Für viele Süchtige gibt es kein Entkommen - egal ob vom Alkohol, von Drogen oder aus der Spielhalle.
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Für viele Süchtige gibt es kein Entkommen - egal ob vom Alkohol, von Drogen oder aus der Spielhalle. Foto: Murat/dpa

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Bremerhaven

Wege aus der Sucht: VHS stellt Hilfesystem in Bremerhaven vor

Von Susanne van Veenendaal
15. Mai 2016 // 12:00

Manche können Spielautomaten nicht widerstehen. Andere kommen einfach von Alkohol und Zigaretten nicht los. Viele überstehen den Tag ohne Kaffee, Zucker oder Smartphone und Computerspiele nicht. Abhängigkeit hat viele Gesichter. Und sie macht vor keiner Gesellschaftsschicht Halt. Wie man trotzdem aus der Sucht herauskommen kann, ist am Mittwoch Thema in der Volkshochschule Bremerhaven (VHS). Was die Sucht aus einem Menschen machen kann, das haben Ursel Töpfer und Jochen Mertin schon oft gesehen. Töpfer ist Schöffin bei der Straf- und Jugendkammer am Amtsgericht. Mertin arbeitet seit 35 Jahren als Bewährungshelfer in der Seestadt. Beide wissen: Straftaten sind oft Folge einer Sucht. „Vor allem Alkohol und Spielsucht spielen hier eine Rolle“, hat Töpfer beobachtet.

Gesellschaftliche Ächtung unangebracht

Eine gesellschaftliche Ächtung sei dabei das Letzte, was die Betroffenen gebrauchen können, warnt Jutta Redlich, Leiterin des VHS-Fachbereichs „Mensch und gesellschaftlicher Wandel“. „Es ist eine Krankheit“, betont sie. „Hinter jeder Sucht steht eine Sehnsucht“, ergänzt Ursel Töpfer. Ob illegale Drogen, Medikamente oder Schokolade – niemand sei zudem vor einer Abhängigkeit gefeit, meint auch Jochen Mertin. „Zumal manche Drogen gesellschaftlich anerkannt sind – Stichwort Vatertag“, fügt Jutta Redlich hinzu und spielt damit auf die bekannten Sauftouren an. Eine Abhängigkeit bestehe jedoch erst, meint Jochen Mertin, wenn der Alltag rund um die Sucht und den Konsum der Droge strukturiert wird. „Natürlich wird auch nicht jeder, der süchtig ist, automatisch straffällig“, unterstreicht er.

Kostenlose Veranstaltung am Mittwoch in der Volkshochschule

Wenn es aber doch passiert, und ein Kreislauf aus Sucht, Straftaten und Verurteilung in Gang gekommen ist, dann stehen in Bremerhaven verschiedene Hilfsangebote zur Verfügung, die dazu beitragen können, wieder auf die Beine zu kommen. Welche Angebote das sind, darüber soll die kostenlose Veranstaltung „Wege aus der Sucht – Hilfesysteme in Bremerhaven“ (Mittwoch, 18. Mai, 19 bis 21 Uhr, Volkshochschule, Lloydstraße 15, Bremerhaven) einen Überblick geben. Eingeladen sind nicht nur Ehrenamtliche in der Justiz, Schöffen und Bewährungshelfer, sondern jeder, der sich für das Thema interessiert. Das können Suchtkranke selbst und auch deren Freunde, Kollegen und Angehörige sein.

„Das Problem soll einfach mehr ins öffentliche Bewusstsein gelangen“

„Es wird hier auf keinen Fall der moralische Zeigefinger erhoben“, kündigt Jutta Redlich an. „Das Problem soll einfach mehr ins öffentliche Bewusstsein gelangen“, meint Mertin. Um hierzu einen Beitrag zu leisten, werden Vertreter aus der Suchtberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (Awo), des sozialtherapeutischen Wohnheims „Haus Lehe“ und aus verschiedenen Selbsthilfegruppen ihre Tätigkeiten vorstellen.

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