Vor allem in den insgesamt 110 Koberfenstern arbeiten die sehr jungen Frauen laut Polizei im Bremerhavener Rotlichtmilieu.

Vor allem in den insgesamt 110 Koberfenstern arbeiten die sehr jungen Frauen laut Polizei im Bremerhavener Rotlichtmilieu.

Foto: Scheer

Bremerhaven

Bremerhaven: Prostituierte sind jünger als in Hamburg und Bremen

Von Laura Bohlmann-Drammeh
30. März 2017 // 09:00

Seit drei Tagen achtzehn und schon Sexarbeiterin – in der Lessingstraße ist das für manch junge Frau Realität. In Bremerhaven gibt es laut Gesundheitsamt mehr junge Prostituierte als in Hamburg und Bremen. Ihre Herkunft ist wohl eine Ursache dafür. Probleme gibt es deswegen nicht direkt, aber die Stadt hat wegen eines neuen Gesetzes mehr Kosten.

Werbung durch Internetseite in Ungarn

Das hat das Gesundheitsamt Bremerhaven im Austausch mit Beratungsstellen in Hamburg und Bremen herausgefunden. Vor allem aus Ungarn kommen die sehr jungen Frauen in die Seestadt. "Über eine Internetseite werden sie dort direkt geworben", erzählt eine Beraterin, die anonym bleiben möchte. Manche Frauen würden hier zum ersten Mal gynäkologisch untersucht. "Die meisten wissen aber schon, worauf sie sich einlassen", erzählt die Expertin.

Ungarinnen größte Gruppe unter Sexarbeiterinnen

Die Polizei erklärt das junge Alter vieler Frauen so: "Im Milieu gehören mehrere Häuser einem Niederländer der mit einer Ungarin verheiratet ist, so kommt der Kontakt zu Stande", sagt ein Experte. Die Ungarinnen seien die größte Gruppe unter den Sexarbeiterinnen, deshalb hätte die Seestadt im Vergleich "mehr Frischfleisch", wie sich einer der Beamten ausdrückt, zu bieten.

Jüngste Prostituierte fünfzehn Jahre alt

Die Polizisten kennen auch Einzelfälle, in denen die Frauen unter falschen Versprechungen hierher gelockt werden.  Auch die so genannte Loverboy-Masche, also das Vortäuschen einer Liebesbeziehung sei schon dabei gewesen. Die jüngste Frau, die die Beamten aufgegriffen haben, sei gerade einmal fünfzehn gewesen. Sie habe versucht, hier mit gefälschten Papieren zu arbeiten. "Das sind aber Einzelfälle", sagt ein Polizist.

Ausweis für Sexarbeiterinnen kommt

Zum ersten Juli tritt das neue Prostituiertenschutzgesetz in Kraft. Dann müssen alle Sexarbeiterinnen sich mit Namen bei den Behörden anmelden. Wenn sie volljährig sind und die Teilnahme an Beratungsgesprächen nachweisen können, bekommen sie einen Ausweis mit Lichtbild, den sie während der Arbeit bei sich führen müssen. Die Polizei hofft, dass sich dann weniger sehr junge Frauen hier prostituieren.

Bremerhaven braucht mehr Geld für Umsetzung

Für die Stadt ist das neue Gesetz eine Herausforderung. Denn: Frauen unter 21 Jahren müssen alle sechs Monate zur Beratung, ältere einmal im Jahr. Der Bund hat der Seestadt für die zusätzlichen Verwaltungskosten 25.000 Euro zugewiesen. Das Gesundheitsamt fürchtet, dass das nicht reicht. "Um die Prostituierten besser zu schützen und das Milieu transparenter zu machen - denn das will das neue Gesetz erreichen - brauchen wir mindestens eine Dreiviertel-Stelle zusätzlich", sagt Amtsarzt Ronny Möckel.

Immer informiert via Messenger
Die Wahlen sind vorbei. Welche Koalition wünscht ihr euch?
1398 abgegebene Stimmen
Folge den Pinguins via Messenger