Hygiene Krankenhaus Keime

Carmen Schwermer wirft dem Ameos-Klinikum St. Joseph Hygienefehler vor. Foto Scheer

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Bremerhaven

"Von Hygiene war da keine Spur"

Von Denise von der Ahé
24. November 2015 // 17:13

Jedes Jahr infizieren sich in Deutschland rund 800 000 Menschen mit einem Krankenhauskeim. „Bis zu 40 000 sterben daran“, sagt Professor Klaus-Dieter Zastrow, Vorsitzender des Berufsverbandes der deutschen Hygieniker. Die Hälfte der Infektionen sei durch gute Hygiene vermeidbar, die jedoch immer noch nicht überall Standard sei.

"Pflaster fiel auf den Boden im Krankenhaus"

Carmen Schwermer wirft dem Ameos-Klinikum St. Joseph Hygienefehler vor. Sie war mit ihrem kranken Stiefvater, der Dialyse-Patient ist, am 12. Oktober in der Notaufnahme des Ameos-Klinikums St. Joseph. Weil er geschwächt ist, spricht sie für ihn. „Er musste dort wegen eines blutenden offenen Katheterausgangs unterhalb des Brustbereichs behandelt werden“, sagt Schwermer. „Dem behandelnden Arzt fiel ein nicht verpacktes Pflaster auf den Boden, er hat es aufgehoben und weiterverwendet.“

"Handschuhe nicht gewechselt"

Außerdem habe während der Behandlung mehrfach das Telefon des Arztes geklingelt. „Er hat das Telefon und seinen Kugelschreiber mit den Handschuhen angefasst. Dann behandelte er die Wunde meines Stiefvaters weiter, ohne die Handschuhe zu wechseln. Von Hygiene war da keine Spur“, wirft Schwermer dem Klinikum vor.

Klinikum weist Vorwürfe zurück

Ameos-Sprecher Christoph Nordmann weist die Vorwürfe zurück: „Das Pflaster war noch verpackt. Nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt hat er bei der Wundversorgung des Katheters keine sterilen Handschuhe getragen, da er die sogenannte Non-Touch-Technik angewandt hat, das heißt, dass die Handschuhe des Arztes nicht direkt mit Körperflüssigkeiten des Patienten in Kontakt kommen. Er trug diese nicht sterilen Handschuhe vorschriftsgemäß zum Eigenschutz.“

Hygiene-Experte: Das sind feldlazarettartige Zustände

Darf ein Arzt ein nicht verpacktes Pflaster, das auf den Boden fällt, weiterbenutzen und sein Telefon mit den Handschuhen anfassen, mit denen er den Patienten behandelt?
"Ein klares Nein", sagt der Hygiene-Experte Professor Klaus-Dieter Zastrow. "Die beschriebenen Beispiele kommen zum Glück nicht mehr überall vor. Das sind tiefste feldlazarettartige Zustände, das ist schon abenteuerlich schlecht."

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