Kinostart "Colonia Dignidad - Es gibt kein Zurück"

Lena (Emma Watson) und Daniel (Daniel Brühl) geraten während des Militärputschs in die brutalen Straßenkämpfe in Santiago.

Foto: Ricardo Vaz Palma/Majestic

Bremerhaven
Kino

Politthriller "Colonia Dignidad" läuft im Kino an

Von nord24
17. Februar 2016 // 12:23

Der deutsche Oscarpreisträger Florian Gallenberger („John Rabe“) wagt den Spagat zwischen Anspruch und Entertainment. „Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück“ mit den Hauptdarstellern Emma Watson und Daniel Brühl ist ein stark besetzter Thriller.

Putsch in Chile

Mit rasanten Bildern stürzt sich die Kamera zu Beginn in die Wirren des Putschs von Pinochet 1973 in Chile. Der deutsche Fotograf Daniel (Daniel Brühl), glühender Anhänger des gewählten Präsidenten Salvador Allende, und seine Freundin, die Stewardess Lena (Emma Watson), werden von der Geheimpolizei verhaftet. Daniel wird verschleppt, gefoltert und landet in der berüchtigten „Colonia Dignidad“, in der festungsartigen Siedlung der obskuren Sekte des deutschen Laienpredigers Paul Schäfer.

Von der Außenwelt abgeschottet

Lena wird wieder freigelassen, recherchiert bei Amnesty International und macht sich dann auf eigene Faust auf den Weg zu dem von der Außenwelt abgeschotteten Areal. Hier wird sie vom autokratisch-sadistischen Sektenführer Paul Schäfer (angsteinflößend: Michael Nyqvist) in den Frauentrakt eingewiesen. Allmählich gelingt es Lena, Kontakt zu Daniel aufzunehmen, der noch stark an den Kopfverletzungen leidet, die er während der Folter erlitten hat. Gemeinsam planen sie den lebensgefährlichen Ausbruch.

Skrupelloser Botschafter

Gallenbergers Film ist politisch korrekt und unterschlägt auch nicht die skandalöse Kumpanei zwischen der deutschen Botschaft und dem selbstherrlichen Sektenführer Schäfer, der die Siedlung 1961 gegründet hatte und später wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger, Mordes und Folter zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde.

Reihenweise missbraucht

Der Film ist beklemmend, arbeitet indes zu vorhersehbar, brav und mitunter langatmig die Gräueltaten des pädophilen Schäfer ab, der kleine Jungs unter der Dusche reihenweise missbraucht. Überdies kommt Gallenbergers historische Präzision mit der erfundenen Rahmenhandlung nur schlecht zusammen. Die beiden Protagonisten hängen in der Luft, wirken wie aufgepappt auf die gruselige Geschichte.

Historisch entrückt

Da können Emma Watson und Daniel Brühl noch so engagiert agieren – beide wirken fast wie Fremdkörper in dieser düsteren Tragödie, die historisch schon sehr entrückt scheint. Politthriller, auch wenn sie nicht in der unmittelbaren Gegenwart spielen, sollten immer auch aktuelle Bezüge haben. Die vermisst man in „Colonia Dignidad“ leider schmerzhaft.

Immer informiert via Messenger
Weihnachten steht vor der Tür. Wie genießt ihr euren Klaben am liebsten?
186 abgegebene Stimmen
Folge den Pinguins via Messenger