Die Besucher standen beim DFB-Pokalspiel zwischen LTS Bremerhaven und 1. FC Köln dicht gedrängt im Nordsee-Stadion.

Die Besucher standen beim DFB-Pokalspiel zwischen LTS Bremerhaven und 1. FC Köln dicht gedrängt im Nordsee-Stadion.

Foto: Scheer

Bremerhaven

DFB-Pokal in Bremerhaven: Warum sind so viele Besucher nur am Meckern? #isso

Von Christoph Käfer
15. August 2017 // 19:00

An das DFB-Pokalspiel zwischen der Leher Turnerschaft (LTS) Bremerhaven und dem 1. FC Köln am Samstag werden sich die jungen LTS-Fußballer wahrscheinlich noch lange erinnern. Das trifft vermutlich auch für den ein oder anderen Zuschauer im Nordsee-Stadion zu, jedoch aus ganz anderem Grund: Bei vielen Besuchern war der Frust über die Organisation sehr groß. Zurecht! Aber muss man sich deshalb schimpfen wie ein Rohrspatz? Ganz sicher nicht, zumal die Kritik die Falschen trifft. #isso

Spiel des Lebens für LTS-Fußballer

Für die Fußball-Gemeinde in und um Bremerhaven war es sicherlich das Spiel des Jahres, für die LTS-Fußballer womöglich gar das Spiel ihres Lebens. Die Fünftliga-Kicker aus dem Norden Bremerhavens haben die wohl einmalige Chance genutzt: Sie haben sich achtbar aus der Affäre gezogen im Duell "David gegen Goliath" und unermüdlichen Einsatz gegen den 1. FC Köln gezeigt.

Besucher schimpfen über Organisation

Kein Wunder also, dass nicht nur LTS-Trainer Dennis Ley trotz der 0:5-Niederlage gegen den Bundesligisten zufrieden war, auch die tausenden Besucher und der Gegner zollten LTS Lob und Anerkennung für ihre Leistung. Ganz anders sah das im Hinblick auf das Drumherum des Pokalspiels aus: Da schimpften zahlreiche Besucher - auch tags darauf im Internet - über die in ihren Augen katastrophale Organisation. Dutzende verließen aus Frust schon wenige Minuten nach Anpfiff der Partie das Nordsee-Stadion wieder.

Fan-Frust im Dauerregen

Der Ärger ist nachvollziehbar, zumindest in Teilen: Teilweise bis zu knapp zwei Stunden mussten Besucher am Einlassbereich im Bremerhavener Dauerregen warten und kamen erst einige Minuten nach dem Anstoß ins Stadion. Andere schilderten, dass sie von Ordnern mehrfach zum falschen Eingang gelotst wurden und sie entsprechend lange auf den Einlass warten mussten.

Firma für Sicherheit zuständig

Für das Wetter kann die LTS natürlich nichts. Für die langen Warteschlangen am Eingangsbereich aber genauso wenig: Für das Sicherheitskonzept war eine externe Firma zuständig.

Schlechte Sicht im Stehplatz-Bereich

Weiterer Kritikpunkt: Im Nordsee-Stadion sei im Stehplatz-Bereich die Sicht so schlecht gewesen, dass etliche Besucher schon nach wenigen Minuten die Nase voll hatten und wieder nach Hause fuhren.

Nicht alles perfekt in Bremerhaven

Ja, so etwas ist ärgerlich und frustrierend. Und ja, bei Werder Bremen im Weserstadion wäre so etwas vermutlich nicht passiert. Aber LTS ist nun mal nicht Werder und das Nordsee-Stadion nicht das Weserstadion. Oder anders gesagt: Besteht der Reiz des DFB-Pokals nicht gerade darin, dass die kleineren Vereine, wie LTS, es einmal mit den Großen, wie dem 1. FC Köln, in einem Pflichtspiel zu tun bekommen? Zeichnet sich eine solche Veranstaltung nicht auch dadurch aus, dass nicht alles perfekt organisiert ist, weil Ehrenamtliche und nicht Profis am Werk sind?

DFB-Pokal in Bremerhaven zuletzt 2006

In Bremerhaven haben das am Wochenende zu viele Besucher leider vergessen. Dass erstmals nach elf Jahren wieder ein solches Fußball-Großevent in Bremerhaven stattfand und das Spiel trotz der anspruchsvollen Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dank eifrigem Einsatz zahlreicher Helfer im maroden Nordsee-Stadion ausgetragen werden durfte, vergessen viele. Für die 18 ehrenamtlichen LTS-Helfer, die wochenlang mit den Vorbereitungen beschäftigt waren, muss die Kritik wie Hohn und Spott sein.

LTS-Vize nimmt Stellung

Trotzdem versuchte LTS-Vizepräsident Detlef Hajman gar nicht erst, die Vorfälle herunterzuspielen oder schönzureden. "Wir haben den Besucherandrang unterschätzt, bei besserem Wetter wären sicherlich nicht alle Besucher fast zeitgleich hier aufgeschlagen." Für die Probleme beim Einlass können LTS und Hajman bekanntlich nichts.

Lautsprecher-Durchsagen ignoriert

Auch für die schlechte Sicht aufs Spielfeld ist das Helferteam nur bedingt schuld: Etliche Besucher berichteten, dass in den vorderen Reihen noch genügend Plätze frei waren. Trotz entsprechender Lautsprecher-Durchsagen kamen viel zu wenige Besucher dieser Bitte nach. "Wieso sollte ich auch weiterrücken, wenn ich mir einen bestimmten Platz ausgesucht habe?", sagte ein junger Mann gegenüber nord24. Doch den Ärger über sein Verhalten bekam nicht er ab, sondern das (ehrenamtliche!) Organisationsteam.

Wiederholung erwünscht

Daher bleibt zu hoffen, dass ein Bremerhavener Fußballverein möglichst bald wieder den Sprung in den DFB-Pokal schafft. Zum einen ist es den Menschen in der Region zu wünschen, zum anderen können die ehrenamtlichen Helfer dann zeigen, dass sie aus ihren Fehlern vom Spiel gegen Köln gelernt haben. Aber Kritik wird es vermutlich auch dann geben. Wie sagte ein Besucher aus Bremerhaven am Samstag im Nordsee-Stadion doch gleich: "Wenn die Bremerhavener nichts zu meckern haben, dann sind sie nicht froh."

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