Im Arbeitszeugnis kommt es nicht nur darauf an, was dort geschrieben steht, sondern auch, wie es formuliert wurde.

Im Arbeitszeugnis kommt es nicht nur darauf an, was dort geschrieben steht, sondern auch, wie es formuliert wurde.

Foto: Foto: Büttner/dpa

Bremerhaven

„Der Kollege war stets bemüht“ - Arbeitszeugnisse entschlüsselt

Von Christoph Bohn
2. September 2017 // 17:30

Der Satz liest sich im Arbeitszeugnis richtig gut: „Er war wegen seiner Pünktlichkeit stets ein gutes Vorbild.“ Leider handelt es sich um eine codierte Aussage und bedeutet genau das Gegenteil.

Rechtsberaterin übersetzt Arbeitszeugnisse

So etwas ist keine Seltenheit, betont Britta Clausen, Rechtsberaterin bei der Arbeitnehmerkammer in Bremerhaven. Sie hilft beim Übersetzen von Arbeitszeugnissen. „Sie glauben nicht, was ich schon alles gesehen habe“, sagt Clausen. Das sollte man aber nicht auf sich beruhen lassen, betont sie.

Worte wie „stets“ und „vollsten“ bedeuten "sehr gut"

„Das wirklich Interessante liest man aber eigentlich nur zwischen den Zeilen“, sagt die Rechtsberaterin. Dabei sollte der Blick auf klare Abstufungen liegen. So bedeuteten beispielsweise Worte wie „stets“ und „vollsten“ in einem Satz eine sehr gute Leistung, während Abstufungen und Fehlen auf schlechtere Leistungen hinwiesen. „Stets zu unserer Zufriedenheit“ sei nur ein Befriedigend, „zu unserer Zufriedenheit zu erledigen versucht“ sei unzureichend.

Ein senkrechter Strich outet das Gewerkschaftsmitglied

Und dann gebe es eine Reihe von Formulierungen, die codiert eine negative Botschaft vermittelten. Beispiel: „Er erledigte alle Arbeiten mit großem Fleiß und Interesse“ bedeutet „er war zwar eifrig, aber nicht besonders tüchtig.“ Auch Ausrufezeichen, Anführungszeichen und Unterstreichungen bedeuteten eine negative Aussage. Und Geheimzeichen sind Clausen ebenfalls schon untergekommen: „Ein senkrechter Strich links vor der Unterschrift heißt zum Beispiel: Gewerkschaftsmitglied.“

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