Türkische Gastarbeiterinnen in den 70er Jahren in der Fischverarbeitungshalle der Nordsee im Fischereihafen Bremerhaven.

Viele junge Frauen kamen über Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei nach Bremerhaven, um hier zu arbeiten - und davon ihre Familien daheim in der Türkei zu ernähren. Dieses Bild zeigt Yeter K. (ganz links) mit ihren weitgehend türkischen Kolleginnen um 1978 in der Produktionshalle von "Nordsee".

Foto: privat

Bremerhaven

Bremerhaven: Das harte Leben der Arbeiterinnen aus der Türkei

24. Oktober 2022 // 20:40

Sie flohen vor der Armut: Vor 61 Jahren ließen tausende türkische Frauen ihren Mann und ihre Kinder in ihrer Heimat zurück, um in Deutschland zu arbeiten.

Frauen kommen in Fischindustrie in Bremerhaven

Über das Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei bekamen seit 1961 „Gastarbeiterinnen“ Arbeitsverträge auch in der Fischindustrie in Bremerhaven. Wie ist es diesen ersten Arbeitsimmigrantinnen ergangen, wie sind sie ohne Sprach- oder Integrationskurse klar gekommen, wie haben sie ihr Leben empfunden?

Nord-Süd-Forum erforscht die Biografien

„Sie wurden von unserer Gesellschaft vergessen, geredet wurde öffentlich nur von den Männern, die zum Arbeiten kamen. Selbstbestimmte Frauen passten nicht ins damalige Klischee“, formuliert Jutta Schmidt, warum sie und zwei Mitstreiterinnen des Arbeitskreises Migration und Flüchtlinge am Nord-Süd-Forum ein Dreivierteljahr lang recherchiert, das Vertrauen der Arbeiterinnen gewonnen, ihre Geschichten aufgezeichnet haben.

Verein zeigt Wanderausstellung

Entstanden ist daraus die Wanderausstellung „Fern der Heimat verwurzelt“, die mit Bildern der Verhältnisse in Anatolien, mit Informationstexten und vor allem den Gesichtern und Biografien von fünf älteren Frauen der ersten und drei jüngeren der zweiten Generation diese Lücke füllen will. Alle Geschichten finden sich zudem detailliert in einer Broschüre zur Ausstellung, die bis 4. Dezember noch an drei Vereins- Standorten zu erleben ist.

Mehr dazu lest Ihr hier.

Türkische Gastarbeiterinnen in den 70er Jahren in der Fischverarbeitungshalle der Nordsee im Fischereihafen Bremerhaven.

Die "Rieselabteilung" der Nordsee, 1978: Yeter K. (vorne lächelnd) filetiert Fisch. Sie hat den Schritt, ihre Heimat und ihre Familie zunächst zu verlassen, um in Deutschland zu arbeiten, nicht bereut. Es habe sie selbstbewusst und stark gemacht, sagt die heute 72-Jährige. Jahre später sind die Kinder ebenfalls nach Bremerhaven gezogen. An der Armut in ihrer alten Heimat aber habe sich bis heute nichts geändert.

Foto: privat

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