Wer den Eindruck hat, dass ein Freund oder Verwandter nicht mehr leben möchte, sollte ihn direkt darauf ansprechen.

Wer den Eindruck hat, dass ein Freund oder Verwandter nicht mehr leben möchte, sollte ihn direkt darauf ansprechen.

Foto: Stratenschulte/dpa

Bremerhaven

Wenn ein Angehöriger suizidgefährdet wirkt: Klare Worte helfen am ehesten

Von nord24
15. Oktober 2016 // 21:25

Ein Verwandter zieht sich zurück. Ein Freund macht eigenartige Bemerkungen über Abschied. Wem das komisch vorkommt, und meint, ein Angehöriger könnte suizidgefährdet sein,  der sollte rasch handeln. Denn Suizidgedanken können sich auch derart subtil äußern.

Expertin: Rasch professionelle Hilfe suchen, wenn jemand suizidgefährdet wirkt

Wer den Eindruck hat, dass ein Freund oder Verwandter nicht mehr leben möchte, sollte ihn direkt darauf ansprechen. Dabei zählen klare Worte. Irgendwann in dem Gespräch sollte man fragen, ob jemand lieber tot wäre, sagt Prof. Barbara Schneider, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS). Ist die Antwort ein "Ja", sei es wichtig, mit den Betroffenen möglichst rasch professionelle Hilfe zu suchen. Psychiatrische Kliniken sind etwa für solche Fälle rund um die Uhr offen.

Lebensgefährliche Situation

Mitunter ist der Zeitraum zwischen der Entscheidung, sterben zu wollen, und dem Suizid sehr kurz. "Manchmal nur 24 Stunden", sagt Schneider. Deshalb muss man sich sofort um den Betroffenen kümmern. Das sei wie bei anderen lebensgefährlichen Situationen.

Ängste meist unbegründet

Ängste, den Mensch durch direkte Ansprache auf Suizidgedanken zu bringen, sind unbegründet: "Es ist nicht so, dass man jemand damit erst auf die Idee bringt", sagt Schneider, die Chefärztin der Abteilung Abhängigkeitserkrankungen der LVR-Klinik Köln ist.

Was sind Alarmsignale?

Was sind Hinweise auf Suizidgedanken? Dafür gibt es zum einen direkte Anzeichen, etwa die Aussage "Ich bringe mich um". Auch wenn jemand Schlaftabletten sammelt, ist das ein klares Alarmsignal. Zum anderen gibt es auch subtile Hinweise, zum Beispiel, wenn ein Freund sich verabschiedet und bedankt, obwohl er keine Reise oder Ähnliches plant. Oder ein Verwandter sich plötzlich stark zurückzieht. Hilfe und Beratung finden Betroffene sowie Angehörige jederzeit bei der Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222. Die Seelsorge bietet unter www.ts-im-internet.de auch eine Beratung per E-Mail. Unter www.suizidprophylaxe.de bietet die DGS Informationen, zum Beispiel zum Suizidrisiko, und Links zu Hilfsangeboten.

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