das Sagen gehabt hätten? Bleiben die Deutschen. Sie kriegen von ihm eine Eins plus mit Sternchen für ihre vorbildliche Vergangenheitsbewältigung.

Heiter verpackt

Die bekommt auch Michael Moore. Das muss man erst mal hinbekommen, ein ernstes Anliegen so heiter zu verpacken.

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