Schlaganfallpatienten müssen so schnell wie möglich medizinisch versorgt werden.

Schlaganfallpatienten müssen so schnell wie möglich medizinisch versorgt werden.

Foto: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe

Bremerhaven

Das Leben nach dem Schlaganfall

Von Andrea Lammers
19. Juni 2016 // 09:00

Wortwörtlich aus heiterem Himmel ereilte Karen Smetacek ein Schicksalsschlag. Die junge Frau war mit ihrem Mann auf der Rückreise aus Andalusien nach Deutschland. Einen Autounfall und einen Schlaganfall später war in ihrem Leben nichts mehr wie zuvor. Heute hilft sie anderen Schlaganfallpatienten mit den Folgen der Erkrankung umzugehen. Karen Smetacek lächelt, und ihre Lebensfreude wirkt ansteckend. Sprechen, laufen – lauter Dinge, die einem gesunden Menschen selbstverständlich erscheinen, musste sie mühselig wieder erlernen. Drei Monate vor dem verhängnisvollen Unfall im Jahre 1981 hatte die damals 33-Jährige eine Stelle als Lehrerin an einem Gymnasium in Neumünster angetreten.

Zu wenig Sauerstoff in der linken Hirnhälfte, die rechte Körperhälfte ist gelähmt

Folge des Unfalles war eine Vernarbung, die den Blutfluss in der Hauptschlagader stoppte. Zu wenig Sauerstoff in der linken Hirnhälfte, die rechte Körperhälfte war gelähmt, Karen Smetacek konnte nicht mehr sprechen. Es dauert Jahre bis die Sprachwissenschaftlerin wieder reden konnte. Ein Schlaganfall wird durch eine akute Durchblutungsstörung oder Einblutung im Gehirn ausgelöst. Dabei können im Prinzip alle Funktionen des Körpers betroffen sein. Es kann sich um Sehstörungen im Gesichtsfeld, Doppelbilder, Schluckstörungen, Lähmungen einer Körperhälfte sowie Sprachstörungen handeln, so der Sprecher der so genannten Stroke-Unit im Klinikum Bremerhaven, Sebastian Drost.

Rund 1000 Patienten pro Jahr in der Spezialabteilung für Schlaganfallpatienten

In dieser Spezialabteilung für Schlaganfallpatienten kümmert sich ein multiprofessionelles Team bestehend aus Krankenschwestern, Ergo- und Physiotherapeuten sowie Logopäden vom ersten Tag an in enger Abstimmung mit den behandelnden Ärzten um die Schlaganfallpatienten. „Diese profitieren von der genauen Diagnostik und frühestmöglichen Rehabilitation so deutlich, dass noch zehn Jahre nach dem Schlaganfall eine Senkung der Sterblichkeit nachgewiesen werden kann“, so Drost. Rund 1000 Patienten werden hier pro Jahr behandelt. Insgesamt erleiden nach Auskunft der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe rund 270 000 Menschen in Deutschland jährlich einen Schlaganfall. Jeder Fünfte von ihnen stirbt unmittelbar an den Folgen. Viele bleiben arbeitsunfähig oder schwerbehindert.

Austausch, gemeinsame Unternehmungen und Krankengymnastik

„Nicht selten wenden sich Freunde ab, droht den Schlaganfallpatienten soziale Isolation“, weiß Karen Smetacek. In der Selbsthilfegruppe, die sie leitet, finden die Teilnehmer nicht nur die Möglichkeit zum Austausch, zu Unternehmungen, sondern auch zur gemeinsamen Krankengymnastik. Außerdem lädt die Gruppe regelmäßig Fachleute ein, die Anregungen und Tipps anbieten. „Die Gespräche mit Menschen, die mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben, machen Betroffenen Mut und Hoffnung. Sie sind mit ihren Schwierigkeiten nicht allein“, sagt Karen Smetacek. Rückzug hingegen mache nicht selten depressiv. 15 Mitglieder zählt die Gruppe aktuell, Altersspanne von Mitte 40 bis über 80 Jahre. Treffen könne es theoretisch jeden. Allerdings erhöhen bestimmte Umstände das Risiko erheblich: Bluthochdruck, Rauchen, Alkohol, Übergewicht und Stress. Schwindel, Geh-, Seh-, Sprach- und Hörstörungen, Schluckbeschwerden, Lähmungen, plötzliche starke Kopfschmerzen, Desorientierung und Taubheitsgefühl gelten als potenzielle Vorboten eines Schlaganfalls.

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