Margarete Krevetsiek, die Vorfahrin von Ulla Krämmer, wurde als Hexe hingerichtet. Zu ihrem Schicksal gibt es auch einen zwölfminütigen Film, den Studenten der Lemgoer Hochschule an Originalschauplätzen gedreht haben.

Margarete Krevetsiek, die Vorfahrin von Ulla Krämmer, wurde als Hexe hingerichtet. Zu ihrem Schicksal gibt es auch einen zwölfminütigen Film, den Studenten der Lemgoer Hochschule an Originalschauplätzen gedreht haben.

Foto:

Bremerhaven
Der Norden

Bremerhavener Ehepaar: Vorfahrin wurde als Hexe hingerichtet

Von Tim Albert
18. November 2017 // 08:00

Der Bremerhavener Bernd Krämmer (67) hat die Geschichte seiner Familie erforscht und ist dabei auf auf eine schreckliche Tragödie gestoßen: Eine Vorfahrin seiner Frau Ulla (59) wurde  im  Jahr 1653 in Lemgo als Hexe hingerichtet. 

Denunziert, weil sie ihr Pflegekind verprügelte

Ihr Name war Margarete Krevetsiek, geborene Siekmann. Das wissen die Krämmers aus der historischen Prozessakte.  „Sie hatte, was damals ganz normal war, ihrem sechsjährigen Pflegekind eine Tracht Prügel verabreicht. Und dann hat deren Mutter sie als Hexe denunziert“, berichtet Bernd Krämmer. Die in zweiter Ehe verheiratete Frau wurde gefoltert und dann mit dem Schwert hingerichtet. Anschließend wurde ihr Leichnam verbrannt.

Rat der Stadt rehabilitiert die Opfer

„Oh Gott, die arme Frau“, dachte Ulla Krämmer, als sie die Geschichte ihrer Vorfahrin zum ersten Mal hörte. Das Ehepaar beschloss, beim Rat der Stadt Lemgo die Rehabilitierung der Vorfahrin zu beantragen. Und hatte Erfolg:  Das Gremium bestätigte einstimmig, dass die Ehre der mehr als 200 Opfer, die die Hexenprozesse in Lemgo gefordert haben, wieder hergestellt sei.  Auch die von Margarete Krevetsiek.

Fünf Irrtümer über die Hexenverfolgung

Europaweit  wurden im 15. bis 18. Jahrhundert Zehntausende Menschen Opfer der Hexenverfolgung. Über das Geschehen damals kursieren heute viele Fehlinformationen. Wir haben die fünf populärsten Irrtümer zusammengestellt:
  1. Die Hexenverfolgung fand im finsteren Mittelalter statt. Falsch. Die meisten europäischen Hexenprozesse gab es in der Frühen Neuzeit, zwischen 1450 und 1750.
  2. Hexenprozesse waren Sache der Kirche. Falsch. In Deutschland wurden fast alle Verfahren von weltlichen Gerichten abgehalten.
  3. Hexenverfolgung gab es nur in katholischen Gegenden. Falsch. Auch in evangelischen Gebieten gab es Hexenprozesse.
  4. In Europa wurden Millionen Hexen verbrannt. Falsch. Schätzungen zufolge fordert der Hexenwahn europaweit 50.000 bis 70.000 Todesopfer.
  5. Nur Frauen wurden der Hexerei angeklagt. Falsch. Auch Männer und sogar Kinder wurden der Hexerei angeklagt.
Wer sich für das Thema Hexenverfolgung interessiert, sollte heute mal in die Nordsee-Zeitung, die Kreiszeitung Wesermarsch oder die Zevener Zeitung schauen. Dort gibt es jeweils eine Doppelseite über den Hexenwahn, seine  Ursachen und die bewegenden Schicksale der Opfer.                      

Immer informiert via Messenger
Oben-Ohne-Baden in den Schwimmbädern der Region - Seid ihr dafür?
1285 abgegebene Stimmen
Folge den Pinguins via Messenger