Stadttheater Bremerhaven - Szenen einer Ehe

Seitensprung abgehakt, neuer Job ade: Gern würde Johan (Kay Krause) da wieder zu Hause einziehen. Doch Marianne (Isabel Zeumer) hat sich längst emanzipiert und möchte keine Rücksicht mehr nehmen.

Foto: Sandelmann

Bremerhaven
Kultur

Schauspiel "Szenen einer Ehe" beeindruckt im Kleinen Haus

Von Sebastian Loskant
22. Februar 2016 // 13:30

Johan und Marianne, die Protagonisten von Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“, sind wirklich geschmeidige Schauspieler. Wie sie sich anfangs im Kleinen Haus des Stadttheaters leicht ironisch als glückliches Paar vorstellen, geben sie uns das Gefühl, ihre Zweisamkeit im Griff zu haben. Vorläufig.

Sonntagsessen bei den Eltern

Okay, Marianne schafft es wieder nicht, das Sonntagsessen bei ihren Eltern abzusagen. Weil die zwei Beziehungsakteure von Isabel Zeumer und Kay Krause verkörpert und diese beiden gleichfalls enorm wandelbare Schauspieler sind, kriegen wir fast nicht mit, wie sehr es in der alten Liebe kriselt.

Wie festgeschnallt im Schrank

Achten wir also auf die Kleinigkeiten, die sich zwischen schwedischem Holztisch und -kleiderschrank abspielen: Wie beiläufig Johan Marianne das Tablett mit dem dreckigen Frühstücksgeschirr in die Hand drückt. Wie sie ihn unvermittelt fragt „Kommst du eigentlich gern nach Hause?“ Wie nach einem Theaterbesuch das Gespräch über Ibsens „Nora“ die Verstaubtheit der eigenen Beziehung offenbart. Fast lustig ist es, wenn beide „in die Kiste“ krabbeln: in den Schrank, senkrecht wie festgeschnallt. Die Leidenschaft ist sauber weggesperrt.

In die Studentin verliebt

Bis Johan – immerhin: schuldbewusst – Marianne eröffnet, dass er sich in eine seiner Studentinnen verliebt habe, mit der 23-jährigen zum Kongress nach Paris fahren und dann erst mal sieben, acht Monate nicht wiederkommen werde. Hier muss nun spätestens die ruhige Hand von Regisseur Ulrich Mokrusch erwähnt werden, der diesen Knall eben nicht als Paukenschlag inszeniert, sondern sein Paar verwirrt und darum um so glaubhafter in die Trennung stolpern lässt.

Johan schlägt zu

Zur Kernszene wird das Treffen beim Unterzeichnen der Scheidungspapiere in Johans Dienstzimmer. Wer bis dahin noch glaubte, die kriegen das doch ganz rational hin, reibt sich im harten Licht aus der Glaswand links die Augen: Johann wird gewalttätig. Danach ist nichts mehr zu retten.

Sieben Jahre später

Oder doch? Sieben Jahre später, nach knapp zwei pausenlosen Theaterstunden, sitzen die Ex-Partner auf Stühlen an der Rampe und akzeptieren „mit einer gewissen Demut“ ihre Grenzen. Die Besucher, die sich in manchem Satz wiedererkannt haben, dürfen sich endlich entspannen. Und ins heimische Beziehungsdickicht die Botschaft mitnehmen: Leute, bleibt locker! Schraubt die Ansprüche nicht so hoch.  

Stadttheater Bremerhaven - Szenen einer Ehe

Als Johan (Kay Krause) die Scheidung von Marianne (Isabel Zeumer) unterschreiben soll, rastet er aus.

Foto: Sandelmann

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