Rückkehr in den Schoß der Kirche

Gründe dafür, wieder ein Mitglied der Kirche zu werden, gibt es zahlreiche. Der Weg dorthin ist unbürokratisch.

Bremerhaven

Rückkehr in den Schoß der Kirche

Von Andrea Lammers
18. Dezember 2016 // 11:00

Als ihr Mann starb, geriet ihre Welt aus den Fugen. Das war der Punkt, an dem sich die Bremerhavenerin Gesine Frank* entschloss, wieder in die Kirche einzutreten. Weil eine Pastorin ihr zuhörte, die Trauerfeier einfühlsam gestaltete. Weil die Endlichkeit plötzlich so sehr in das Zentrum ihres Lebens gerieten. Gründe, in die Kirche einzutreten, gibt es zahlreiche. Die bürokratischen Hürden sind niedrig. „An Gott geglaubt, habe ich mein Leben lang“, blickt die 63-Jährige zurück. Im Bremerhavener Stadtteil Leherheide aufgewachsen, getauft und konfirmiert, gehörte die Markuskirchengemeinde immer zu ihrem Leben dazu. „Ich bin auch kirchlich getraut worden“, erzählt Gesine Frank. „Dann haben wir gebaut. Da war das Geld nicht mehr so da.“ Mit dem Austritt aus der Kirche sollte Kirchensteuer gespart werden. Die Kirchensteuer ist einer der Hauptgründe dafür, warum Menschen der Kirche den Rücken kehren, wie Pastor Sebastian Ritter weiß: „In Bremerhaven fragt das Kirchenamt, warum jemand sich für einen Kirchenaustritt entscheidet. Die Kirchensteuer ist einer der am meisten genannten Gründe“, so Ritter. Nach der Werftenkrise habe es eine regelrechte Austrittswelle gegeben. „Wenn es finanziell eng wird, sparen die meisten Menschen zunächst einmal bei der Kirchensteuer. Dabei zahlen Arbeitslose, Studierende und auch Rentner gar keine Kirchensteuer.“

Höhe der Kirchensteuer hängt vom Einkommen ab

Was dabei ebenfalls häufig übersehen wird: Durch das System der Kirchensteuer beteiligen sich die Mitglieder nach ihren finanziellen Möglichkeiten an den Kosten der Kirche. Sie finanzieren mit dem Beitrag also auf eine solidarische Weise die vielfältigen Dienste und Angebote der evangelischen Kirche wie Paarberatung, Telefonseel- oder Krankenhausseelsorge. „Wer wenig Einkommen hat, zahlt auch wenig Kirchensteuer. Und wer ein mittleres Einkommen hat, zahlt für die Kirche nicht mehr als für seinen Sportverein“, heißt es auf der Internetseite der Bremisch Evangelischen Kirche. Wie hilfreich die verschiedenen Angebote und die Nähe zu einem Seelsorger sein können, hat Gesine Frank erfahren, als es ihr seelisch besonders schlecht ging: „Die Pastorin der Markuskirchengemeinde, Beate Kopf, hat zugehört und die Trauerfeier für meinen Mann anrührend und einfühlsam gestaltet. Das war eine große Hilfe.“

Zunächst mit ihrem Glauben an Gott gehadert

Wenn ein Lebenspartner stirbt, bedeutet das nicht selten, dass der zurückbleibende Partner sich neue Lebensbereiche suchen muss, um nicht in ein Loch aus Einsamkeit und frei gewordener Zeit zu fallen: „Ich bin jetzt regelmäßig beim Frauentreff der Markuskirchengemeinde. Dort gefällt es mir sehr gut. In der Lukaskirchengemeinde gibt es ein ähnliches Angebot. Das werde ich ebenfalls ausprobieren“, so Gesine Frank. Dabei, sagt sie, habe sie, als es ihrem Mann immer schlechter ging, zunächst mit ihrem Glauben an Gott gehadert: „Ich habe gedacht: Wenn es Dich gibt, warum lässt Du das zu, Gott?“ Eine Situation, die so Sebastian Ritter, ebenfalls ein Grund für Kirchenmitglieder ist, aus der Kirche auszutreten: „Es gehört zur Trauer dazu, dass man einen Schuldigen sucht. Und da ist dann für einige auch die Frage, wie Gott dieses Sterben zulassen kann.“ Nicht selten würden diese Menschen dann aber im weiteren Leben wieder in die Kirche eintreten. Denn auch dafür gäbe es viele Anlässe: „Wenn Kinder auf die Welt kommen und getauft werden sollen, kehren Eltern oft zurück.“

Wiedereintritt ist formlos möglich

Die Rückkehr ist formlos beim Gemeindepastor möglich. „In einem Gespräch lernt man sich kennen. Manche Mitglieder nehmen in der Folge aktiv am Gemeindeleben teil, andere dann, wenn sie das Bedürfnis haben. Das ist das Schöne an der Volkskirche. Viele gehören dazu, die Kirche ist offen und wenn man Bedarf im Leben hat, kann man sie nutzen“, so Ritter. *Name von der Redaktion geändert.