Jeremy Welsh (links) und Cory Quirk sind außer sich vor Freude.

Jeremy Welsh (links) und Cory Quirk sind außer sich vor Freude.

Foto: Scheer

Bremerhaven

Das pure Glück glänzt in den Augen

Von Lars Brockbalz
4. März 2017 // 00:09

Von Lars Brockbalz Das, was im Bremerhavener Eishockey im Moment abgeht, ist kaum in Worte zu fassen. „Hier steht allen der Wahnsinn in den Augen“, hatte Teammanager Alfred Prey versucht, die märchenhafte Saison zu umschreiben. Gestern stand in den Augen aber vor allem der Glanz des puren Glücks. Mit einem 6:5-Sieg im zweiten Pre-Playoff-Spiel gegen den ERC Ingolstadt haben die Bremerhavener das Viertelfinale der DEL-Playoffs erreicht und Geschichte geschrieben. Es war eines dieser Spiele, von denen alle, die dabei waren, noch in 20 Jahren ihren Kindern erzählen werden. Noch nie zuvor hat es ein DEL-Neuling im ersten Jahr sofort ins Playoff-Viertelfinale geschafft. Die 4647 Fans in der Eisarena flippten völlig aus angesichts des Erfolges und des Spielverlaufs. Und den Spielern ging es nicht anders. „Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal eine Playoff-Serie gewonnen habe. Vielleicht auf dem College. Es ist unglaublich. Es war eines der emotionalsten Spiele, die ich je mitgemacht habe“, sagte Rob Bordson. Er war der erste, der nach der Schlusssirene bei Jerry Kuhn war und dem Torhüter wie ein kleines Kind in die Arme sprang.

Fans schreien ihre Freude heraus

In der Halle konnte man zu dem Zeitpunkt sein eigenes Wort nicht verstehen, so sehr brüllten die Fans ihre Freude heraus. Als sie „Die ganze Halle hüpft“ anstimmten, fassten sich die Spieler an den Schultern und hüpften auf dem Eis mit. Freude pur. „Ich bin glücklich, Teil von so einer besonderen Geschichte zu sein“, sagte Torhüter Jerry Kuhn mit feucht glänzenden Augen und einem Belohnungs-Bier in der Hand. „Das ist so ein toller Tag für diese Stadt. So viele Leute haben hart dafür gearbeitet, dass sie ein Erstliga-Team hier aufstellen. Heute hat man gesehen, dass sie es verdient haben“, sagte Cody Lampl. „Ich bin der glücklichste Mensch in dieser Stadt heute Abend“, sagte Kapitän Mike Moore. „So eine Stimmung wie heute habe ich noch nie in einem Spiel erlebt.“

Volles Risiko im Powerplay wir belohnt

Das erste Pre-Playoff-Spiel der Serie „Best of Three“ hatten die Pinguins am Mittwoch mit 4:1 in Ingolstadt gewonnen. Nun spielen sie im Viertelfinale gegen Titelverteidiger München. Die erste Partie findet am Dienstag um 19.30 Uhr in München statt. Taktik, Defensive stärken, abwarten – all das, was man in so einem Spiel erwartet würde, gab es nicht. Stattdessen Hau-Ruck-Eishockey auf beiden Seiten, viele Strafen und ein emotionales Wellenbad für die Fans mit mehreren Führungswechseln. Trainer Thomas Popiesch hatte wie am Mittwoch mit einem genialen Schachzug großen Anteil am Erfolg. Er ging hohes Risiko und stellte fünf Stürmer in seine erste Powerplay-Formation. Und prompt erzielte diese drei Überzahl-Treffer. Der erste gelang Mike Hoeffel (6.), der einen Schuss von Jack Combs abfälschte. Das 2:1 markierte Combs selbst (20.). Brandon Buck hatte zwischendurch zum 1:1 (13.) getroffen.

Pinguins finden eine Antwort auf Ingolstadts Doppelschlag

Im zweiten Drittel wird der ein oder andere Pinguins-Fan zu seinen Herztabletten gegriffen haben, so aufregend war es. Die Pinguins lagen nach zwei Gegentreffern in eineinhalb Minuten plötzlich 2:3 hinten. Erst traf David Elsner (25.), dann Petr Taticek (26.) im Powerplay. Die Antwort der Pinguins? Ebenfalls ein Doppelschlag, sogar innerhalb von 26 Sekunden. Erst traf Jordan Owens, dann Ross Mauermann – und damit führten die Gastgeber ab der 37. Minute wieder. Brandon Buck glich erneut aus, das 4:4 (41.) war auch Ingolstadts dritter Powerplay-Treffer. Doch Jordan Owens schlug zum 5:4 (42.) zurück. Es war der pure Wahnsinn. Als dann auch noch Jason Bast zum 6:4 (45.) traf, kochte die Halle. Das war es aber noch lange nicht. In der 48. Minute verkürzte Brian Salcido auf 6:5. Jetzt waren die Kampf-Pinguins gefragt, und sie ließen sich ihr historisches Erlebnis nicht mehr nehmen.

Die Statistik zum Spiel

Fischtown Pinguins - ERC Ingolstadt 6:5 (2:1, 2:2, 2:2) Pinguins: Tor: Kuhn (Nieminen); Abwehr: Maschmeyer, Moore – Lampl, Bergman – Pentikäinen, Tiffels; Angriff: Combs, Bordson, Welsh – Hooton, Quirk,Owens – Mauermann, Bast, George – Zucker, Hoeffel, Dejdar – Körner Ingolstadt: Tor: Pielmeier (Eisenhut); Abwehr: McNeill, Friesen – Salcido, Köppchen – Schopper, Kohl; Angriff: Jacques, Boyce, Bulmer – Elsner, Buchwieser, Oppenheimer – Taticek, Buck, Greilinger - Laliberte, Irmen, Pohl – Svensson Tore: 1:0 (5:24) Hoeffel (Combs, Bordson) bei 5/4; 1:1 (12:39) Buck (McNeil) bei 5/4; 2:1 (19:48) Combs (Bordson, George) bei 5/4; 2:2 (24:18) Elsner (Pielmeier); 2:3 (25:59) Taticek (McNeill, Oppenheimer) bei 5/4; 3:3 (33:27) Owens (Hoeffel, Hooton) 4:3 (33:53) Mauermann (Bast, Maschmeyer); 4:4 (40:37) Buck (Oppenheimer) bei 5/4; 5:4 (41:32) Owens (Combs, Hoeffel) bei 5/4; 6:4 (46:28) Bast (Quirk, Bergman) bei 5/4; 6:5 (47:45) Salcido (Buchwieser, Oppenheimer) Strafzeiten: Pinguins: 18 Min. – Ingolstadt: 22 Min. + 10 Jacques Schiedsrichter:  Gordon Schukies, Stephan Bauer Zuschauer: 4647 (ausverkauft) Serien-Endstand: 2:0 (4:1, 6:5)

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