Ohne eine nachhaltige Rentenreform droht vielen Menschen im Alter Armut.

Ohne eine nachhaltige Rentenreform droht vielen Menschen im Alter Armut.

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Bremerhaven

Thema Rente: Bremerhavener Experte hält nichts von privat finanzierter Altersvorsorge

Von Andrea Lammers
24. April 2016 // 14:46

„Die Renten sind sicher“ – diese These hat dem ehemaligen Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) viel Hohn eingebracht. Revidiert hat er sie trotzdem nicht. Im Gegenteil: „Er hat sie kürzlich sogar wiederholt“, so Versichertenältester Dieter Wilhelmi. Genau darüber hat er sich bei einem Treffen der Rentenversicherungsanstalt Oldenburg/Bremen mit Blüm unterhalten. „Und er hat absolut recht“ – so das Fazit Dieter Wilhelmis, der seit mehr als 40 Jahren Menschen bei ihren Fragen und Belangen in Bezug auf die Rente unterstützt. Dennoch: „Bei den Besuchern der Veranstaltung hat diese Aussage Blüms zunächst auch zu Verwunderung geführt.“

Experte Wilhelmi sieht keine Alternative zu unserem Rentensystem

„So schwierig die aktuelle Situation für die Menschen ist, die jetzt und in den kommenden Jahren in Rente gehen, es gibt keine Alternative zu unserem Rentensystem. Nichts anderes meint Blüm mit seiner These.“ Das Prinzip sei nach wie vor das einzig funktionstüchtige, das sieht Wilhelmi genauso wie der Ex-Arbeitsminister. „Privat finanzierte Renten sind viel zu teuer. Sie nutzen einzig und allein der Versicherungsbranche. 40 Prozent der Gelder fließen dabei in die Verwaltung der privaten Renten“, sagt Wilhelmi.

Wilhelmi: Staat muss an Stellschrauben drehen, sonst droht vielen die Altersarmut

Das Prinzip der gesetzlichen Rentenversicherung gilt also als Erfolgsmodell, aber: „Der Staat muss jetzt dringend und unverzüglich an maßgeblichen Stellschrauben drehen, damit nicht ganze Generationen in die Altersarmut schliddern.“

Sehr viele Rentenbezieher werden später eine Aufstockung benötigen

Denn die Lage sei schon heute für viele Neu-Rentner dramatisch: „Zu mir kommen täglich Menschen, die häufig 45 Jahre und mehr voll gearbeitet haben. Viele ohne nennenswerte Ausfälle durch Arbeitslosigkeit oder dergleichen. Ein Großteil kann dennoch nur mit weit unter 1000 Euro Rente rechnen. Bei sehr vielen ist klar, dass sie eine Aufstockung benötigen werden, um überhaupt irgendwie über die Runden zu kommen.“

Vielen Rentenbeziehern drohe ein menschenunwürdiges Leben

Verzweiflung sei oft die erste Reaktion und „völliges Unverständnis darüber, wieso jemand nach einer solchen Erwerbsbiografie zum Sozialfall wird“. Das sei ein Skandal. „Im Durchschnitt bekommen die Leute, die zurzeit zu mir kommen, rund 400 Euro weniger, als es beispielsweise in der Rentenauskunft vom Jahr 2000 verbrieft worden ist.“ Hintergrund: „Die Regierung Schröder hat ab 2001 die Kürzung des Rentenniveaus auf den Weg gebracht und, ohne in irgendeiner Form auf veränderte Umstände zu reagieren, durchgezogen. Ebenso wie die Regierungen nach Schröder.“ Das habe dazu geführt, dass das Niveau mittlerweile bei 41,3 Prozent des Durchschnittsverdienstes gegenüber 75 Prozent in früheren Jahren gesunken sei. „Damit ist in vielen Fällen kein menschenwürdiges Leben mehr möglich.“

Experte fordert die sozialversicherungsfreie Rente

Das Desaster sei vor allem dadurch begründet, dass die für die Absenkung des Rentenniveaus angenommenen Zahlen nicht mehr stimmten: „Die Entwicklung der Löhne beispielsweise ist viel geringer ausgefallen. Zig Leistungen, die ungerechtfertigter Weise über die Rentenversicherung laufen, müssen endlich steuerfinanziert werden.“ Außerdem müsse die Rente wieder sozialversicherungsfrei sein.

Wihelmi macht Werbung für eine große Rentenreform

„Was wir so schnell wie möglich brauchen, ist eine große Rentenreform, die Heraufsetzung des Rentenniveaus und die Finanzierung der Kriegsfolgelasten durch die Steuer, statt durch die Rentenversicherung“, meint Wilhelmi. „Die Wirtschaft boomt, die Kassen sind voll. Aber das Geld muss endlich wieder bei den Rentenversicherten ankommen.“

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