Türkische Bremerhavener sind bewegt von dem versuchten Putschversuch des Militärs

Türkische Bremerhavener sind bewegt von dem versuchten Putschversuch des Militärs

Foto: Foto: Zinken/dpa

Bremerhaven

Putschversuch: Türken in Bremerhaven sind bestürzt

Von nord24
19. Juli 2016 // 08:00

Es ist ihre Heimat. Auch aus der Ferne fühlen sich die türkisch-stämmigen Bremerhavener von den Unruhen in ihrem Land stark betroffen. Doch sehr unterschiedlich ist die Stimmungslage. Die einen glauben, Erdogan habe den Putsch selbst inszeniert, die anderen sehen die Gefahr im Militär und vertrauen auf den Präsidenten. In einem sind sich die türkischen Bremerhavener jedoch einig: Sie wollen keine Militärregierung zurück.

Erdogan soll für Ruhe und Frieden sorgen

"Der Putschversuch war schrecklich. Das ist wie Krieg. In was für einer Zeit leben wir denn?“, sagt Abdul Mezit Balta, gebürtiger Kurde. Der Inhaber des Imbisses am Bürgerbüro Nord ist bestürzt: „Die haben die normale Bevölkerung angegriffen, aber wenn man einen Putsch will, muss man die Politiker stürzen." Balta sei nicht politisch interessiert und auch kein großer Fan von Recep Tayyip Erdogan. "Er ist nicht perfekt", sagt er. Aber er sei der gewählte Präsident und werde die Unruhen nun hoffentlich glätten. "Ich will einfach nur friedlich und gemütlich leben", sagt der 35-Jährige.

Todesstrafe sei angemessen für versuchten Putsch

Seine Ehefrau Gülay Balta hat eine ähnliche Meinung zu dem Putschversuch - eine Militärregierung wäre ein reines Chaos - sie sieht sich jedoch als starke Erdogan-Befürworterin. "Er hat das Land stark gemacht. Die Bevölkerung steht hinter ihm, deshalb sind ja auch Millionen Menschen auf die Straße gegangen. Sonst hätten sie den Putsch nicht aufhalten können", sagt sie. Die Militär-Putschisten sollen bestraft werden, so die 34-Jährige. "Natürlich müssen sie die Todesstrafe bekommen, die sind gefährlich", sagt sie. Sie bezweifelt jedoch, dass die Regierung auf die Schnelle die Todesstrafe wieder einführen kann.

Erdogan habe den Putsch inszeniert

Der Inhaber des Imbisses "Ados Grill", Veysi Kilic, sieht in dem Putsch die Handschrift des Präsidenten selbst. "Bei einem richtigen Putsch, hätte sich das Militär besser gewehrt", sagt Kilic, "er wollte mit dieser Aktion testen, wie viele Leute hinter ihm stehen." Der 67-Jährige wünscht sich, dass die Bevölkerung der Türkei in Frieden miteinander lebt. "Dort leben nicht nur Türken, auch Kurden und Syrer zum Beispiel. Mensch ist Mensch - sie sollten alle gleichberechtigt sein." Er wünsche sich Demokratie für seine Heimat, doch die Regierung Erdogans sieht er in einer Diktatur enden.

Türkei ist keine Demokratie

Zwei türkisch-stämmige Leher, vertreten eine ähnliche Meinung. Sie möchten ihre Namen nicht nennen, aus Angst vor Erdogan. "Ein Mann des Volkes, würde nie sein Volk auf die Straße schicken." Er manipuliere das Volk, indem er Straßen baut. Aber in Wirklichkeit könne man sich in der Türkei nicht mehr frei bewegen und seine Meinung nicht frei sagen. Die einzige Rettung für das Land sei eine Revolution. Der andere stimmt seinem Bekannten zu, in der Türkei herrsche keine Demokratie. "Der ganz Putsch war inszeniert", sagt er. "Jetzt hat er das Militär geschwächt, das eine Gefahr für ihn war und stärkt die Polizei."

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